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Sehr geehrte Damen und Herren,

Joachim Wenning
Dr. Joachim Wenning
Vorsitzender des Vorstands Münchener Rück AG

das vergangene Jahr war der Startpunkt für die Umsetzung unserer Ambition 2025. Mit einem Jahresergebnis von 2,9 Milliarden Euro haben wir unser Ergebnisziel 2021 in Höhe von 2,8 Milliarden Euro übertroffen und damit den Grundstein für die Verwirklichung unserer ehrgeizigen Ziele gelegt.

Beim Gewinn je Aktie wollten wir 2021 an das normalisierte Ergebnis von 2020 anknüpfen – tatsächlich haben wir eine Steigerung um 4,7 % erreicht. Damit sind wir bereits jetzt nahe an unserem Ziel, diesen Wert bis 2025 um durchschnittlich mindestens 5 % pro Jahr zu erhöhen. Ebenso sind wir voll auf Kurs, unser Versprechen der Verzinsung von 12 % bis 14 % auf das eingesetzte Kapital bis 2025 zu erfüllen. 2021 betrug dieser Wert 12,6 %. Die Kapitalstärke unseres Unternehmens spiegelt sich in der Solvenzquote wider: Diese lag zum Ende des Jahres bei 227 % und damit leicht über dem angestrebten Bereich.

Als Aktionärinnen und Aktionäre von Munich Re profitieren Sie von der positiven Entwicklung unseres Geschäfts. Bei der Aktionärsrendite belegen wir im Zeitraum von 2018 bis 2021 erneut einen vorderen Platz unter den acht weltweit führenden Rück- und europäischen Erstversicherern. Unserem anhaltenden Unternehmenserfolg entsprechend erhöhen wir im Einklang mit unserem Versprechen aus der Ambition 2025 die Dividende: Der Hauptversammlung schlagen wir 11 Euro je Aktie vor, eine Steigerung um 12,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Darüber hinaus haben wir einen neuen Aktienrückkauf beschlossen. Eine attraktive Ausschüttungspolitik bleibt ein Markenzeichen von Munich Re.

Kurz: Munich Re hat geliefert. Und das unter schwierigen Voraussetzungen.

Neben einem herausfordernden ökonomischen Umfeld mit anhaltendem Zinstief und stark steigender Inflation war 2021 geprägt von Großschäden: Naturkatastrophen haben einmal mehr rund um den Globus verheerende Schäden angerichtet. Die Corona-Pandemie entwickelte noch einmal eine unvorhergesehene Dynamik. Und Cyberattacken nehmen in Zahl und Intensität deutlich zu.

Im vergangenen Jahr verursachten Naturkatastrophen weltweit Schäden in Höhe von 280 Milliarden US-Dollar, davon waren 120 Milliarden versichert – der historisch betrachtet zweithöchste Wert nach dem Rekordjahr 2017. Allein die extremen Sturzfluten in Deutschland und anderen Ländern Europas schlugen mit 54 Milliarden US-Dollar zu Buche; Versicherer trugen 13 Milliarden. Es war die bislang teuerste Naturkatastrophe in Deutschland und Europa – und nur eines von vielen Unwetterereignissen aus dem vergangenen Jahr, die durch den Klimawandel häufiger und schwerer werden.

Auch die Pandemie führte 2021 zu weiter steigenden Schadenaufwendungen. Munich Re war hier vor allem in der Rückversicherung Leben/Gesundheit betroffen, nur noch geringfügig in der Schaden/Unfall-Rückversicherung. Die COVID-19-bedingte Gesamtbelastung lag 2021 bei rund einer Milliarde Euro, davon entfielen 785 Millionen Euro auf das Segment Leben/Gesundheit.

Und nicht zuletzt ist die Cyberkriminalität im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Weltweit gehen die ökonomischen Schäden durch Cybervorfälle nach Schätzungen verschiedener Forschungsunternehmen in die Billionen, derzeit ist nur ein sehr kleiner Bruchteil davon versichert. Gleichzeitig haben aufsehenerregende Vorfälle wie der Cyberangriff auf den US-Pipelinebetreiber Colonial Pipeline im Mai 2021 oder zuletzt die Entdeckung der Sicherheitslücke Log4j das Bewusstsein für Cyberrisiken geschärft.

Dass wir trotz alldem unser Ergebnisziel erreichen konnten, unterstreicht einmal mehr die Robustheit und Resilienz unseres Unternehmens. Unser Risiko- und Geschäftsmix sowie unser Risikomanagement haben sich 2021 aufs Neue bewährt. Alle Geschäftsfelder haben mit einer starken operativen Performance zur positiven Entwicklung unseres Geschäfts beigetragen.

Das Geschäftsfeld ERGO hat 2021 seinen Ergebnisbeitrag durch fokussierten Geschäftsausbau und konsequente Kostendisziplin erneut steigern können. Mit einem Ergebnis von rund 600 Millionen Euro hat ERGO das Jahresziel sogar deutlich übererfüllt. Im Segment Schaden/Unfall Deutschland haben insbesondere eine erfolgreiche Erneuerungsrunde im Kfz-Geschäft und der Geschäftsausbau im Bereich Gewerbe/Industrie zum Beitragswachstum beigetragen. Das Segment Leben/Gesundheit Deutschland hat mit neuen kapitaleffizienten und biometrischen Produkten in Leben, einer guten Geschäftsentwicklung bei den Ergänzungsversicherungen in Gesundheit und dank der Erholung des Reiseversicherungsgeschäfts das Wachstum unterstützt. Zudem hat sich insbesondere das Geschäftsmodell „Hybrider Kunde“ während der Pandemie bewährt und die Produktivität der Vermittler weiter gesteigert. Auch im internationalen Geschäft hat ERGO die Bruttobeitragseinnahmen 2021 deutlich gesteigert, vor allem mit einer starken Entwicklung im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft in Polen und Österreich sowie aufgrund der hohen Nachfrage nach Gesundheitsprodukten in Spanien und Belgien. Perspektivisch wird ERGO zunehmend digital und sowohl Beiträge als auch Erträge weiter steigern.

Die Rückversicherung profitierte insbesondere von steigenden Raten in der Schaden/Unfall-Rückversicherung. In den Erneuerungen 2021 erzielten wir ein Beitragswachstum von 11,7 % und eine Preissteigerung von 2,3 %. Die Ergebnisse der Januar-Erneuerung 2022 belegen, dass sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzt und wir weiterhin profitabel wachsen. Auch unser weniger zyklisches Geschäft im Bereich Risk Solutions konnten wir dank eines starken Produkt-Portfolios kräftig ausbauen (+18 %). Zusätzlich erschließen wir neue Geschäftsopportunitäten insbesondere im Digitalbereich, etwa über unsere Tochtergesellschaft Munich Re New Ventures (MRNV). Ursprünglich gegründet, um ungenutzte Potenziale in unserer Branche zu adressieren, hat sich MRNV zu einem Inkubator von Spitzentechnologie, Vertriebs- und Produktangeboten für Kunden und Partner von Munich Re entwickelt. Die 2021 erfolgte Akquisition von GroupHEALTH, einem der größten Administratoren von Gruppenversicherungen in Kanada, durch MRNV ermöglicht uns einen breiteren Zugang zu einem Markt mit interessantem Risiko-Ertrags-Profil. So bauen wir unser Geschäft strategisch klug aus.

Bei der Kapitalanlage erzielten wir trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds eine sehr gute Investmentrendite von 2,8 %. Hervorzuheben ist dabei der immer größer werdende Ergebnisbeitrag aus alternativen Anlageformen – etwa Investments in Infrastruktur –, die wir künftig weiter ausbauen wollen. Auch ökologische Kriterien gewinnen bei der Kapitalanlage zunehmend an Bedeutung: So investierte die MEAG beispielsweise in den Ausbau der emissionsfreien Windenergie in Schweden und Finnland und baute ihr forstwirtschaftliches Portfolio durch den Kauf von Wäldern in den USA und Neuseeland aus. Bis 2025 soll sich die Höhe unserer Investments in erneuerbare Energien gegenüber dem Wert aus dem Jahr 2019 auf rund 3 Milliarden Euro verdoppeln.

Munich Re ist am Ende von Jahr 1 unserer Ambition 2025 hervorragend positioniert, um die gesteckten Ziele auch in den kommenden vier Jahren zu erfüllen. Dazu werden wir in der Rückversicherung den Hartmarkt weiter für profitables Wachstum nutzen. Die nachhaltig positive Entwicklung von ERGO sowie das Wachstum der Rückversicherung Leben/Gesundheit und unseres Spezialversicherungsgeschäfts, insbesondere in den USA, werden unsere Erträge in Zukunft zudem sukzessive weniger schwankungsanfällig machen. Unsere starke Kapitalanlagerendite rundet das positive Bild ab.

Unsere Ambition 2025 geht indes weit über die Optimierung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen hinaus. Wir möchten dauerhaft Wert schaffen für unsere Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter und die Gesellschaft insgesamt. Dies beinhaltet ein kontinuierliches Engagement für Umwelt-, Sozial- und Governance-Belange (ESG) in allen Einflussbereichen unseres Unternehmens.

Um die strategische Bedeutung von ESG für Munich Re hervorzuheben und die Steuerung der betreffenden Themen zu konsolidieren, wurde zur Jahresmitte 2021 ein ESG-Ausschuss auf Vorstandsebene eingerichtet. Ihm zur Seite steht ein hochkarätig und interdisziplinär besetztes ESG Management-Team, das die Umsetzung all unserer ESG-Ziele gruppen übergreifend sicherstellt.

Ein wesentlicher Teil unserer ESG-Aktivitäten dient dem Klimaschutz. Wir fokussieren uns dabei zum einen auf Maßnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen. Entlang strikter CO2-Vorgaben verzichten wir auf Geschäft, bei dem der Übergang auch über die Zeit nicht gelingen wird, beginnend bei Kohle. Und dies nicht erst in ferner Zukunft, sondern jetzt. Wir haben uns verpflichtet, unsere ersten Reduktionsziele bis 2025 zu erreichen. Die entsprechenden Rahmenbedingungen, etwa verbindliche Zeichnungsrichtlinien für Kohle sowie Öl und Gas im Einklang mit unserer Klimastrategie,  haben wir im vergangenen Jahr geschaffen.

Zum anderen verstehen wir uns als Treiber der Energiewende. Wir bieten Risikotransferlösungen an, die das Wachstum etablierter und neuer grüner Technologien fördern. Indem wir Garantie- oder Verfügbarkeitsrisiken übernehmen, unterstützen wir die Erneuerbare-Energien-Branche dabei, Investoren zu gewinnen und ihr Geschäft auszubauen. Im Bereich Green Tech Solutions haben wir bis heute weltweit Risiken in über 1.000 Projekten mit einer Gesamtkapazität von etwa 42 Gigawatt abgesichert. Zum Vergleich: Das entspricht mehr als zwei Dritteln der Kapazität aller in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen.

Auch mit der erneuten Ausgabe einer grünen Anleihe im vergangenen Jahr haben wir unseren Anspruch unterstrichen, einen Beitrag zur klimaneutralen Transformation der Wirtschaft zu leisten. Mit dem eingesammelten Kapital werden Projekte unter anderem in den Bereichen Energieeffizienz, nachhaltiges Transportwesen, grüne Gebäude oder Kreislaufwirtschaft finanziert. Die Erlöse aus unserer ersten, 2020 emittierten grünen Anleihe in Höhe von 1,3 Milliarden Euro haben wir inzwischen vollständig in acht nachhaltige Projekte investiert.

Beim Klimaschutz ist schnelles und entschiedenes Handeln gefragt, sowohl seitens des privaten wie auch des öffentlichen Sektors. Auf die Dringlichkeit der vor uns liegenden Aufgaben im Kontext des Klimawandels hat Munich Re im Rahmen der Weltklimakonferenz in Glasgow im November 2021 erneut hingewiesen. Wir haben dabei konkrete Vorschläge gemacht, wie den Herausforderungen begegnet werden kann: etwa mit dem Ausbau von Public Private Partnerships, um insbesondere ärmeren Ländern bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen. Ein ausreichend hoher CO2-Preis – 2030 mehr als 100 US$ pro Tonne – sollte zudem Anreize für den Einsatz klimafreundlicher Technologien setzen. Die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien zur Stromproduktion müssen bis 2030 vervierfacht werden. Ebenso erscheinen die Förderung und der Einsatz von Technologien zur CO2-Entnahme aus der Luft unverzichtbar. Statt nur Teilziele festzulegen, sind die Staaten gefordert, in sich vollständige und konsistente Projektpläne zur Umsetzung dieser und weiterer Klimaschutzmaßnahmen zu entwerfen.

Neben unserem Commitment zu mehr Klimaschutz haben wir uns mit der Ambition 2025 auch zu einer Verbesserung der Gender Diversity innerhalb unseres Konzerns verpflichtet. Bis 2025 wollen wir den Anteil von Frauen in Führungspositionen innerhalb von Munich Re von 35% im Jahr 2020 auf 40 % erhöhen. Indem wir seniore Besetzungsentscheidungen gruppenweit auf Vorstandsebene treffen und das Thema Diversität und Inklusion kulturell forcieren, ist der Anteil von weiblich besetzten Führungspositionen im vergangenen Jahr bereits auf rund 38 % gestiegen.

Unsere Ambition 2025 weist den Weg, um das Potenzial für Wachstum und Wertschöpfung unserer Gruppe zur vollen Entfaltung zu bringen. 2021 sind wir auf diesem Weg ein gutes Stück vorangekommen. Ich versichere Ihnen: Auch im kommenden Jahr lassen wir nicht nach und setzen alles daran, unsere Ambition in die Tat umzusetzen. Auch im Namen unserer gut 39.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen in unser Unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Joachim Wenning