Sehr geehrte Damen und Herren,

Joachim Wenning
Dr. Joachim Wenning
Vorsitzender des Vorstands Münchener Rück AG

das vergangene Jahr war ein Erfolg für unsere Gruppe: Munich Re hat im Jahr 2019 einen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro erzielt. Wir haben unser Ergebnis ein weiteres Mal gesteigert und unser Gewinnziel von 2,5 Milliarden Euro übertroffen. Sie, unsere Aktionäre, wollen wir an diesem Erfolg mit einer erhöhten Dividende beteiligen: Der Hauptversammlung schlagen wir eine Anhebung auf 9,80 Euro je Aktie vor. 

Der Titel Ihres Unternehmens bietet Ihnen damit weiterhin eine starke Rendite: Im Vergleich mit den sieben weltweit führenden Rück- und europäischen Erstversicherern halten wir auch im Jahr 2019 mit unserer Aktionärsrendite – dem sogenannten Total Shareholder Return – einen Spitzenplatz. Gleichzeitig ist Munich Re ein attraktives nachhaltiges Investment, indem wir ökologische, soziale und Governance-Aspekte systematisch in unsere Wertschöpfung integrieren. 

Eine zentrale Säule ist dabei unsere Klimastrategie. Wir haben uns dazu verpflichtet, bis 2050 ein klimaneutrales Anlageportfolio zu erreichen – entsprechend dem Ziel des Pariser Klima-Abkommens, den globalen Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen. Munich Re ist der „Net-Zero Asset Owner Alliance“ unter Führung der Vereinten Nationen beigetreten, in der wir mit institutionellen Investoren mit verwalteten Kapitalanlagen von über vier Billionen US-Dollar zusammenarbeiten. 

Einen wichtigen Hebel für Klimaschutz sehen wir darin, neuen Technologien für eine kohlenstoffarme Wirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen – bei Stromgewinnung, Transport, Energiespeicherung, industrieller Produktion. Auch hier übernehmen wir Verantwortung: Wir bieten innovative Versicherungslösungen an, mit denen wir einige besondere Risiken schultern, etwa mit Leistungsgarantien für Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen. 

Doch das allein reicht nicht aus: Es braucht einen monetären Anreiz, um Treibhausgase zu vermeiden. Der Ausstoß von CO2 muss ein klares Preisschild bekommen – über alle Wirtschaftssektoren hinweg. Gleichzeitig ist ein stabiler und verlässlicher Rahmen für Investitionen notwendig, um ausreichende und bezahlbare Mengen an erneuerbarer Energie zu erzeugen. Indem die Politik über diese Spielregeln klug und weitsichtig entscheidet, wird die Marktwirtschaft zur treibenden Kraft der notwendigen Energietransformation für Klimaschutz. 

Unser Unternehmen ist strategisch und finanziell voll auf Kurs und gewinnt weiter an Fahrt, um den im Rahmen unserer Mehrjahresambition 2018–2020 anvisierten Gewinn von 2,8 Milliarden Euro für das Jahr 2020 zu erreichen. Wir gestalten die digitale Transformation, verringern Komplexität und wachsen profitabel. Dieser strategische Fokus greift und zahlt sich aus. 

Wir werden digitaler, schneller und flexibler. So erschließt sich Munich Re mit den Einheiten Munich Re New Ventures und Digital Partners neue digitale Marktzugänge: Digital Partners kooperiert mit zahlreichen jungen, digital geprägten Unternehmen. Bereits im Jahr 2016 haben wir so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Start-up Next Insurance etabliert und unterstützen es mit Services und der Übernahme von Risiken; außerdem halten wir über Munich Re Ventures seit mehreren Jahren Anteile am Unternehmen. 

Dieser Ansatz hat sich bewährt: Im vergangenen Jahr haben wir in Höhe von 250 Millionen US-Dollar weitere Anteile an Next Insurance erworben. Nach Abschluss der Transaktion werden wir knapp 30 Prozent an dem Unternehmen halten, das kleinen und mittleren Unternehmen im US-Markt digitale, maßgeschneiderte Versicherungslösungen bietet. Über die Partnerschaft adressieren wir dieses margenträchtige Marktsegment mit einem Prämienvolumen von rund 140 Milliarden US-Dollar. Indem wir einen identifizierten Zielmarkt durch einen modernen Online-Vertrieb erschließen, entwickeln wir unsere Gruppe strategisch weiter. 

Ein zweiter Bereich ist die Entwicklung digitaler Services: Lebensversicherern eröffnen wir mit einer Online-Plattform die Chance, medizinische Rückfragen im Antragsprozess auf digitalem Weg zu klären. Die Qualität der erhobenen Daten lässt sich so erhöhen, die Bearbeitungszeit um bis zu 90 Prozent senken. Gleichzeitig bieten wir Softwarelösungen an, die Versicherer komfortabel in ihre IT-Systeme integrieren und so die Dauer des Antragsprozesses um bis zu zwei Drittel senken können. 

Gleichzeitig werten wir unsere Kernkompetenzen digital weiter auf. Wir investieren in Data Analytics und künstliche Intelligenz, um unsere Kunden zielgerichtet zu unterstützen, zum Beispiel bei der Identifikation von Schadentreibern für Leitungswasserschäden, die rund die Hälfte aller Schäden in der traditionellen Versicherung für Wohngebäude ausmachen. Kfz-Versicherer unterstützen wir dabei, mithilfe von maschinellem Lernen künftige Schäden präziser vorherzusagen und die Schadenquote spürbar zu senken – indem externe Daten wie Wetter, Unfallstatistiken oder sozioökonomische Daten berücksichtigt werden. 

Außerdem arbeiten wir daran, die Qualität und die Geschwindigkeit unserer Prozesse zu erhöhen. ERGO hat zahlreiche Prozesse automatisiert, um Kunden optimalen Service zu bieten. Die Zahl der Robotics-Anwendungen, welche die Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit unterstützen, hat deutlich zugenommen. Kundenanliegen werden so schneller bearbeitet: Die durchschnittliche Bearbeitungszeit von Anträgen im Segment Leben haben wir halbiert. 

Wir erschließen uns weiter neue, digitale Geschäftsfelder rund um das Internet der Dinge: Mit dem Sportwagenhersteller Porsche und dessen Beratungstochter MHP werden wir ein Unternehmen gründen, das digitale, flexible Produktionskonzepte und Softwarelösungen anbietet. Industriekunden sollen so neue Produkte rascher entwickeln können, indem sie auch kleinste Fertigungsgrößen wirtschaftlich produzieren – mit minimiertem Kapitalbedarf und reduziertem Investitionsrisiko. 

ERGO ist eine Partnerschaft mit dem chinesischen Autohersteller Great Wall Motors eingegangen. Gemeinsames Ziel ist es, einen führenden Anbieter für technologie- und datengetriebene Mobilitätslösungen im chinesischen Markt aufzubauen und Versicherungen unter anderem über die Handelspartner von Great Wall zu vertreiben. 

Mit diesen Initiativen und Unternehmungen unterstreichen wir den Anspruch von Munich Re, führender Anbieter von digitalen Versicherungslösungen zu sein. So stärken wir das bereits bestehende Geschäft, verbreitern perspektivisch die Ertragsbasis der Gruppe und stärken unsere Position im Wettbewerb. 

Wir reduzieren Komplexität. Die Gruppe agiert fokussierter und effizienter. ERGO hat den Verkauf von 18 kleineren Länder-Gesellschaften erfolgreich abgeschlossen, um sich noch stärker auf relevante Kernmärkte zu konzentrieren. In der Rückversicherung haben wir unsere Schlagkraft im Industriegeschäft erhöht, indem wir die fakultativen Rückversicherungs-Einheiten und das Industrie-Direktgeschäft in einer globalen Einheit gebündelt haben. Ein wachsendes Geschäft betreiben wir mit weniger Ressourcen und erschließen uns durch niedrigere Kosten weitere Gestaltungsräume, um in die Digitalisierung und neue Geschäftsfelder zu investieren. 

Wir verdienen mehr. Erneut konnten wir unseren Gewinn steigern; zudem haben wir das Gewinnziel übertroffen. Unser Erstversicherer ERGO hat den Aufschwung fortgesetzt und lag leicht über dem Gewinnziel. Basis hierfür war die konsequente Umsetzung des im Jahr 2016 gestarteten Strategieprogramms. Im Geschäftsfeld Rückversicherung haben wir unsere Wachstumsinitiativen erfolgreich umgesetzt, unter anderem in den USA, in Asien und im weiter wachsenden Markt der Cyber-Risiken. Auch hier haben wir unser Ziel übertroffen, trotz hoher Naturkatastrophenschäden in der zweiten Jahreshälfte, unter anderem durch die tropischen Wirbelstürme Hagibis und Faxai in Japan. 

Für das Jahr 2020 streben wir einen Gewinnanstieg auf rund 2,8 Milliarden Euro an. 2,3 Milliarden Euro erwarten wir in der Rückversicherung, über 500 Millionen Euro von ERGO. In der Rückversicherung werden wir dazu unsere Wachstumsinitiativen vorantreiben; ERGO wird den bisherigen Weg des Strategieprogramms weiterverfolgen. Außerdem wird die fortgesetzte Optimierung unserer Kapitalanlagen ein Ergebnistreiber sein. In einem zunehmend schwierigen Kapitalmarkt haben wir nach der Bestellung des Chief Investment Officers den Investmentprozess in der Gruppe geschärft und auf eine kontinuierliche Verbesserung des Rendite-Risiko Profils unseres Portfolios ausgerichtet. 

Auf unserem Weg, Munich Re profitabler, schlanker und digitaler zu machen, sind wir im vergangenen Jahr einen großen Schritt vorangekommen. Für Ihre Unterstützung dabei danke ich Ihnen persönlich herzlich – und schließe darin auch unsere weltweit gut 39.000 Mitarbeiter in unserer Gruppe mit ein. 

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Joachim Wenning

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