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Hochwasser, Sturzfluten, Sturmfluten:
Risiken nehmen zu

Mehr Prävention ist nötig

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    Überschwemmungen gehören zu den folgenschwersten Naturkatastrophen weltweit. Jedes Jahr zerstören sie Werte in Milliardenhöhe. Und die Risiken nehmen durch den Klimawandel zu, da Extremniederschläge in vielen Regionen häufiger werden.
    Langfristig betrachtet sind Überschwemmungen nach Stürmen die Naturkatastrophen mit den weltweit höchsten gesamtwirtschaftlichen Schäden. Versichert ist meist nur ein kleinerer Teil. 

    ~1.700 Mrd. US$

    Gesamtschäden durch Hochwasser weltweit seit 1980
    (inflationsbereinigt, ~240 Mrd. US$ waren versichert)

    Auffällig ist: In vielen Regionen trägt mittlerweile effektive Prävention dazu bei, Schäden durch Flusshochwasser zu begrenzen. Im Wesentlichen liegt das an Investitionen in Hochwasserschutz, zum Beispiel in Europa nach der Elbeflut 2002, so dass spätere Überschwemmungen längst nicht mehr so schadenreich waren. Das darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, das Schutzmaßnahmen Grenzen haben und bei ganz extremen Ereignissen nichts mehr nützen, wenn beispielsweise Deiche überspült werden. Und in der Tendenz nimmt die Gefährdung durch extremere Niederschläge in vielen Regionen zu.  

    Sprunghaft angestiegen sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Schäden durch Sturzfluten, also plötzliche starke Hochwasser, die nach extremen Regenfällen bevorzugt an Hängen mit hoher Fließgeschwindigkeit mit Trümmern und Treibholz zerstörerisch bergab rauschen. Sie können sich auch abseits großer Flüsse ereignen und richten lokal extreme Schäden an. Hier ist mehr Prävention nötig, um weitere Anstiege der Schäden zu vermeiden.

    Rund ein Viertel der gesamten Hochwasserschäden seit 1980 entstanden in China, wo sich entlang der zahlreichen Flüsse während der Regenzeit immer wieder schwere Überschwemmungen bilden. Gepaart mit der extremen wirtschaftlichen Entwicklung und dem explosionsartigen Wachstum von Megastädten entlang der Flüsse sind so regelmäßig Schäden in Milliardenhöhe entstanden. Nach einem verheerenden Hochwasser entlang des Jangtse 1998, das noch heute zu den teuersten Hochwasserkatastrophen weltweit zählt, investierte China Milliarden in den Hochwasserschutz. Spätere Überschwemmungen fielen dadurch glimpflicher aus. Der unversicherte Anteil an den Hochwasserschäden in China liegt indes weiterhin bei weit über 90%.

    Die bisher teuerste Hochwasserkatastrophe weltweit ereignete sich im Juli 2021 in Mitteleuropa, als verheerende Sturzfluten und Flusshochwasser in Westdeutschland mit Schwerpunkt im Ahrtal und in Nachbarländern Gesamtschäden von inflationsbereinigt 59 Mrd. US$ verursachten. Es war die teuerste Naturkatastrophe in Europa seit Jahrzehnten. Der versicherte Anteil der Schäden blieb, wie oft bei Hochwasserereignissen, mit knapp 16 Mrd. US$ vergleichsweise gering.

    Das zeigt: Auch in Industrieländern sind Hochwasserrisiken zum überwiegenden Teil nicht versichert. Ein Grund dafür ist das in manchen Regionen eingeschränkte Angebot von Versicherungsdeckungen. Auch die fehlende Nachfrage spielt eine Rolle – selbst in überschwemmungsgefährdeten Gebieten. In vielen Ländern sind Hochwasserrisiken nicht automatisch in der Gebäudeversicherung gedeckt, sondern müssen separat gekauft werden.

    In Großbritannien wurde deshalb vor einigen Jahren Flood Re eingeführt, ein von Versicherern getragener Rückversicherer, der Hochwasserdeckungen für Bewohner von Hochrisikogebieten zu bezahlbaren Preisen übernimmt. In Deutschland wird über ein ähnliches Konzept des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter dem Titel „Elementar Re“ diskutiert. Beide Konzepte verzichten auf eine Versicherungspflicht, die in anderen Ländern schon eingeführt wurde oder zumindest diskutiert wird.

    Trotz allem: Ein Großteil der Hochwasserschäden entsteht an öffentlicher Infrastruktur wie Straßen, Bahnlinien, Deichen und Brücken, die meist nicht versichert sind. Auch in Europa sind deshalb meist deutlich weniger als die Hälfte der Hochwasserschäden von Versicherungen gedeckt. 

    Klimawandel verschärft Risikolage

    Rund um den Globus verändert der Klimawandel in vielen Regionen die Wahrscheinlichkeit extremer Niederschläge. Da wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, nehmen Starkniederschläge tendenziell zu.

    Studien kommen zu dem Schluss, dass durch den Klimawandel zahlreiche Extremregen-Ereignisse in verschiedenen Teilen der Welt deutlich wahrscheinlicher und auch stärker geworden sind.

    Durch die Zunahme solcher Starkniederschläge rücken auch Sturzflutereignisse abseits der großen Gewässer und in innerstädtischen Lagen in den Fokus. Hier ist das Risikobewusstsein vielerorts noch viel zu gering.

    Die unterschätzten finanziellen Risiken werden dann nur in geringem Umfang über Versicherungspolicen abgesichert. Haus- und Unternehmenseigentümer müssen in diesem Fall ihre Sach- oder Betriebsunterbrechungsschäden selbst tragen – oder auf öffentliche Hilfsprogramme im Fall einer Katastrophe hoffen.

    Welche Art von Überschwemmungen gibt es?

    Überschwemmungen haben unterschiedliche Ursachen, für die es oft auch separate – auf die speziellen Risikosituationen zugeschnittene – Versicherungskonzepte gibt. Drei Haupttypen gibt es: Flussüberschwemmung, Sturzflut und Sturmflut.

    Flussüberschwemmungen bauen sich in der Regel allmählich auf – manchmal jedoch in sehr kurzer Zeit. Sie dauern mehrere Tage bis hin zu Wochen. Die überflutete Fläche hängt von der Topografie ab und kann mehrere 1000 km2  erreichen, wenn das Flusstal flach und breit ist. In engen Tälern beschränkt sich die Überschwemmungsfläche auf ein relativ schmales Band entlang des Flusses. Hier kommen wegen der oft hohen Fließgeschwindigkeiten dann häufig wesentlich mehr Menschen zu Schaden.

    Für Versicherungsdeckungen ist daher eine genaue Risikobewertung entlang präziser Hochwasserzonierungen nötig. Die Kombination aus Präventionsmaßnahmen und Versicherung kann die finanzielle Belastung insgesamt gering halten.

    Sturzfluten treten auf, wenn der Boden kurzzeitige, intensive Niederschläge nicht mehr aufnehmen kann. Sie entstehen meist in Verbindung mit Gewittern. In abschüssigem Gelände kann das eine schwallartig ansteigende Hochwasserwelle auslösen.

    Besonders gefährlich sind mechanische Kräfte durch die hohen Fließgeschwindigkeiten und Treibgut: Beides kann Gebäude zum Einsturz bringen und erhöht die Schäden enorm.

    Was oft unterschätzt wird: Sturzfluten können praktisch überall auftreten, auch weit abseits von fließenden Gewässern. Sie räumlich präzise vorherzusagen ist nahezu unmöglich. Damit sind kurzfristige Maßnahmen zur Schadenreduktion so gut wie ausgeschlossen. Generelle Vorsorge und besseres Wissen um das Risiko von Sturzfluten sind deshalb enorm wichtig.

    Sturzfluten gehen oft in Flusshochwasser über, wie etwa 2021 bei den Ahrtal-Überschwemmungen.

    Sturmfluten betreffen nur relativ schmale Küstenstreifen, bergen aber riesige Schadenpotenziale und forderten in der Vergangenheit die höchste Zahl an Menschenleben. Der aufgrund der Klimaerwärmung ansteigende Meeresspiegel erhöht an vielen Küsten der Welt die Sturmflut- und Erosionsgefahr.

    Allerdings sorgten mancherorts Investitionen in stark verbesserte Schutzmaßnahmen und insbesondere die Weiterentwicklung der Vorhersage- und Warnmöglichkeiten in den vergangenen Jahren dafür, dass Sturmflutkatastrophen weniger schlimm ausgefallen sind.

    (Aktualisiert März 2026)

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    Vorsorge- und Versicherungslösungen für Hochwasserrisiken

    Zum Schutz vor Hochwasser werden entlang der Gewässer vielfach Deiche, Flutmauern und Rückhaltebecken gebaut. Die individuelle Schadenvorsorge umfasst geeignete Maßnahmen an Gebäuden. Um dem Flutrisiko zu begegnen, ist eine Elementarschaden-Police ein ideales Instrument. Allerdings sollten Policen in erster Linie solche Schäden decken, die die Versicherten substanziell treffen oder gar ruinieren. Mit entscheidend für bezahlbare Versicherungslösungen ist auch ein konsequentes Vorgehen der öffentlichen Hand, etwa mit Bauverboten in Hochrisikogebieten.

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    Tobias Ellenrieder
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