Economy
Widerstandsfähige Weltwirtschaft – Nahezu unverändertes Wachstum für 2026 erwartet
Der Economic Outlook 2026 von Munich Re
© commandoXphoto / Getty Images
Die Weltwirtschaft wird trotz enormer geopolitischer Risiken voraussichtlich auch 2026 solide wachsen. Munich Re geht in seinem Economic Outlook für das laufende Jahr von einem realen Wirtschaftswachstum von 2,7% aus, ähnlich wie im Vorjahr und im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Allerdings überwiegen die Abwärtsrisiken deutlich die Potenziale für ein höheres Wachstum. Geopolitische Risiken und die hohe Unsicherheit über die US-Wirtschafts- und Handelspolitik stehen im Mittelpunkt. 
A person in a suit sits with hands clasped, in a modern interior with abstract art in the background.
© Orla Connolly
Die Weltwirtschaft hat 2026 mit schwierigen Rahmenbedingungen zu tun, wie sie vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar waren. 2025 hat sich die Weltwirtschaft resilienter als erwartet gezeigt, und davon gehe ich auch für das laufende Jahr aus.
Michael Menhart
Chefvolkswirt
Munich Re

Der Economic Outlook 2026 im Überblick:

In vielen großen Wirtschaftsnationen dürfte das Wachstum 2026 durch fiskalpolitische Impulse unterstützt werden. Auch die expansivere Geldpolitik vieler Zentralbanken sollte sich positiv auswirken, insbesondere auf die Investitionsnachfrage. Die Wachstumsdifferenzen zwischen den großen Wirtschaftsräumen bestehen fort, mit robustem Wachstum in den USA, aber weiterhin nur mäßigem Wachstum in Europa. Obwohl China 2026 etwas langsamer wachsen dürfte, sind die Schwellenländer Asiens auch weiterhin die weltweit am stärksten wachsende Region.

Der globale Rückgang der Inflationsraten dürfte 2026 weitergehen, sich allerdings verlangsamen. Haupttreiber der Inflation in Industrieländern sind unverändert erhöhte Preissteigerungsraten im Dienstleistungssektor, denen sinkende Energiepreise entgegenwirken. Handelskonflikte und die von den USA verhängten hohen Importzölle haben sich weltweit betrachtet nicht nennenswert auf die Inflation ausgewirkt, sind aber in den USA spürbar. 

© Munich Re

USA:

In den USA dürfte das reale Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr 2,4% betragen – nicht so stark wie 2023/24, aber etwas höher als 2025 und damit im Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre. Der private Konsum wird 2026 etwas langsamer wachsen und entwickelt sich zunehmend zweigeteilt: Während wohlhabendere Haushalte ihre Ausgaben deutlich steigern, leiden einkommensschwächere Haushalte unter anhaltend hohen Preisen, was durch die Importzölle noch verstärkt wird. Starke Investitionen in Technologie, und insbesondere in Künstliche Intelligenz, sollten das Wachstum der US-Wirtschaft auch in diesem Jahr stützen.

Die Inflationsrate liegt weiterhin oberhalb von 2,5% und dürfte 2026 nicht wesentlich sinken. Haupttreiber sind die immer noch erhöhte Inflationsrate im Dienstleistungssektor sowie bei Verbrauchsgütern der auch weiterhin sichtbare Einfluss der Importzölle auf die Preise. Das Inflationsziel der US-Notenbank Fed wird damit voraussichtlich auch in diesem Jahr verfehlt. Da die Fed allerdings auch den Arbeitsmarkt im Auge haben muss und sich hier Abschwächungstendenzen zeigen, gehen die Finanzmärkte davon aus, dass es 2026 zu weiteren Leitzinssenkungen kommen wird. 

Eurozone:

In der Eurozone wird das Wirtschaftswachstum 2026 mit voraussichtlich 1,1% etwas geringer als im Vorjahr ausfallen (1,4%) und auch unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 1,5% bleiben. Die Gründe für dieses nur verhaltene Wachstum sind vorwiegend struktureller Art. Hinzu kommen die Herausforderungen im weltwirtschaftlichen Umfeld, insbesondere für exportabhängige Länder wie Deutschland.

Die Wachstumsunterschiede sind deutlich: Die größte Volkswirtschaft Deutschland dürfte nach drei Jahren Rezession und Stagnation wieder auf ein kleines Plus von knapp 1% zurückkehren, vor allem aufgrund fiskalpolitischer Impulse und dadurch ausgelöster Investitionen. Frankreich und Italien wachsen 2026 weiterhin nur verhalten. Unter den großen Mitgliedsländern der Eurozone bleibt Spanien auch 2026 das Land mit dem höchsten Wirtschaftswachstum, nicht zuletzt aufgrund geringerer Abhängigkeit vom internationalen Handel.

Die Inflation in der Eurozone hat sich 2025 im Jahresverlauf bereits dem 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank angenähert – und wird dieses 2026 voraussichtlich leicht unterschreiten. Gesunkene Preise für Energie dürften weiterhin inflationsdämpfend wirken, die Preise für Konsumgüter steigen nicht stark. Die Preissteigerungen bei Dienstleistungen sollten sich infolge moderaterer Lohn-Tarifabschlüsse verringern und damit ebenfalls dämpfend auf die Inflation wirken. Nach einer Reihe von Leitzinssenkungen der EZB bereits im ersten Halbjahr 2025 erwarten die Finanzmärkte vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für 2026 keine Veränderungen bei den Leitzinsen. 

China:

In China dürfte sich das Wirtschaftswachstum 2026 auf etwa 4,5% abschwächen – weniger als im Vorjahr (5,0%) und deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre (5,6%). Für die zuletzt schwachen Investitionen im Produktionssektor wird 2026 angesichts des neuen Fünf-Jahres-Plans mit einer Erholung gerechnet, und auch die Exporte dürften weiter wachsen, wenn auch etwas schwächer als 2025. Hingegen bleibt die Wachstumsdynamik beim privaten Konsum auch weiterhin nur verhalten.

Die Inflation wird voraussichtlich auch 2026 sehr niedrig bleiben. Neben der schwachen Konsumnachfrage spielt vor allem die Überproduktion in der Industrie eine zentrale Rolle. Die Produzentenpreise in China sinken bereits seit Jahren, und dies hat auch eine dämpfende Wirkung auf die globalen Güterpreise, zum Vorteil von Konsumenten. Allerdings erhöht dies auch den Wettbewerbsdruck auf das produzierende Gewerbe, insbesondere in Europa. 

Unsicherheitsfaktoren:

Insgesamt überwiegen die Abwärtsrisiken gegenüber möglichen Szenarien einer besser als erwarteten Entwicklung. Geopolitische Risiken und abrupte politische Entscheidungen der USA mit Folgen für Wirtschaft und internationalen Handel können die Entwicklung der Weltwirtschaft beeinträchtigen. Zudem haben starke Kursanstiege an den Börsen im vergangenen Jahr die Sorge erhöht, dass eine mögliche Überbewertung von Technologie-Aktien im Zuge des Booms bei Künstlicher Intelligenz zu Einbrüchen an den Finanzmärkten führen könnten.

Sollte sich hingegen der KI-Boom im Jahr 2026 noch beschleunigen und für entsprechende Investitionen sowie wachsende Produktivität sorgen, würde das Wirtschaftswachstum höher ausfallen als erwartet. Dieses Szenario ist insbesondere für die USA relevant. Auch stärker als erwartete Wirkungen der expansiven Fiskalpolitiken oder eine spürbare Entspannung bei geopolitischen Krisen würden vermutlich zu höherem globalen Wirtschaftswachstum führen. 

Experten

Michael Menhart
Chefvolkswirt von Munich Re
Oliver Büsse
Oliver Büsse
Leiter Economic Research

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