Nach extremen Regenfällen im Süden Frankreichs sind mehrere Orte in der Provence überschwemmt worden. In Draguignan etwa waren ganze Straßenzüge überflutet, Autos wurden weggespült, Häuser stürzten ein. "Solche Blitzüberschwemmungen und Sturzfluten nach extremen Niederschlägen können im Prinzip jeden treffen, insbesondere auch Gebiete die weitab von größeren Flüssen liegen. Und wir gehen davon aus, dass diese Art von Überschwemmungen durch den Klimawandel langfristig zunimmt", so Ernst Rauch, Leiter des Corporate Climate Centre von Munich Re. Schäden aus Sturzfluten können sich praktisch überall ereignen und sind daher in aller Regel gut versicherbar.
Viel zu wenige versichern sich gegen Elementargefahren
Dr. Wolfgang Kron
Munich Re
Forschungsleiter Hydrologische Gefahren

Topics: Herr Dr. Kron, was macht Sturzfluten so unberechenbar und gefährlich?
Ein Flusshochwasser entsteht, wenn es großräumig sehr viel regnet, der Niederschlag im Hauptfluss zusammenläuft und sich so über Tage eine Hochwasserwelle aufbaut. Ganz anders verhält es sich bei Sturzfluten: Hier ist entscheidend, wie heftig es regnet – zum Beispiel bei lokalen Unwettern. Die Gesamtniederschlagsmenge ist eher nebensächlich. Innerhalb kürzester Zeit kann ein kleiner Bach zu einem reißenden Strom anschwellen oder flaches Gelände unter Wasser stehen. Sturzfluten setzen plötzlich ein und sind auch schnell wieder vorbei, meist nach ein paar Stunden.

Wie häufig treten derartige Ereignisse auf?
Munich Re analysiert seit Jahrzehnten kontinuierlich Informationen zu Schäden aus Naturkatastrophen. Ereignisse in Deutschland sind seit 1980 ausreichend dokumentiert und so aufbereitet, dass sie für statistische Analysen nutzbar sind. Dabei zeigt sich: Unwetter mit Überschwemmungsfolgen treten wesentlich häufiger auf als „klassische“ Überschwemmungen bei Flusshochwasser, und auch der Trend weist nach oben. Die typischen Flutschäden liegen bei lokalen Unwettern im vier- bis sechsstelligen Euro-Bereich, manchmal sind sie auch siebenstellig. Da in Deutschland jedes Jahr wohl hunderte solcher Ereignisse auftreten, gehen wir davon aus, dass sich die vielen Kleinschäden aus Sturzfluten und die Millionenschäden bei Flusshochwassern langfristig in etwa die Waage halten.

Zum Beispiel: 2008 kam es dann im Bereich der Schwäbischen Alb zu einem ähnlichen Extremniederschlag: Die Starzel, ein Bach im Killertal, riss in Jungingen Häuser auseinander und Autos mit sich – in einem ertranken zwei Frauen – und überflutete noch Teile der Stadt Hechingen. Hier erreichte der Schaden annähernd 100 Millionen Euro.

Gibt es bauliche Maßnahmen, mit denen man sich vor Sturzfluten schützen kann?
Ja, aber das funktioniert nur sehr bedingt. Bei Flusshochwassern ist bekannt, woher die Gefahr kommt, und man kann einen Deich bauen. Eine Sturzflut kann dagegen überall auftreten. Ich kenne einen Berggasthof, der auf der Kuppe eines Hügels liegt und bei dem dennoch ein Überschwemmungsschaden auftrat. Vorsorge gegen eindringendes Wasser ist etwa möglich, indem man das Erdgeschoss ein paar Dezimeter über das Gelände legt. Bei Altbauten kann man die Kellerfenster abdichten. Generell muss man dafür sorgen, dass befestigte Flächen vom Haus weg abfallen und das Wasser bestmöglich ableiten. Eine Gewähr, dass dann nichts mehr passiert, werden Sie trotzdem nie haben.

Da stellt sich also die Frage nach der sinnvollsten Risikovorsorge.
Die besteht aus einem ganzen Strauß von Maßnahmen: Also baulich tun, was mit vernünftigem finanziellen Aufwand möglich ist oder wertvolle, wasserempfindliche Dinge nicht im Keller lagern; sich fragen, ob im Partykeller wirklich ein Teppich- oder Parkettboden liegen muss; sich immer im Klaren sein, dass man nicht hundertprozentig sicher ist. Und sich dann natürlich versichern. Daran führt kein Weg vorbei.

Worauf ist das mangelnde Risikobewusstsein für Sturzfluten zurückzuführen?
Wenn Sie weit entfernt von einem Gewässer wohnen, denken Sie nicht ohne weiteres an ein Überschwemmungsrisiko. Sie sind ja auch nur äußerst selten oder nie betroffen. Aber manche trifft es halt doch – dann haben Sie die persönliche Katastrophe. Hier sind Aufklärung und Überzeugungsarbeit gefragt. Um die Bereitschaft zur Eigenvorsorge nicht zu verringern, ist es sinnvoll, einen Selbstbehalt zu vereinbaren. Damit bleiben Kleinschäden mit ihrem vergleichsweise hohen Verwaltungsaufwand außen vor. In diesem Zusammenhang schlage ich einen Schadenfreiheitsrabatt für den Selbstbehalt vor. Zum Beispiel könnte er nach zehn schadenfreien Jahren ab dem elften jährlich um 20 % gesenkt werden.

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