Naturkatastrophen

Das Jahr in Zahlen

Das Jahr in Zahlen – global

Nach drei relativ moderaten Jahren erreichte die Gesamtschadenhöhe 2016 mit 175 Milliarden US-Dollar wieder ein Niveau wie zuletzt 2012. Betrachtet man die inflationsbereinigten Gesamtschäden seit 1980, dann gehört 2016 zu den zehn schadenreichsten Jahren überhaupt. Besonders hohe Belastungen mussten Nordamerika und Asien schultern, die 84 Prozent der Gesamtschadensumme auf sich vereinten. Der Schaden, der weltweit von der Assekuranz getragen wurde, belief sich auf 50 Milliarden US-Dollar. Damit ist 2016 das fünftteuerste Jahr für die Versicherer seit 1980. Im Zehn-Jahres-Durchschnitt liegt der versicherte, inflationsbereinigte Schaden bei rund 45 Milliarden US-Dollar und über die letzten 30 Jahre bei 34 Milliarden US-Dollar. Wie bei den Gesamtschäden tragen auch bei den versicherten Schäden Nordamerika und Asien die Hauptlast. Ungebrochen ist der Trend zu einer weltweit wachsenden Zahl von Ereignissen, was vor allem an den immer besseren Reportingmöglichkeiten liegt. Munich Re hat 750 Ereignisse als relevante Naturkatastrophen eingestuft und in die Anzahlstatistik aufgenommen. Das sind deutlich mehr als im Mittel der vergangenen zehn (590) bzw. 30 Jahre (470). Die Zahl der Todesopfer lag mit rund 9.200 weit unter dem Vorjahreswert von 25.400 und auch unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 60.600. Damit ist 2016 nach 2014 (8.050) das Jahr mit der geringsten Zahl an Todesopfern seit 30 Jahren.

Anzahl der Ereignisse

Rund 1.300 Schadenereignisse fanden Eingang in den NatCatSERVICE von Munich Re. Gemäß den im vergangenen Jahr überarbeiteten Eingangsschwellenwerten wurden 750 als relevante Ereignisse klassifiziert. 130 davon (17 Prozent) waren sehr schwere und schwere Katastrophen, die restlichen 83 Prozent entfielen auf die Katastrophenklassen der mittleren und kleinen Schadenereignisse. Bei der Aufteilung nach Gefahrengruppen zeigte sich 2016 ein im Vergleich zu den Vorjahren abweichendes Bild bei Stürmen und Überschwemmungen. So waren 33 Prozent aller Ereignisse meteorologische. Der langjährige Durchschnitt von 1980 bis 2015 liegt hier bei 40 Prozent. Dagegen ist die Anzahl an hydrologischen Ereignissen von 39 auf 50 Prozent gestiegen, das heißt, die Hälfte aller relevanten Ereignisse entfiel vergangenes Jahr auf Flussüberschwemmungen, Sturzfluten und Massenbewegungen. Sieben Prozent aller Ereignisse waren geophysikalischer Natur. Das entspricht dem Vorjahreswert und weicht nur leicht vom langjährigen Durchschnitt ab. Auf klimatologische Ereignisse entfielen zehn Prozent. Auch dies entspricht dem Niveau der vergangenen Jahre.

© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Das Jahr in Zahlen – Anzahl der Ereignisse und Todesopfer

Todesopfer

Über 60 Prozent der Todesopfer kamen bei Naturkatastrophen in Asien ums Leben. Besonders betroffen waren China, Indien und Pakistan. Dort hatten lang anhaltende Niederschläge zu großräumigen Überschwemmungen geführt, denen in der Summe fast 2.400 Menschen zum Opfer fielen. Die beiden Ereignisse des vergangenen Jahres mit den meisten Todesopfern waren ein Erdbeben in Ecuador mit 673 Toten und Hurrikan Matthew, der Ende September/Anfang Oktober in der Karibik und den USA schwere Zerstörungen hinterließ. Rund 600 Menschen kamen bei ihm ums Leben, die meisten davon auf Haiti. In Italien forderte ein starkes Erdbeben im August 299 Menschenleben.

Schäden

Von den 175 Milliarden US-Dollar Gesamtschäden entfielen 27 Prozent auf geophysikalische Ereignisse, darunter auch die teuerste Naturkatastrophe – das Erdbeben in Japan auf der Insel Kyushu nahe der Stadt Kumamoto Mitte April. Ein Gesamtschaden von 31 Milliarden US-Dollar entstand, sechs Milliarden US-Dollar davon hat die Versicherungswirtschaft getragen. Weitere Milliardenbelastungen resultierten aus den Erdbeben in Italien und Neuseeland. 31 Prozent der Gesamtschäden wurden durch meteorologische und 32 Prozent durch hydrologische Ereignisse verursacht. Hierbei fallen besonders die Überschwemmungen in den USA, in Europa sowie in China ins Gewicht. Sie bilden zusammen mit der Schadenbelastung aus Hurrikan Matthew und dem Erdbeben in Japan die fünf teuersten Ereignisse 2016. Zehn Prozent der Schäden sind klimatologischen Ereignissen zuzurechnen. Hier schlugen Waldbrände in Kanada, Dürremonate in China und Indien sowie Winterschäden in Ostasien zu Buche. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 32 Ereignisse mit Schäden von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Dazu gehören Unwetter mit Hagelschlägen und Sturzfluten in den USA und Europa sowie Taifune in China, Taiwan und auf den Philippinen. Sie trugen rund 70 Prozent zur Gesamtschadensumme bei.

© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Das Jahr in Zahlen – Gesammtschäden und Versicherte Schäden

Zieht man die versicherten von den Gesamtschäden ab, ergibt sich eine Versicherungslücke von 125 Milliarden US-Dollar. Für die Hälfte aller versicherten Schäden waren Stürme und Unwetter verantwortlich, 18 Prozent entfielen auf Überschwemmungen, 20 Prozent auf Erdbeben, zwölf Prozent auf Dürren und andere klimatologische Ereignisse. 14 Ereignisse haben die Versicherer jeweils eine Milliarde US-Dollar oder mehr gekostet. Dazu gehören die Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie vier Unwetter mit Hagelschlägen in den USA. 62 Prozent der versicherten Schäden fielen in den USA an, lediglich 21 Prozent entstanden in Asien und elf Prozent in Europa.

© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Schadenereignisse 1980-2016
© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Gesamtschadenereignisse und Versicherungsschaden 1980-2016
© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Schadenereignisse weltweit 1980-2016

Das Jahr in Zahlen – regional Nordamerika

Auf den nordamerikanischen Kontinent einschließlich Mittelamerika und der Karibik entfielen 22 Prozent aller Schadenereignisse und zwölf Prozent aller Todesopfer. Dies entspricht dem langjährigen Mittel. Bei der Schadenhöhe gab es hingegen leichte Abweichungen. So entfielen 33 Prozent der Gesamtschäden und 60 Prozent der versicherten Schäden auf Nordamerika, was einem Rückgang von acht bzw. vier Prozent entspricht. Insgesamt kam es zu Schäden in Höhe von 52 Milliarden US-Dollar, wovon 29 Milliarden versichert waren. 13 Ereignisse erreichten bzw. überstiegen die Milliardengrenze. Die teuerste Katastrophe auf dem nordamerikanischen Kontinent war Hurrikan Matthew, der eine Schneise der Zerstörung durch die Karibik bis hinauf nach North Carolina schlug. Besonders Haiti wurde schwer getroffen. Allein dort kamen fast 550 Menschen ums Leben; insgesamt waren 601 Todesopfer zu beklagen, die zweithöchste Zahl 2016. Im August sorgten heftige Regenfälle für Überschwemmungen und Sturzfluten in Louisiana und Mississippi. Die Schäden summierten sich auf zehn Milliarden US-Dollar, rund ein Viertel war davon versichert. In der kanadischen Provinz Alberta wütete ein großflächiger Waldbrand von Mai bis Juli und hinterließ Schäden in Höhe von vier Milliarden US-Dollar, wovon 2,9 Milliarden versichert waren. Es handelte sich um den teuersten Versicherungsschaden in der Geschichte Kanadas.

Südamerika

In Südamerika wurden neun Prozent der weltweiten Schadenereignisse verzeichnet. Darunter fiel auch das Ereignis des Jahres mit den meisten Toten – ein Erdbeben in Ecuador mit 673. Das Beben ereignete sich am 16. April und verursachte einen Gesamtschaden in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar, 560 Millionen davon trug die Versicherungswirtschaft. Der Kontinent wurde ebenfalls von schweren Überschwemmungen getroffen, vor allem Argentinien. Insgesamt summierten sich die Gesamtschäden auf über eine Milliarde US-Dollar, nur ein kleiner Teil war versichert. Bolivien litt 2016 unter erheblichen Niederschlagsdefiziten, sodass es dort zu Dürreschäden in der Landwirtschaft von fast einer halben Milliarde USDollar kam.

Europa

Auf Europa entfielen zehn Prozent der Ereignisse, fünf Prozent der Todesopfer, zehn Prozent der Gesamtschäden und elf Prozent der versicherten Schäden. Damit weicht das Jahr 2016 besonders bei den Schäden vom langjährigen Vergleich seit 1980 ab. Die Durchschnitte liegen bei drei Prozent für die Gesamtschäden und bei fünf Prozent für die versicherten Schäden. Bei sechs Katastrophen lag der Gesamtschaden über einer Milliarde Dollar. Die teuersten Ereignisse waren die beiden Erdbeben in Italien mit fünf und 6 Milliarden US$.Hinzu kamen schwere Unwetter, die Europa von Ende Mai bis Mitte Juni im Griff hielten. Großräumige Überschwemmungen in Frankreich und heftige Sturzfluten in Deutschland waren die Folge. Zusammen kumulierten sich die Schäden auf sechs Milliarden US-Dollar, die Hälfte davon wurde von der Versicherungswirtschaft getragen. Ende Juni zog ein gewaltiger Hagelsturm über Deutschland und die Niederlande hinweg. Der Gesamtschaden hierfür belief sich auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Auch hier wurden 50 Prozent von der Assekuranz gedeckt.

© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Schadenereignisse 2016

Afrika

Insgesamt wurden auf dem afrikanischen Kontinent 90 relevante Schadenereignisse verzeichnet. Das entspricht ungefähr zwölf Prozent der weltweiten Ereignisse. Vor allem Wetterkatastrophen standen im Vordergrund, lediglich vier kleinere Erdbeben mit geringen Schäden wurden registriert. Im April und Mai wurde Äthiopien von großflächigen Überschwemmungen heimgesucht, von Juni bis September traf es den Sudan. Insgesamt kamen über 1.000 Menschen ums Leben. Das entspricht elf Prozent der weltweiten Todesopfer aus Naturkatastrophen. Im südlichen Afrika war 2016 ein sehr trockenes Jahr mit Dürreschäden in Millionenhöhe. Zur ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln war internationale Hilfe nötig.

© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Schadenereignisse 2016

Asien

Asien wurde 2016 schwer von Naturkatastrophen getroffen. 61 Prozent der Todesopfer, in Summe über 5.000, und 51 Prozent der Gesamtschäden entfielen auf diesen Kontinent. Die zwei teuersten Ereignisse des letzten Jahres - das Erdbeben in Japan mit 31 Milliarden US-Dollar und die Überschwemmungen in China, deren Gesamtschäden sich auf 20 Milliarden US-Dollar aufsummierten, gehörten zu den elf Ereignissen in Asien, die über eine Milliarde US-Dollar kosteten. Die Gesamtschadensumme aus 320 Ereignissen erreichte 87 Milliarden US-Dollar, wovon nur zehn Milliarden versichert waren, das sind 20 Prozent der weltweiten versicherten Schäden. Dies bedeutet aber auch, dass in Asien sind Schäden in Höhe von 77 Milliarden unversichert geblieben sind.

© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Schadenereignisse 2016
© Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Schadenereignisse 2016 im Vergleich zum Zeitraum 1980 bis 2015

Australien/Ozeanien

Auf Australien, Neuseeland und die Inselstaaten im Pazifik entfielen lediglich fünf Prozent der globalen Ereignisse. Dies entspricht aber dem langjährigen Durchschnitt. Insgesamt kamen rund 90 Menschen ums Leben. Das schwerste Ereignis ereignete sich am 13. November in Neuseeland. Ein Erdbeben der Magnitude 7,8 traf die Gegend um Canterbury und verursachte einen Gesamtschaden von 3,9 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen ca. 2,1 Milliarden auf die Versicherungswirtschaft. Aber auch tropische Zyklone fegten über die Region. So verursachte Winston auf Fidschi Schäden von rund 600 Millionen US-Dollar, 44 Menschen kamen ums Leben. Ein Wintersturm traf die Ostküste Australiens und führte zu einer Sturmflut und zu Sturzfluten, die 500 Millionen US-Dollar Gesamtschaden  zur Folge hatten; 310 Millionendavon waren versichert.

Weitere Informationen
Topics Geo – Naturkatastrophen 2016
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Munich Re Experten
Petra Löw
Head of NatCatSERVICE
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