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Weltwirtschaft an kritischem Punkt – Weitere Erholung bei hoher Inflation

9. Februar 2022

Die Weltwirtschaft wird sich 2022 voraussichtlich weiter von der schweren Rezession durch die Corona-Pandemie erholen. Die hohen Inflationsraten dürften allmählich wieder sinken, die Unsicherheit bleibt aber erhöht. 

Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Economic Outlook 2022 von Munich Re. Nachdem die Pandemie die schwerste Rezession seit Jahrzehnten ausgelöst hatte, erholte sich die Weltwirtschaft 2021 bemerkenswert schnell und stark: mit Wachstumsraten in Rekordhöhe, aber zugleich auch Lieferketten-Engpässen und hoher Inflation. Viele große Volkswirtschaften, darunter die USA, haben schon wieder die Wirtschaftsleistung erreicht, die sie vor der Krise hatten. 

Die wesentlichen Prognosen von Economic Research von Munich Re:

  • Die Weltwirtschaft (GDP) wird 2022 inflationsbereinigt voraussichtlich um 4,1 % wachsen, nach einem Wachstum von 5,6 % im Vorjahr, das besonders durch den Pandemie-bedingten Einbruch 2020 getrieben war.
  • Die hohen Inflationsraten in vielen Industriestaaten dürften im Jahresverlauf 2022 allmählich zurückgehen. Auf das Jahr gerechnet wird die Inflation aber voraussichtlich hoch bleiben, ähnlich wie 2021. Mittelfristig dürfte die Inflation jedoch klar oberhalb des - vor allem in der Eurozone sehr - niedrigen Niveaus der Vor-Corona-Zeit bleiben. Das Risiko einer in den kommenden Jahren höher als erwarteten Inflation ist außerdem bedeutsam.
  • Auf kurze Sicht das bedeutendste Risiko sind weitere Störungen in den globalen Lieferketten: So könnten beispielsweise infolge einer Omikron-Welle in China Engpässe in den Lieferketten länger anhalten als gedacht. Weiter andauernder Preisdruck mit negativen Effekten für die Konjunktur wären die Folge. In diesem Fall könnten die Wachstumsraten bis zu 2 %-Punkte geringer ausfallen als im Basis-Szenario erwartet. Zudem dürfte die Inflation dann vielfach im Jahresdurchschnitt um mindestens 1 %-Punkt höher bleiben als derzeit gedacht. Auch erneute stark steigende Energiepreise, etwa infolge des Russland-Ukraine-Konflikts, könnten entsprechend stärkeren Inflationsdruck auslösen.

Wo steht die Weltwirtschaft derzeit?

Wegen der starken Nachfrage, hoher Rohstoff- und Energiepreise und Lieferketten-bedingter Engpässe sprangen die Preise zuletzt so stark in die Höhe wie seit langem nicht. In den USA erreichte die Inflationsrate mit 7 Prozent im Dezember den höchsten Wert seit rund 40 Jahren. In der Eurozone lag die Inflationsrate mit 5,1 Prozent im Januar 2022 so hoch wie noch nie seit ihrem Start im Jahr 1999.

Auf Versicherer hat eine hohe Inflation durch steigende Schäden erhebliche Auswirkungen auf wichtige Teile des Geschäfts. Hinzu kommt, dass in vielen Ländern die Baukosten noch deutlich stärker gestiegen sind als in den Verbraucherpreisen sichtbar. Das verteuert die Wiederherstellungskosten im Schadenfall.

Das Basisszenario von Economic Research von Munich Re geht für 2022 von einer weiter kräftigen Erholung der Weltwirtschaft bei hoher, aber rückläufiger Inflation aus. Die Preissteigerungsrate wird im Jahresdurchschnitt aber deutlich über dem 2 %-Ziel vieler Zentralbanken bleiben. Auch bleibt der weitere Weg für die Wirtschaft holprig: Die derzeit grassierende Omikron-Variante und Lieferengpässe bremsen aktuell das Wachstum in vielen Ländern. Da dieser Gegenwind in den kommenden Monaten abnehmen dürfte, wird eine zunehmende Wachstumsdynamik erwartet.

Allerdings sind die Abwärtsrisiken hoch, insbesondere mit Blick auf die Pandemie und weltweite Lieferketten. Sie könnten letztlich sogar zu einer stagnationsartigen Entwicklung mit anhaltend hoher Inflation und niedrigem Wirtschaftswachstum führen. Zudem könnten geopolitische Spannungen Finanzmärkte belasten und Energie- sowie Rohstoffpreise negativ beeinflussen.

Diese hohe Unsicherheit kommt zu einer Zeit, in der sich grundlegende Faktoren ändern, die die Preisentwicklung beeinflussen. Die Zeiten sehr niedriger Inflationsraten dürften zu Ende gehen, die Renditen von Staatsanleihen sind bereits angestiegen. Die US-Notenbank Fed und die Bank of England haben bereits begonnen, ihre beispiellose monetäre Expansion auslaufen zu lassen und Leitzinserhöhungen angekündigt oder sogar eingeleitet. Für die EZB wird dies wegen des möglichen Einflusses höherer Zinsen auf hochverschuldete Länder in der Eurozone nicht einfach werden.

Michael Menhart, Chefvolkswirt von Munich Re, erläutert die Hintergründe (in englischer Sprache):

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Unsere Experten
Michael Menhart
Chefvolkswirt von Munich Re
Oliver Büsse
Oliver Büsse
Leiter Economic Research

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