© Getty Images
Naturkatastrophen

Hurrikane verursachten 2017 Rekordschäden - Das Jahr in Zahlen

2017 war gemessen an den Gesamtschäden das bisher zweitteuerste Naturkatastrophenjahr. Die Schäden durch wetterbedingte Katastrophen brachen sogar die bisherigen Rekorde.

Mit 330 Milliarden US-Dollar übertrafen die Gesamtschäden des vergangenen Jahres die der extremen Jahre 2005 und 2008 bei weitem. Nur im Rekordjahr 2011, in dem unter anderem das Tohoku-Erdbeben und Überschwemmungen in Thailand sehr hohe Schäden verursachten, blieb mit einer Schadenssumme von rund 350 Milliarden US-Dollar noch darüber.

Die versicherten Schäden 2017 beliefen sich auf 135 Milliarden US-Dollar, der höchste Wert in der Zeitreihe 1980-2017. Der NatCatSERVICE von Munich Re erfasste 710 relevante Schadenereignisse, was über dem Mittel der vergangenen zehn Jahre liegt. Im Schnitt wurden hier 605 Ereignissen registriert, beim 30-Jahres-Vergleich sogar nur 490 Ereignisse.

Die Anzahlstatistik erfasst alle relevanten Schadenereignisse, denen in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand eines Landes unterschiedliche Schwellenwerte für Sachschäden zugrunde liegen. In der Statistik sind zudem alle Schadenereignisse enthalten, bei denen Todesopfer zu beklagen waren.

Schäden aus Naturkatastrophen 1980-2017: Schwankungsbreite der Schadenssummen nimmt zu

Schäden deutlich höher als im Durchschnitt

Sowohl die Gesamtschäden als auch die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen lagen 2017 deutlich über den Durchschnittswerten der vergangenen 10 Jahre. Für die Gesamtschäden betrugen diese inflationsbereinigt 170 Milliarden US-Dollar, für die versicherten Schäden 49 Milliarden US-Dollar.

Vor allem die Hurrikansaison im Nordatlantik schlug im vergangenen Jahr zu Buche, die allein einen Gesamtschaden von 215 Milliarden US-Dollar verursachte. 92 Milliarden davon müssen voraussichtlich von der Versicherungswirtschaft getragen werden. Hinzu kamen noch zwei Erdbebenereignisse in Mexiko mit Schäden von insgesamt über 8 Milliarden US-Dollar und großflächige Überschwemmungen in China, die mit über 6 Milliarden US-Dolllar in die Statistik eingingen. Bis in den Dezember hinein wüteten gravierende Waldbrände in den USA. Allein die Schäden von Bränden im Oktober betrugen bereits mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Der größte Teil wurde mit mehr als 8 Milliarden US-Dollar von der Versicherungswirtschaft getragen. Die Gesamtschäden zusammen mit den Waldbränden zum Jahresende dürften damit nochmals deutlich darüber liegen.

Weltweit handelte es sich 2017 bei rund 93 Prozent aller Ereignisse um wetterbedingte Katastrophen. Die gesamtwirtschaftliche Belastung dadurch lag bei 320 Milliarden US-Dollar, davon entfielen 133 Milliarden US-Dollar auf die Versicherungswirtschaft. Somit ist 2017 das teuerste Jahr in Bezug auf die Wetterkatastrophen weltweit.

Im langjährigen Durchschnitt seit 1980 lag die Schadenbelastung durch meteorologische Ereignisse bei 41 Prozent. Dies weicht 2017 mit 81 Prozent deutlich ab, bei den versicherten Schäden geht der Anteil sogar auf 89 Prozent. Überschwemmungen und klimatologische Ereignisse waren dagegen jeweils mit nur 8 Prozent beteiligt. 3 Prozent entfielen auf die Gruppe der geophysikalischen Ereignisse.

Schäden durch Wetterkatastrophen 2017 so hoch wie noch nie

Anzahl der Ereignisse

Die Verteilung auf die Hauptgefahren geophysikalische, meteorologische, hydrologische und klimatologische Ereignisse hat sich 2017 hin zu mehr Überschwemmungsereignissen entwickelt. 47 Prozent entfielen auf diesen Gefahrentyp, der Flusshochwasser, aber auch Sturzfluten umfasst. Das langjährige Mittel liegt bei rund 40 Prozent. Die anderen Gefahren wiesen nur leichte Änderungen auf. Insgesamt ereigneten sich 50 Erdbeben, 250 Stürme, 335 Überschwemmungen und 75 klimatologische Ereignisse wie Waldbrände, Dürren und Winterschäden.
 
Die 710 registrierten relevanten Ereignisse bedeuten, dass auch 2017 in die Liste der Jahre mit den meisten Naturkatastrophen eingeht: Nur in fünf Jahren wurde in der Vergangenheit die Schwelle von 600 Ereignissen übertroffen, und diese lagen allesamt in den vergangenen sechs Jahren. Betrachtet man nur die Katastrophen der Klasse 4, also die besonders verheerenden Katastrophen, so entfielen 19 Ereignisse auf diese Kategorie. Fast zwei Drittel der insgesamt registrierten Naturkatastrophen ereigneten sich in Nordamerika, der Karibik, Zentralamerika und Asien. Das liegt über dem langjährigen Durchschnittswert von 59 Prozent.

2017 geht in Liste der 5 Jahre mit der höchsten Anzahl von Naturkatastrophen ein

Etwas höhere Zahl an Todesopfern

2017 kamen weltweit etwa 10.000 Menschen ums Leben. Das waren bedauerlicherweise mehr Todesopfer als im Vorjahr (9.650). Bei langfristiger Betrachtung passt das Jahr aber zumindest zum Trend mit niedrigeren Opferzahlen als früher: Das 10-jährige Mittel liegt bei 60.000, das 30-jährige bei 53.000. Rund zwei Drittel der Todesopfer des vergangenen Jahres waren bei Naturkatastrophen in Asien zu beklagen, gefolgt von 11 Prozent in Afrika und Nordamerika, sowie 4 Prozent in Europa.
 
Die Ereignisse mit den meisten Todesopfern im letzten Jahr waren schwere Überschwemmungen in Indien, Nepal und Bangladesch ausgelöst durch heftigen Monsunregen. Dabei starben in der Zeit zwischen Juni und Oktober etwa 2.700 Menschen. Ein Erdbeben im Iran forderte fast 600 Todesopfer, 500 ein Erdrutsch in Sierra Leone. Auffällig ist erneut, dass in Entwicklungs- und Schwellenländern weitaus mehr Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben kommen als in Industrieländern, in denen mehr Aufwand für Schutzmaßnahmen betrieben wird.

Auch 2017 starben in Entwicklungs- und Schwellenländern bei Naturkatastrophen weitaus mehr Menschen als in Industrieländern

Kontinente

  • Nordamerika (mit Karibik und Zentralamerika)
    83 Prozent der Gesamtschäden und 93 Prozent der versicherten Schäden weltweit entfielen auf den Kontinent Nordamerika einschließlich der Karibik und Zentralamerikas. Rund 160 Ereignisse wurden erfasst. 13 Ereignisse verursachten einen Gesamtschaden von mehr als 1 Milliarde US-Dollar, weit darüber lagen allen voran die schweren Hurrikane Harvey, Irma und Maria. Dazu kamen noch zwei Erdbeben in Mexiko sowie Waldbrände und Unwetter in den USA. Der Gesamtschaden aus schweren Gewittern, den so genannten konvektiven Ereignissen, beliefen sich auf 25,4 Milliarden US-Dollar. Etwa drei Viertel davon trug die Versicherungswirtschaft.
Anteil Nordamerikas an den weltweiten Schäden aus Naturkatastrophen war 2017 ungewöhnlich hoch
  • Südamerika
    Schwere Regenfälle verursachten zwischen Januar und März einen Milliardenschaden durch Überschwemmungen und Erdrutsche in Peru und Kolumbien. Fast 500 Menschen kamen dabei ums Leben. Dazu wüteten Waldbrände in Chile und Argentinien. Die Gesamtschadenbelastung belief sich auf 4,3 Milliarden US-Dollar, wovon rund 400 Millionen versichert waren.
  • Europa
    In Europa wurden 2017 zwei Ereignisse mit Milliardenschäden für die Gesamtwirtschaft verzeichnet. Mitte April brach noch einmal der Winter über Europa herein und verursachte hohe Schäden in der Landwirtschaft, hier besonders bei den Obstplantagen. Der Gesamtschaden summierte sich auf 3,6 Milliarden US-Dollar (3,3 Milliarden Euro), nur knapp 650 Millionen US-Dollar (600 Millionen Euro) waren versichert. Trockenheit und Dürre in weiten Teilen Süd- und Südosteuropas verursachten ebenfalls Gesamtschäden in Höhe von 3,8 Milliarden US-Dollar (3,5 Milliarden Euro). Nur ein kleiner Teil war versichert. Die Winterstürme Herwart und Xavier fegten im Oktober über Deutschland, Polen und Tschechien hinweg und verursachten zusammen über 800 Millionen Euro an volkswirtschaftlichen Gesamtschäden, 600 Millionen waren davon versichert.
  • Afrika
    Die Naturkatastrophe mit der global gesehen zweithöchsten Zahl an Todesopfern war ein Erdrutsch in Sierra Leone: Etwa 500 Menschen starben. Zwei tropische Wirbelstürme - Enawo und Dinio - im Februar und März trafen Madagaskar und das südliche Afrika. Gesamtschäden von rund 300 Millionen US-Dollar wurden verzeichnet. Der versicherte Anteil war sehr gering. In Äthiopien, Kenia und Somalia verursachten Hitze und ausbleibende Regenfälle von Januar bis September Dürreschäden in Höhe von 950 Millionen US-Dollar. In Südafrika haben gleich zwei Ereignisse erhebliche Schäden angerichtet: ausgedehnte Waldbrände und Sturzfluten. Der Gesamtschaden belief sich jeweils auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, ca. die Hälfte davon wurde von der Versicherungswirtschaft getragen.
Versicherungslücke bleibt in vielen Teilen der Welt sehr groß
  • Asien
    Auf Asien entfielen 43 Prozent aller Ereignisse, 68 Prozent aller Todesopfer, 10 Prozent aller Gesamtschäden und 2 Prozent aller versicherten Schäden. Durch die enorme Schadenlast aus den Hurrikanen im Nordatlantik und das Ausbleiben extremer Schadenereignisse blieb die relative Belastung für den Kontinent moderat. Aber auch gemessen an den absoluten Summen verlief das Naturkatastrophenjahr in Asien glimpflicher als im Durchschnitt. Fünf Ereignisse erreichten dennoch einen Gesamtschaden von mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Indien, Bangladesch und Nepal wurden von schweren Monsunniederschlägen heimgesucht. Die versicherten Schäden entstanden überwiegend bei tropischen Wirbelstürmen, die über Japan, China und die Philippinen zogen. Rund 2,2 Milliarden US-Dollar entfielen hier auf die Versicherungswirtschaft.
  • Australien/Ozeanien
    Australien und Ozeanien wurden 2017 weitgehend von Naturkatastrophen verschont. Lediglich Wetterkatastrophen verursachten einen Gesamtschaden von 3,6 Milliarden US-Dollar. Der versicherte Schaden summierte sich auf knapp 2 Milliarden US-Dollar. Zyklon Debby zog Ende März/Anfang April über Australien hinweg und verursachte den höchsten Gesamtschaden von 2,7 Milliarden US-Dollar. 1,4 Milliarden US-Dollar davon wurden von der Versicherungswirtschaft getragen.
Further Information
Munich Re Experten
Petra Löw
Head of NatCatSERVICE
Bisher keine Kommentare
Schreiben Sie einen Kommentar
* Pflichtfeld

Drucken
Das könnte Sie auch interessieren