© Kyle Benne / Getty Images

Hagel, Tornados, Sturzfluten

Risiken durch Schwergewitter nehmen zu

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    Schäden durch Schwergewitter sind seit Anfang der 2000er Jahre förmlich in die Höhe gesprungen. Oft bringen sie Hagel, starke Windböen, Tornados oder Starkniederschläge mit sich, Sturzfluten, Erdrutsche, zerstörte Dächer und Überschwemmungen sind die Folge. Die Schäden erreichen schnell Milliardenhöhe. Versicherer tun gut daran, das Risiko genau zu kennen: Denn in Industrieländern ist ein großer Teil der Gewitterschäden versichert, etwa bei Hagel.

    Die Zahlen sprechen für sich, denn selbst bereinigt um die Inflation ist der sprunghafte Anstieg der Schäden drastisch: In den zehn Jahren ab dem Jahr 2000 verursachten Schwergewitter im Schnitt weltweite Schäden von etwa 13 Mrd. US$. In den vergangenen 10 Jahren waren es im Durchschnitt dagegen inflationsbereinigt 56 Mrd. US$. 

    ~1.060 Mrd. US$

    Schäden durch Schwergewitter weltweit 1980-2025
    (inflationsbereinigt, davon >70% in den USA)

    Der allergrößte Anteil der Gewitterschäden entsteht in den USA. Dort sind schwere Gewitter neben Hurrikanen das wichtigste Unwetterrisiko für die Versicherungswirtschaft, und auch ein enormer Treiber der gesamtwirtschaftlichen Schäden. Ein Tornado oder ein gewaltiger Hagelsturm, der das Zentrum einer Großstadt trifft, kann einen extrem hohen Einzelverlust verursachen. Im Schnitt erreichten die Gesamtschäden zuletzt eine substanzielle zweistellige Milliardensumme pro Jahr.

    Alleine im Jahr 2025 verursachten Schwergewitter in den USA Schäden in Höhe von mehr als 50 Mrd. US$, wovon etwa drei Viertel versichert waren. Das bedeutet: Vermeintlich kleinere, regional begrenzte Ereignisse wie Gewitter verursachten zusammengefasst Schäden wie ein extrem zerstörerischer Hurrikan.

    Begünstigt werden Gewitter in den USA durch die Geografie: Östlich der Rocky Mountains können Kaltfronten entlang der so genannten „Tornado Alley“ ungehindert nach Süden ziehen, da keine Gebirgszüge als Barrieren wirken. Beim Zusammentreffen mit feuchtwarmer Luft sind häufige und schwere Gewitterausbrüche die Folge, sehr oft mit vielen Tornados und Hagel.

    Auch in Europa nehmen die Schäden durch schwere Gewitter tendenziell zu. 2023 erreichten die Schäden aus Schwergewittern in europäischen Ländern den Rekordwert von 16 Mrd. US$ (inflationsbereinigt), davon waren 12 Mrd. US$ versichert. Insbesondere Gewitterstürme im Alpenraum und am Mittelmeer trugen dazu bei. In Norditalien wurden bei einem schweren Gewitter bis zu 19 cm großen Hagelkörnern entdeckt, die Schäden waren enorm. Nach den Jahren mit immer weiter steigenden Gewitterschäden fielen die vergangenen beiden Jahre dann wieder weniger kostspielig aus.

    Sturzfluten, Erdrutsche und Überschwemmungen – Die Folgen von Schwergewittern

    Schwere Gewitter können praktisch überall auftreten. Und genau darin liegt die Herausforderung: Denn wo sie sich entladen, ist schwer und allenfalls kurzfristig vorhersagbar. Allerdings lassen sich Gebiete identifizieren, die eine besonders hohe Gewitter- und damit auch Schadenwahrscheinlichkeit aufweisen. In diesen Regionen liegen die Schadenpotenziale oft in Milliardenhöhe.

    Gebäude und Infrastruktur sind gerade bei schweren Hagelereignissen sehr schadenanfällig. Photovoltaikanlagen, Gebäudedämmung sowie Außenjalousien tragen zu den steigenden Schäden bei, weshalb Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden unbedingt nötig sind. Ein großer Anteil der Schäden entfällt auch häufig auf Fahrzeuge, die bei Hagel sehr schadenanfällig sind. Ab einer Hagelgröße von 8 cm besteht für Menschen Lebensgefahr.

    Starkniederschläge als Folge von schweren Gewittern können ebenfalls zu extremen Schäden führen. Wie schnell, wo und in welchem Ausmaß Starkniederschläge zu Sturzfluten und Überschwemmungen führen, hängt vom Einzugsgebiet ab. Faktoren wie steiles Gelände oder geringes Wasserspeichervermögen durch befestigte und bebaute Flächen erhöhen das Risiko von Sturzfluten nach starken Niederschlägen.

    Sind nach wiederholten Niederschlägen die Böden durchnässt, können an Hängen zudem Erdrutsche auftreten. Wenn mitgerissenes Treibgut Durchlässe verstopft, staut sich das Wasser vor dem Hindernis – gibt dieses dann nach, entsteht eine zerstörerische Flutwelle.

    Tornados – Schadentreiber in den USA

    Tornados sind die stärksten Stürme der Welt. Zwar sind sie sich lokal begrenzt, aber die Windsysteme mit den höchsten Windgeschwindigkeiten hinterlassen dann Schneisen der Zerstörung. Sie entstehen bei sehr starken Gewitterzellen.

    Am Rand eines Tornadorüssels kann die Windgeschwindigkeit bis an 500 km/h heranreichen. Die Breite des Rüssels liegt durchschnittlich bei rund 100 Metern, die mittlere Zuglänge bei einigen Kilometern. Allerdings wurden auch mehr als 1.000 m breite Tornados beobachtet, die bis zu 300 km über Land zogen. Weltweit entstehen diese Stürme vor allem in den klimatisch gemäßigten Regionen wie den USA, aber in geringerer Anzahl auch in Mitteleuropa, Teilen Südamerikas und Südasiens, Ost- und Südwest-Australien und im Süden Afrikas.

    Die Animation zeigt Strömungsprozesse in einem Tornado und in seinem Umfeld

    Tornados sind so gefährlich, weil sie sich binnen Minuten aufbauen und durch ihre extremen Windgeschwindigkeiten lokal zerstörerischer sein können als ein Hurrikan. Im Mittleren Westen der USA häufen sich solche Stürme entlang der berüchtigten Tornado Alley, die sich in etwa parallel zu den Rocky Mountains von South Dakota und Iowa im Norden bis nach Texas im Süden erstreckt.

      

    Schwere Gewitter und der Klimawandel

    Generell zeigt der Schadentrend bei Gewittern ohnehin wegen wachsender Werte und steigender Reparaturkosten nach oben. Aber da Gewitter tendenziell auch stärker werden,  erhöht sich das Schadenpotenzial zusätzlich.

    Laut Forschungsergebnissen gibt es in den USA zwar keine generelle Häufung von Tagen, an denen besonders schwere Gewitter mit Hagel und Tornados wahrscheinlich sind. Es gibt sowohl Regionen mit häufigeren Schwergewittern, als auch Gegenden mit einer sinkenden Frequenz. Allerdings zeigt sich ein Trend, dass bei Tornadoausbrüchen Serien mit sehr vielen Stürmen häufiger werden. Das Schadenrisiko steigt.

    Studien auf Basis von Klimamodellen kommen zu dem Schluss, dass der Anstieg der Feuchte in der Atmosphäre der Treiber ist. Auslöser dafür sind wiederum höhere Meerestemperaturen und eine stärkere Verdunstung – Effekte des Klimawandels. Ob der Klimawandel auch zu mehr oder stärkeren Hagelschlägen in den USA führt, wird in der Forschung noch diskutiert.

    Generell ist davon auszugehen, dass mit schwereren Gewittern auch die Wahrscheinlichkeit von großen Hagelkörnern zunimmt. Gleichzeitig führt die Erwärmung dazu, dass Hagel auf dem Weg zum Boden stärker schmilzt. Dadurch steigt die durchschnittliche Hagelkorngröße am Boden, denn vor allem die kleinen Körner verschwinden, während große Körner den Fall eher überstehen.

    Auffällig ist laut einer Studie unter Mitwirkung von Munich Re, dass sich in den USA der Schwerpunkt von schweren Hagelschlägen langsam nach Osten verlagert. Dort treffen die Gewiiter auf mehr und größere Ballungszentren. Das Risiko steigt also.

    Auch in Europa hat die Intensität von Gewittern in bestimmten Regionen in den vergangenen Jahren zugenommen. Hier sind vor allem Hagelschläge die Schadentreiber. Einer von Munich Re unterstützten weiteren Studie zufolge hat die Wahrscheinlichkeit von schweren Hagelstürmen in vielen Regionen in den vergangenen Jahrzehnten schon deutlich zugenommen – und der Trend zu mehr schweren Hagelschlägen wird anhalten.

    Selbst bei einem moderaten Klimaszenario dürften schwere Hagelstürme bis Ende des Jahrhunderts beinahe in ganz Europa um 30 bis 40% zunehmen. In Norditalien, den Balkanländern und entlang der französischen und spanischen Mittelmeerküste könnte die Zunahme noch deutlich stärker ausfallen. 

    (aktualisiert März 2026)

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