Studie: Markt für private Krankenversicherung in China wächst bis 2020 auf das Fünffache

24.08.2016

Versicherungen, die auf dem Kostenerstattungsprinzip basieren, sind der am schnellsten wachsende Bereich in der chinesischen Krankenversicherung. Diese Versicherungsform überholt damit die Critical-Illness-Versicherungen, wie aus einer Studie von Boston Consulting Group (BCG) und Munich Re hervorgeht.

Peking. Der Markt für private Krankenversicherung in China wird von 241 Milliarden Yuan (36,7 Milliarden US $) 2015 auf 1,1 Billionen Yuan (167 Milliarden US $) bis 2020 wachsen. Der Grund dafür ist, dass die wohlhabende Mittel- und Oberklasse in China nach einer Alternative zum staatlichen Versicherungssystem sucht. Die heute veröffentlichte Studie „Neue Chancen für die private Krankenversicherung in China“ von BCG und Munich Re gibt einen Überblick über die sich verändernden Erwartungen von Verbrauchern. Zugleich beschreibt sie die staatlichen Bemühungen, weitere Optionen im Bereich der privaten Gesundheitsversorgung zu fördern. Diese staatliche Politik ist der Haupttreiber für das erhebliche Wachstum auf dem chinesischen Markt.

Das schnellste Wachstum wird bei Versicherungen auf Kostenerstattungsbasis erwartet, die (im Falle von hochsummigen Verträgen) teurer sind, jedoch flexibler als die derzeit von vielen Chinesen abgeschlossenen Critical-Illness-Versicherungsverträge. (Die Critical-Illness-Versicherung zahlt einen Pauschalbetrag, wenn bei einer versicherten Person eine Krankheit diagnostiziert wird, die im Rahmen der Versicherung abgedeckt ist. Versicherungen auf Erstattungsbasis zahlen fortlaufend, wenn ein Gesundheitsproblem mehrere Konsultationen durch einen Arzt oder Krankenhausbesuche erforderlich macht.) „Eine Privatversicherung auf Kostenerstattungsbasis ist äußerst sinnvoll in China. Bisher gibt es dafür aufgrund der hohen Kosten noch keinen Massenmarkt. Aber das Interesse ist groß und wir rechnen in den nächsten Jahren mit vielen neuen Produkten“, erklärte Ying Luo, Partner im BCG-Büro in Peking und Koautor der Studie.

Kunden
Eine Umfrage unter chinesischen Verbrauchern zeigt die Möglichkeiten für Versicherer auf: Am ehesten würden heute Personen zwischen 35 und 55 Jahren, verheiratet mit Kindern und einem jährlichen Mindesthaushaltseinkommen von 200.000 Yuan (30.333 US $), eine Privatversicherung auf Erstattungsbasis abschließen. Es wird erwartet, dass diese Gruppe bis 2020 auf über 40 Millionen Personen anwächst. Für eine dreiköpfige Familie wären die wohlhabendsten Verbraucher innerhalb dieser Gruppe bereit, zwischen 30.000 und 60.000 Yuan (4.550 bis 9.100 US $) für eine entsprechende Police auszugeben.

„Aktuell werden Versicherungen auf Kostenerstattungsbasis im Allgemeinen über eine Gruppenversicherung verkauft. Der Abschluss durch Einzelpersonen ist noch selten und Anbieter reiner Kostenerstattungprodukte sind in China bisher aufgrund der kleinen Marktgröße einfach nicht in der Lage, ausreichend profitabel zu arbeiten. Das wird sich ändern“, sagte John Wong, Leiter der BCG Greater China Health Care Practice.

Staatliche Politik
Die Autoren der Studie erwarten eine steigende Profitabilität, zum Teil aufgrund der staatlichen Politik, die beispielsweise durch Steuererleichterungen die Privatisierung des Versicherungs- und Gesundheitswesens vorantreibt. Die steigende Nachfrage und die staatliche Unterstützung haben bereits zu einer Vervierfachung der Anzahl privater Krankenhäuser von etwa 3.200 (2005) auf heute über 12.500 geführt.

Sechs Grundvoraussetzungen
„Die Versicherer haben große Chancen, wenn sie jetzt mit der Definition entsprechender Strategien beginnen“, erklärte Doris Höpke, Vorstandsmitglied von Munich Re und verantwortlich für Munich Health. „Versicherer müssen eine klare Vorstellung von den Bedürfnissen ihrer Kunden haben. Dies sollte sich in innovativen, auf diese Segmente zugeschnittenen Produkten widerspiegeln. Weitere Anforderungen sind ein effizientes Schaden- und Prozessmanagement, das die Kundenzufriedenheit garantiert und gleichzeitig die internen Kosten niedrig hält. Ferner sind attraktive und benutzerfreundliche Vertriebskanäle sowie ein etabliertes Netzwerk von Krankenhäusern und Gesundheitsdienstleistern essentiell.“

Die Studie beschreibt die sechs wichtigsten Anforderungen, die Versicherer beachten müssen, wenn sie im Markt für Versicherungen auf Kostenerstattungsbasis in China eine Rolle spielen wollen. Eine reine Vergrößerung des Markts ist keine Garantie für Profitabilität.

2020 werden auf Kostenerstattungs-Produkte 36 % (400 Milliarden Yuan) des Gesamtvolumens von 1,1 Billionen Yuan für private Krankenversicherungen entfallen. Critical-Illness-Versicherungen (dominiert von Lebensversicherern) machen die anderen 64 % aus. Für diesen Bereich wird ein langsameres Wachstum erwartet als für den Kostenerstattungsbereich.

„Versicherer müssen die Besonderheiten und Bedürfnisse der verschiedenen Kundensegmente verstehen: den Betrag, den sie für eine Versicherung auf Kostenerstattungsbasis bereit sind auszugeben und was sie im Gegenzug dafür erwarten“, betonte Bill Bossany, stellvertretender Leiter von Munich Re, Peking (Bereich Gesundheit) und Koautor der Studie. Expertenwissen im Bereich der Analyse und eine starke Dateninfrastruktur sind unerlässlich, um wertvolle Einblicke zu gewinnen und die Kundenbeziehung erfolgreicher zu gestalten.

Die Studie kann unter www.bcgperspectives.com herunter geladen werden.

In einer früheren Version waren Zahlenangaben falsch. Dies wurde korrigiert.

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