
Hurrikane, Taifune und Zyklone
Tropische Wirbelstürme — Die Naturgefahr mit den höchsten versicherten Schäden
Hurrikane, Taifune und Zyklone zählen zu den teuersten Naturgefahren
Die Hurrikane Harvey, Irma und Maria verursachten 2017 innerhalb von vier Wochen Rekordschäden - Die versicherten Schäden betrugen über 90 Mrd. US$
Tropische Wirbelstürme haben enormes Zerstörungspotenzial. Für die Versicherungswirtschaft war Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans traf, mit einem Schaden von über 60 Mrd. US$ die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten.
Tropische Wirbelstürme entwickeln sich meist aus großräumigen Ansammlungen von Gewitterzellen, wie sie über tropischen Meeren häufig vorkommen. Sie erhalten ihre Energie aus der Verdunstung von Oberflächenwasser, das wärmer als 26-27°C ist. Wenn sie Orkanstärke erreichen (>118 km/h), nennt man sie im Atlantik und Nordostpazifik Hurrikan, im Indischen Ozean und im Südpazifik Zyklon und im Nordwestpazifik Taifun.
Tropische Wirbelstürme können über mehrere Wochen aktiv sein und sich über große Gebiete erstrecken – und das mit Windgeschwindigkeiten über 250 km/h, in Einzelfällen sogar über 300 km/h. Besonders Küstengebiete und Inseln im Bereich von 10° bis 40° nördlicher und südlicher geografischer Breite sind betroffen. Landeinwärts werden die tropischen Wirbelstürme rasch schwächer, doch können dort die über dem warmen Meer aufgenommenen gewaltigen Wassermassen extreme Überschwemmungen und Hangrutsche auslösen.
In den südöstlichen Küstenregionen der USA oder in Japan mit der dort hohen Wertedichte verursachen Hurrikane und Taifune oft Milliardenschäden. In Entwicklungs- und Schwellenländern lösen extreme tropische Wirbelstürme dagegen meist humanitäre Katastrophen mit sehr vielen Todesopfern aus. Der versicherte Anteil an den Schäden ist dort oft nur verschwindend klein.
Hurrikane: Größte Schadentreiber in Nordamerika
Schäden durch Hurrikane 1980-2019
In Nordamerika sind Wirbelstürme einer der größten Schadenverursacher für die Versicherungsbranche. Neben der Windgeschwindigkeit haben auch Sturmfluten und Inlandsüberschwemmungen, die mit Hurrikanen einhergehen, einen großen Einfluss auf das Ausmaß der Schäden.
Der Gefahr von Hurrikanen sind nicht nur die südöstlichen US-Bundesstaaten ausgesetzt, sondern auch die Nordostküste Nordamerikas, einschließlich Kanada. Beispiele dafür sind der Hurrikan Sandy, der 2012 schwere Schäden im Großraum New York anrichtete, oder Hurrikan Juan im Jahr 2003, der die kanadische Provinz Nova Scotia schwer traf.
Schwere Stürme dürften zunehmen
Nicht nur natürliche Klimazyklen wie so genannte „Warm- und Kaltphasen“ der Oberflächentemperaturen tropischer Ozeane, sondern auch der Klimawandel beeinflussen die Aktivität von Wirbelstürmen. Was derzeit bekannt ist:
- Aktuelle wissenschaftliche Studien gehen überwiegend davon aus, dass in den meisten Ozeangebieten die Zahl der tropischen Wirbelstürme bis Mitte bzw. Ende des 21. Jahrhunderts praktisch unverändert bleiben wird.
- Allerdings wird erwartet, dass schwere Stürme (Kategorie 4 bis 5 auf der Saffir-Simpson-Skala) in den meisten Regionen häufiger auftreten.
- Die Niederschläge im Kernbereich um das Sturmzentrum dürften wegen der höheren Verdunstung über den sich erwärmenden Meeresoberflächen zunehmen. Nach einer neuen Studie hat der Klimawandel extreme Niederschläge wie bei Hurrikan Harvey 2017 in der Region Houston bereits deutlich wahrscheinlicher gemacht.
- Wir erwarten, dass außergewöhnliche Hurrikanjahre wie 2004, 2005 (Katrina) und 2017 (Harvey, Irma, Maria) in der Zukunft häufiger auftreten.
Erweiterte Modellierung für Überschwemmungen nötig
Hurrikan Harvey hat 2017 gezeigt, dass Schäden aus Überschwemmungen die Gesamtschäden bei Hurrikanen dominieren können. Hurrikanmodelle simulieren meist nur Schäden aus Wind und Sturmflut – und oft nicht die Schäden aus Überschwemmungen weiter im Inland als Folge von Starkregen. Das Zusammenwirken dieser drei Gefahren kann dann nicht adäquat abgebildet werden, die Schäden werden unterschätzt.
Reine Überschwemmungsmodelle wiederum bilden in der Regel tropische Wirbelstürme nicht ab, es fehlt also ein Teil der Gefährdung. In den vergangenen Jahren wurden Tools entwickelt, die eine verbesserte Risikoeinschätzung erlauben – von der reinen Hochwasserzonierung, die für Risikoselektion und Tarifierung verwendet werden kann, bis hin zu voll probabilistischen Modellen zur Ermittlung von Schadenkumulen. Munich Re nutzt für verschiedene Regionen der Welt bereits entsprechende Modelle oder entwickelt diese derzeit.
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Lösungen für Risikobewertung und -management
Vorbeugung und besseres Risikomanagement - höhere Baustandards oder andere Landnutzung – können Hurrikanschäden begrenzen und Menschen schützen. Versicherungen sind dabei zentrale Bausteine, um Menschen, Unternehmen und die öffentliche Hand nach Katastrophen finanziell zu unterstützen. In hoch entwickelten Märkten wie den USA hat die Mehrheit von Hausbesitzern, Kleinbetrieben und Industrien eine Absicherung gegen Sturmschäden.
Anders beim Überschwemmungsrisiko: Nur ein relativ geringer Anteil von Sachwerten ist gegen Überschwemmungsschäden gedeckt, die Versicherungslücke ist erheblich. In Entwicklungs- und Schwellenländern liegt diese Versicherungslücke oft nahe 100%. Munich Re engagiert sich in Organisationen wie dem „Insurance Development Forum“, um im Rahmen von Public-Private-Partnerships sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Ziel ist es, die Schadenvorsorge und das Bewältigen von Katastrophenschäden in einkommensschwachen Ländern zu verbessern.
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