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Klimawandel

Klimafakten 2017: Auf dem Weg zu einem der wärmsten Jahre

Das Jahr 2017 ist auf dem Weg, eines der drei oder vier wärmsten jemals gemessenen Jahre zu werden. Bis Ende August lag das Jahr sogar noch auf Rang 2. Bleibt es dabei, gehören alle 17 Jahre seit 2001 zu den 18 wärmsten Jahren jemals. Die Wissenschaft ist fast einmütig der Meinung, dass dies ein deutliches Signal des Klimawandels ist.

Alle Monate des Jahres 2017 bis August rangierten jeweils unter den drei wärmsten seit Messbeginn 1880. Die Periode war damit insgesamt mit einer Abweichung von 0,88°C vom Mittel des 20. Jahrhunderts die zweitwärmste für diese Monate nach 2016 (1,01°C). Der Prognosekorridor deutet darauf hin, dass 2017 am Ende das drittwärmste, vielleicht knapp das viertwärmste Jahr nach 2016 und 2015 sein wird. Hierfür spricht auch die die gewachsene Wahrscheinlichkeit für eine etwas kühlende La Niña-Phase – eine Ausprägung der natürlichen Klimaschaukel ENSO im Pazifik - in den letzten Monaten 2017. Bis September war das Jahr von neutralen ENSO-Bedingungen gekennzeichnet - die Prognosen internationaler Modelle aus dem Frühjahr, die eine El-Niño-Phase für die zweite Jahreshälfte erwartet hatten, waren nicht eingetreten. El-Niño-Bedingungen führen in der Tendenz zu höheren globalen Temperaturen.

Temperaturentwicklung 2017 im Vergleich zu wärmsten Jahren

Die größten Warmabweichungen fanden sich im Mittel über Januar bis August in zentralen, nördlichen und östlichen Bereichen Asiens, wo es bereits im Winter und Frühjahr viel zu warm war. Auch in östlichen und südlichen Bereichen Nordamerikas war es im Mittel bis August zu warm – auch hier starke Abweichungen aus dem Winter und Teilen des Frühjahrs widerspiegelnd.  Ein weiterer Landbereich mit positiv abweichender Wärmeentwicklung sind West- und Teile Mittel- sowie Südeuropas. Hier war es vor allem im März erheblich zu warm, dann noch einmal im Zuge von Hitzeperioden im Juni und – was Südeuropa angeht – auch im August.

Etwas kühler als im Mittel des 20. Jahrhunderts war es im Westen Russlands – hervorgerufen von monatlichen Kühlabweichungen in dieser Region und angrenzenden Gebieten im April, Mai, Juni und Juli. Insbesondere im April war auch das zuvor anomal warme West-, Mittel- und Osteuropa unter den Einfluss eines mit arktischer Luft gefüllten Höhentrogs geraten, was zu verbreiteten Frostschäden in weiten Teilen Europas führte, da die Blühphasen in Obst- und Weinanbaugebieten schon weit fortgeschritten waren.

Im äquatornahen Pazifik stellte sich in den ersten Monaten eine Verteilung von Meeresoberflächentemperaturen ein, bei der enorme Wärme vor der Küste Perus und relative Kühle in westlicheren Bereiche des Äquatorialpazifiks herrschten. Das führte im Februar, März und Anfang April einerseits zu schweren und schadenintensiven Niederschlägen in nordwestlichen Gebieten von Peru, da die hohe Verdunstung auf dem Meer viel Feuchte bereitstellte. Der peruanische Wetterdienst sprach von einem „Küsten-El-Niño“ – freilich keine voll ausgebildete El-Niño-Phase. Andererseits trug dieses äquatoriale Temperaturmuster über Fernwirkungen auch zu einer sehr aktiven frühen Schwergewittersaison in den USA bei, die ebenfalls erhebliche Schäden nach sich zog.

In Europa herrschte in den Sommermonaten eine annähernde Nord-Süd-Zweiteilung, was die Niederschläge angeht: In Südeuropa von Portugal über Spanien, Südfrankreich, besonders Italien und Teilen des Balkans war es zu trocken und großteils zu heiß, was zahlreiche Waldbrände begünstigte. In den nördlicheren Gebieten hingegen war es überwiegend zu feucht. Beispielsweise wurden das obere Loire-Einzugsgebiet in Frankreich und der Nordosten Deutschlands von enormen Starkniederschlägen getroffen, in Schottland war es der nässeste Juni seit Aufzeichnungsbeginn.

In China verursachten große Niederschlagsmengen im Zuge des Ostasiatischen Monsuns, wie schon im vergangenen Jahr, im Juni und Juli Flusshochwasser und Schäden. Der Südasiatische Sommermonsun, in dessen Zuge extreme Starkniederschläge etwa in Zentralindien schon seit Jahrzehnten zunehmen, führte bis sehr spät in die Monsunsaison im September hinein in Indien, Nepal und Bangladesch zu schweren Überschwemmungen. Das wirkt wie ein Blick in die Zukunft der Monsunsysteme. Denn unter fortgesetztem Klimawandel erwartet der Weltklimarat IPCC neben einer Ausdehnung der Monsunsaison eine weitere Zunahme der Variabilität des Niederschlags, der Niederschlagintensität und der 5-Tage-Niederschlagsmengen.

Munich Re Experten
Dr. Eberhard Faust
Leitender Fachexperte für Klimarisiken und Naturgefahren
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