Sehr geehrte Damen und Herren,

Joachim Wenning
Dr. Joachim Wenning
Vorsitzender des Vorstands Münchener Rück AG

kaum ein Jahr wurde so sehr von einem einzigen Thema bestimmt wie 2020 von der Ausbreitung des Coronavirus. Die Pandemie hat auch in unserem Abschluss Spuren hinterlassen. Dennoch hat Munich Re im vergangenen Jahr noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro erzielt. Bereinigt um COVID-19-Belastungen hätte unser Ergebnis die Erwartung von 2,8 Milliarden Euro 2020 gewiss erreicht. Insofern betrachten wir unsere Mehrjahresambition 2018–2020 als erfolgreich umgesetzt.

Als Aktionärinnen und Aktionäre von Munich Re konnten Sie sich auch in turbulenten Zeiten auf unsere starke wirtschaftliche Substanz und eine hohe Dividende verlassen. Daran ändert auch COVID-19 nichts. Von 2018 bis 2020 sind wir mit unserer Aktionärsrendite – dem sogenannten Total Shareholder Return – an die Spitze unter den acht weltweit führenden Rück- und europäischen Erstversicherern gerückt. An unserem fortgesetzten Unternehmenserfolg wollen wir Sie auch in diesem Jahr mit einer stabilen Dividende beteiligen: Der Hauptversammlung schlagen wir gleichbleibend zum vergangenen Jahr 9,80 Euro je Aktie vor.

Unser Geschäftsmodell erwies sich auch in der aktuellen Krise als robust, die COVID-19-bedingten versicherten Schäden in der Lebens- und Schaden-/Unfallversicherung waren für Munich Re verkraftbar. Durch die Deckung versicherter Schäden in Milliardenhöhe leisten wir einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bewältigung der Pandemie.

Wir haben weder staatliche Zuwendungen in Anspruch genommen noch Kurzarbeit beantragt beziehungsweise unsere Dividende gekürzt. Wir haben die Geschäfte und den Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen fortgeführt. Es ist uns gelungen, unsere operativen Abläufe binnen kürzester Zeit fast vollständig auf Arbeit von zu Hause umzustellen, ohne an Leistungsfähigkeit einzubüßen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten sich auf die Fürsorge ihres Arbeitgebers verlassen: Im Kontext der Corona-Pandemie haben wir unsere Arbeitszeitregelungen so weitreichend flexibilisiert, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so gut es unsererseits ging, erleichtert wurde.

Gleichwohl hat die Pandemie weltweit offengelegt, wo Staaten und Gesellschaften insgesamt nicht ausreichend gut vorbereitet waren. Es sollten jetzt die richtigen Lehren gezogen werden, um die Resilienz vor der nächsten Pandemie zu erhöhen. Die volkswirtschaftlichen Kosten einer Pandemie sind nicht versicherbar. Weder Versicherte noch Versicherer können solch hohe Lasten privat schultern. Naturgemäß übernehmen die Staaten in solchen Situationen besondere Verantwortung. Gefragt sind kluge Konzepte, um unsere Volkswirtschaften aufrechtzuerhalten. In ihnen können und wollen Versicherer Mehrwert stiften. Aus diesem Grund spricht sich Munich Re für die Einrichtung staatlich gestützter Pandemie-Risikopools aus.

Gleichzeitig dürfen wir bei aller berechtigten Fokussierung auf die Pandemie nicht vergessen, dass auch andere Großrisiken mit systemischem Charakter unsere Branche vor gewaltige Herausforderungen stellen. Zu ihnen zählen Cyberrisiken und vor allem der Klimawandel. 2020 verursachten Naturkatastrophen weltweit Schäden von 210 Milliarden US-Dollar und damit zum wiederholten Male deutlich mehr als im langjährigen Mittel. Auch wenn die Entwicklungen einzelner Jahre und individuelle Ereignisse nicht zwangsläufig mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden können, so ist klar: Der Klimawandel ist real und Schäden aus Naturkatastrophen nehmen zu.

Die Zeit zu handeln ist jetzt. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft müssen dem Klimawandel mit größerer Entschlossenheit und Handlungsbereitschaft als bisher entgegentreten. Markt- und Meinungsführer sind dabei gefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen. Munich Re hat deshalb Ende vergangenen Jahres sehr ehrgeizige und konkrete Klimaschutzziele für die Kapitalanlagen, das Versicherungsgeschäft und den eigenen Betrieb für die Zeit von 2021 bis 2050 vorgestellt.

Diese Ziele sind wissenschaftsbasiert, kompatibel mit den Pariser Klimazielen, konkret, verbindlich und messbar. Ausgehend von dem Anspruch, spätestens bis 2050 in allen Bereichen bei „Netto-Null“-CO2-Emissionen zu liegen, haben wir klare Etappenziele definiert. In Fünf-Jahres-Schritten werden wir unsere Emissionen sukzessive und nachprüfbar senken. Eine erste Zwischenbilanz ziehen wir 2025.

Das heißt auch: Wir werden Versicherungsgeschäft und -erträge im Bereich der fossilen Energien aufgeben. Umgekehrt erwarten wir neues Geschäft aus der Abdeckung von Risiken im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien. Mit innovativen Versicherungslösungen für neue Schlüsseltechnologien erleichtern wir deren Markteintritt und Bezahlbarkeit. Im Bereich von Leistungsversicherungen bei Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeichern haben wir uns in den vergangenen Jahren schon eine führende Stellung erarbeitet.

Gerade im Versicherungsgeschäft, das sich über lange Zeithorizonte erstreckt, bilden die strategischen Weichenstellungen der Vergangenheit die Grundlage des zukünftigen Erfolgs. Mit dem Jahr 2020 liefen gleichzeitig die Drei-Jahres-Ambition des Munich Re Konzerns, die Drei-Jahres-Rückversicherungsstrategie und das Fünf-Jahres ERGO Strategieprogramm aus. Das übergreifende Ziel unserer strategischen Ausrichtung war es, Munich Re profitabler, digitaler, schlanker zu machen. Das ist uns gelungen. Bereinigt um Sondereffekte bzw. Großschäden ist unsere operative Ertragskraft in den vergangenen drei Jahren erheblich gestiegen. Die intelligente Nutzung von Daten und Technologien hat die Automatisierung, Weiterentwicklung und Disruption von Angeboten und Services in der gesamten Gruppe beschleunigt. Und unser strikter Markt- und Kundenfokus hat die Effizienz unserer Organisation spürbar verbessert sowie geschäftliches Momentum erzeugt.

Mit dem Abschluss unserer bisherigen Strategieprogramme zum Jahresende 2020 richten wir den Blick jetzt auf die kommenden fünf Jahre. Dazu haben wir im Dezember 2020 unsere Munich Re Group Ambition 2025 vorgestellt. Sie synchronisiert unter dem Dreiklang „Scale – Shape – Succeed“ die Planungen für Rückversicherung, ERGO und Asset Management und skizziert für unsere Gruppe den Weg in eine erfolgreiche Zukunft und an die Spitze des Wettbewerbs.

Dafür werden wir die Wachstumselemente der bewährten Strategien in Rückversicherung und ERGO stärken sowie die Ertragskraft in der Kapitalanlage erhöhen. ERGO wird seine Profitabilität sowohl in Deutschland als auch im internationalen Geschäft weiter ausbauen. Im Fokus stehen der Ausbau einer zukunftsweisenden IT-Vertriebsarchitektur, die Forcierung des internationalen Wachstums insbesondere in Indien und China sowie die systematische Erschließung des „hybriden Kunden“. In der Schaden-/Unfall-Rückversicherung verspricht die aktuelle Marktverhärtung in den kommenden Jahren steigende Preise und damit günstige Voraussetzungen für organisches Wachstum. Mit Exzellenz im Underwriting wollen wir hiervon gezielt profitieren. In der Rückversicherung Leben/Gesundheit sehen wir fortgesetzt gute Wachstumschancen vor allem in Nordamerika und Asien, insbesondere bei Transaktionen zur Finanzierung oder Kapitalentlastung des Geschäfts unserer Kunden sowie bei digitalen Services. Nach zuletzt signifikanten Transformationsinvestitionen erwarten wir, im Risk Solutions Geschäft sogar überproportional stark zu wachsen. Bei der Kapitalanlage streben wir mittels Spezialisierung eine nachhaltige Verbesserung der Investmentrendite an, ohne hierfür unseren Marktrisikoappetit zu erhöhen.

Für Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, wird ein Investment in unser Unternehmen in den kommenden Jahren dadurch noch attraktiver: Im Rahmen unserer Ambition 2025 haben wir ein im Wettbewerbervergleich führendes Verzinsungsziel von 12 bis 14 % auf das eingesetzte Kapital bis 2025 definiert. Ein anhaltendes Ertragswachstum wird sich in einer Steigerung des Gewinns je Aktie widerspiegeln. Dieser soll bis zum Jahr 2025 durchschnittlich um ≥5 % pro Jahr steigen. Daran angelehnt soll die Dividende je Aktie durchschnittlich ebenso um ≥5 % und damit etwas stärker als in den vergangenen Jahren steigen, wobei sie, wie bisher, in Jahren mit besonderer Schadenbelastung zumindest nicht gesenkt werden soll.

Geschäftlicher Erfolg ist für Munich Re von zentraler Bedeutung; er bildet das Fundament unserer Leistungen für die Gesellschaft. Als verantwortungsvolles Unternehmen dürfen wir uns aber nie nur allein an ökonomischen Kennzahlen messen. Deshalb ist mir persönlich eine weitere Facette unserer Ambition 2025 besonders wichtig: unser Bekenntnis und unsere Verpflichtung zu Diversität und Inklusion.

Munich Re vereint Kolleginnen und Kollegen aus über 60 verschiedenen Nationen an mehr als 50 Standorten unter einem globalen Dach. Über 80 Berufsgruppen finden sich in unserem Konzern. Vielfalt ist ein Wesensmerkmal von Munich Re. Dennoch haben wir hier Verbesserungspotenzial, etwa hinsichtlich der Repräsentanz von Frauen in Führungsfunktionen. Das werden wir jetzt konsequent angehen: Bis 2025 wollen wir daher den Anteil von Frauen in Führungspositionen innerhalb von Munich Re auf 40 % erhöhen.

2020 haben wir trotz großer Unsicherheiten infolge von COVID-19 die Weichen für den zukünftigen Kurs unseres Unternehmens gestellt. Ich bin überzeugt, dass wir damit ein solides Fundament für Wachstum und Wertschöpfung für alle unsere Stakeholder geschaffen haben. Auch im Namen unserer rund 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen in uns und unser Unternehmen und möchte Sie einladen, uns auf dem vor uns liegenden Weg weiter zu begleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Joachim Wenning