© Aaron Parecki
Digitalisierung

Digitale Datenanalyse unterstützt traditionelles Schadenmanagement

In den 60 Jahren, in denen der Schadenspiegel bislang erschienen ist, hat sich die Schadenbearbeitung in vielfacher Hinsicht grundlegend gewandelt: weg von der bloßen technischen Schadenbearbeitung, hin zu einem breiten Spektrum von Dienstleistungen. Diese reichen von der Schadenprävention bis zur digitalen Schadenanalyse. Trotzdem bleibt die solide, traditionelle Schadenbear­beitung die Basis von allem.
 
Neue Technologien unterstützen heute auf vielfältige Art und Weise das Schadenmanagement. Sensoren helfen dabei, Risiken früh zu erkennen und dadurch Schäden zu vermeiden oder zu minimieren. Drohnen erleichtern nach Naturkatastrophen die zeitnahe Ermittlung des Schadenumfangs. Die digitale Sammlung und Analyse von Daten ermöglicht schnelle und verlässliche daten­basierte Entscheidungen, statt sich wie in der Vergangenheit üblich auf subjektive Einschätzungen verlassen zu müssen. Konsolidierte, zentrale Datenbanken sorgen für mehr Transparenz und verdeutlichen Schadentrends. Belastbare, frühzeitige Risiko- und Schadenprognosen werden möglich. Dies macht es nicht nur leichter, Fehler zu erkennen, sondern auch, aus ihnen zu lernen und ihre Wiederholung nachhaltiger zu vermeiden. Letztlich wird die Schadenabwicklung schneller und in vielen Fällen billiger, was nicht unwesentlich zur Zufriedenheit der Versicherungskunden beitragen dürfte.

Diese neuen Möglichkeiten des Schadenmanagements stellen naturgemäß auch neuartige Anforderungen an diejenigen, die im Schadenbereich tätig sind. Neben den Schadenbearbeitern im engeren Sinne gewinnen daher zunehmend auch andere Experten, wie etwa Datenanalysten, für das Schaden­management an Bedeutung. Vor allem aber werden interdisziplinäre Kooperation, transparente Kommunikation und eine effektive Koordination der verschiedenen Aktivitäten immer wichtiger. Dies gilt auch und insbesondere für die Zusammen­arbeit mit Akteuren außerhalb der Versicherungswirtschaft, von den beteiligten Behörden bis hin zu den Rettungskräften vor Ort.

Bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Nutzung von Big Data und neuen Technologien ergeben, darf jedoch dreierlei nicht vergessen werden: Zum einen hat die Menge der Daten, die für Analysen zur Verfügung steht, längst immense Ausmaße erreicht. Es gilt daher, den Überblick zu wahren und geeignete Methoden zu entwickeln, um möglichst effektiv aus der vorhandenen Datenflut die jeweils relevanten Daten herausfiltern zu können. Zum anderen stellen sich die allgegenwärtigen Fragen nach Datensicherheit und Datenschutz in der vernetzten Welt natürlich auch für das Schadenmanagement. Hier müssen Lösungen gefunden werden, die eine Nutzung der Daten ermöglichen, zugleich aber ein Höchstmaß an Datensicherheit und eine uneingeschränkte Verwirklichung der Datenschutzanforderungen aller Beteiligten gewährleisten. Dies dürfte eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre werden. Schließlich und vor allem aber kann der Einsatz der neuen Technologien immer nur eine Maßnahme zur Optimierung einer soliden, klassischen Schadenbearbeitung sein. Ersetzen können sie diese nicht. Heute nicht und sicher auch nicht in 60 Jahren.

Weitere Informationen
Munich Re Experten
Dr. Tobias Büttner
Head of Claims bei Munich Re
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