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Stürme

Hurrikan Irma: Glück im Unglück für Florida

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h geht Hurrikan Irma als Sturm der Superlative in die Annalen ein. Und hätte er eine nur leicht veränderte Zugbahn genommen, wären die Schäden im US-Bundesstaat Florida erheblich höher ausgefallen. Auch verbesserte Bauvorschriften dürften dazu beigetragen haben, dass die Schäden dort geringer ausfielen als befürchtet. Dennoch: Nach vorläufigen Schätzungen verursachte Irma Gesamtschäden von 67 Mrd. US$, davon waren etwa 32 Mrd. US$ versichert. Damit ist Irma der Hurrikan mit den bisher vierthöchsten Gesamtschäden überhaupt.

Der tropische Wirbelsturm Irma entwickelte sich am 28. August 2017 aus einer von Afrika ausgehenden tropischen Welle im Atlantik. Auf seiner Passage nach Westen verstärkte er sich über dem ungewöhnlich warmen Meer zu einem Hurrikan der Kategorie 5 auf der Saffir-Simpson-Skala mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von 300 km/h. Damit hält Irma den Rekord des stärksten Wirbelsturms, der jemals über dem Atlantik außerhalb der Karibik und des Golfs von Mexiko gemessen wurde.

Hurrikan Irma: Gesamt- und versicherte Schäden

Irma gewann schnell an Stärke

Nach dem ersten Landfall mit Irma’s Maximalgeschwindigkeiten auf den Kleinen Antillen am 6. September verwüstete der Hurrikan zahlreiche Karibikinseln. Auf seiner weiteren Zugbahn in Richtung Westen bewegte sich der Sturm über extrem warme Wassermassen von bis zu 34°C. Durch seine vergleichsweise hohe Vorwärtsgeschwindigkeit überquerte der Sturm rasch ein großes Gebiet mit hoher Meerestemperatur und gewann dadurch schnell an Stärke. Langsamer ziehende Wirbelstürme begrenzen ihre Intensität mehr, weil sie länger über der aufgewühlten und dadurch kühleren Meeresoberfläche bleiben.

Irma streifte noch Kuba, bevor er nach Norden umschwenkte und am 10. September als Hurrikan der Kategorie 4 auf die Inselkette Florida Keys vor der Südspitze Floridas traf. Leicht abgeschwächt traf er einige Stunden später als Hurrikan der Kategorie 3 final auf Marco Island an der Südwestküste Floridas.

Sturm der Superlative

Irma war in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Sturm. Zum einen war sein Zentrum mit den stärksten Windgeschwindigkeiten rund um das ruhige Auge für einen derart intensiven Sturm außergewöhnlich groß. Entsprechend breit war der Pfad mit seinen Maximalgeschwindigkeiten. Zum anderen behielt der Hurrikan für mehr als drei Tage am Stück diese Maximalgeschwindigkeiten bei, schwächte sich danach kurz auf Kategorie 4 ab und verstärkte sich dann wieder auf Kategorie 5. Dadurch waren viele Karibikinseln extremen Windgeschwindigkeiten ausgesetzt. Angesichts der Größe des Sturms während seines Lebenszyklus waren zudem Gebiete wie Miami Beach, die sonst nur die Außenränder der orkanartigen Winde zu spüren bekommen hätten, von Sturmfluten betroffen.

Windgeschwindigkeiten von Hurrikan Irma

Pfad der Zerstörung schwer vorherzusagen

Die Zugbahn von Wirbelstürmen wird hauptsächlich durch die Windrichtung in ihrer Umgebung bestimmt. Irma zog am südlichen Rand eines subtropischen Hochdruckgebiets, das sich im Uhrzeigersinn dreht, nach Westen. Am westlichen Rand des Hochs geriet Irma unter den Einfluss eines von Westen herannahenden Tiefs und wurde von dessen Winden (gegen den Uhrzeigersinn) nach Norden auf Florida gelenkt.

Die Vorhersage der Zugbahn orientiert sich an der prognostizierten Intensität der Hoch- und Tiefdruckgebiete. Insbesondere bei einem Landfall auf der schmalen Landmasse von Florida können schon kleine Abweichungen gravierende Folgen haben. So würde ein Wirbelsturm, der an der Ostküste Floridas mit den riesigen Wertekonzentrationen Miami, Cape Canaveral und Jacksonville entlangzieht, ein Vielfaches der Schäden eines westlicher verlaufenden Sturmes nach sich ziehen. Doch auch im Westen Floridas liegen Städte wie Fort Myers, Naples und Tampa. Sie wären möglicherweise von der rechten Starkwindseite eines Wirbelsturmes, der über dem Meer an der Westküste entlang zieht, in Mitleidenschaft gezogen worden. Entsprechend hoch war die Verunsicherung bei den Verantwortlichen für den Katastrophenschutz und in der Bevölkerung von Florida.

Die tatsächliche Zugbahn, die der Sturm letztendlich nahm, war gewissermaßen Glück im Unglück, da er seine größte Kraft über dem dünn besiedelten Inneren Floridas entfaltete. Dort war er zudem von seiner Energiequelle, dem warmen Ozean, abgeschnitten.

Schäden und Auswirkungen

Fotos und Satellitenaufnahmen zeigten extreme Zerstörungen in Barbuda, auf den französischen und niederländischen Karibikinseln, auf Saint Martin/Sint Maarten und Anguilla sowie auf den gesamten britischen Jungferninseln und den zwei nördlichen amerikanischen Jungferninseln St. Thomas und St. John. Auswirkungen von Irma waren auch auf Puerto Rico, auf der Dominikanischen Republik, Haiti, Turks and Caicos, auf den südlichen Bahamas und auf Kuba zu spüren. Obwohl ein Streifen der Florida Keys durch Sturm und Sturmflut verwüstet wurde, kamen vom Festland und von größeren Teilen der Florida Keys unerwartet wenige Schadenmeldungen. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Verbesserung der Bauvorschriften nach Hurrikan Andrew zurückzuführen. Er war 1992 als Kategorie-5-Hurrikan bei Miami auf Florida getroffen und mit zerstörerischen Windgeschwindigkeiten quer über den südlichen Teil des Staates gezogen.

Trotz der vergleichsweise geringen Schäden sorgten weiträumige Evakuierungen in Florida für chaotische Verhältnisse auf der Halbinsel. Die Bevölkerung, alarmiert durch die rekordverdächtige Größe und Stärke des Hurrikans sowie durch Medienberichte über die Verwüstungen auf den Karibikinseln, befolgte größtenteils den Evakuierungsaufruf der Behörden. In der Folge kam es zu überfüllten Flughäfen, verstopften Straßen, Treibstoffmangel und zu Plünderungen in den nahezu menschenleeren Städten.

Die Tatsache, dass der Landfall von Irma auf Florida bereits mehr als fünf Tage im Voraus prognostiziert war, zeugt von einer hohen Qualität der Wettervorhersage. Da eine punktgenaue Zugbahnvorhersage von Wirbelstürmen aber auch in Zukunft nicht möglich sein wird, werden die für den Katastrophenschutz Verantwortlichen bei jedem Extremereignis aufs Neue abwägen müssen, ob sie eine Evakuierung anordnen oder nicht. Eine Hilfestellung können Wahrscheinlichkeiten alternativer Szenarien liefern, die Meteorologen im Rahmen einer sogenannten Ensemblevorhersage gewinnen.

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Munich Re Experten
Dr. Doris Anwender
ist Consultant für atmosphärische Risiken im Bereich Corporate Underwriting/Geo Risks.
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