Dürren und Hitzewellen
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Dürren und Hitzewellen:
Gefährliche Folgen des Klimawandels

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    Der Klimawandel führt schon heute zu mehr und heftigeren Dürrekatastrophen und Hitzewellen in vielen Regionen der Welt. Und die Auswirkungen werden noch drastischer, je stärker die Erderwärmung wird.

    Quelle: Figure SPM.6 in IPCC, 2021: Summary for Policymakers. In: Climate Change 2021: The Physical Science Basis.

    Der Weltklimarat IPCC  betrachtete in seinem jüngsten Sachstandsbericht 2021 als ein Beispiel Dürren und Hitzewellen, die sich ohne Klimawandel rechnerisch einmal in zehn Jahren ereignen würden. Demnach waren landwirtschaftliche Dürren schon im damaligen, etwa 1°C wärmeren Klima beinahe doppelt so häufig als in der vorindustriellen Zeit (1850-1900). Stiege die Erderwärmung auf 2°C oder sogar 4°C, wäre der Effekt noch viel stärker.

    Noch größer ist der Effekt bei Extremtemperaturen: Hitzewellen, die es ohne Klimawandel einmal in zehn Jahren geben würde, waren zur Veröffentlichung des IPCC-Reports schon im Schnitt um den Faktor 2,8 häufiger – und im Schnitt um 1,2°C wärmer. Geht die Erderwärmung weiter, werden auch Hitzewellen noch um ein Mehrfaches wahrscheinlicher und heißer.

    In Nordamerika und weiten Teilen Europas gaben 2026 mehrere lange Hitzeperioden erneut einen Vorgeschmack: In Europa wurden vielerorts landesweite Hitzerekorde gebrochen – und das schon im Juni, eigentlich nicht der wärmste Monat des Jahres. Eine Studie stellte fest, dass die jüngste Hitzewelle in Europa vor 50 Jahren etwa 3,5°C kühler gewesen wäre. Europa gilt ohnehin als der Kontinent, der sich durch den Klimawandel am stärksten erwärmt – doppelt so stark wie der globale Durchschnitt.

    In den USA wurden bei einer Hitzewelle laut einer weiteren Analyse im Juni bei der Kombination aus Temperatur und Feuchtigkeit Werte erreicht, die ohne den Klimawandel praktisch unmöglich gewesen wären. Und gerade solche feuchte Hitze gilt als besonders belastend und gefährlich für Mensch und Tier.

    Die gravierendsten Folgen von Hitze und Dürre

    Hitzewellen gelten als die tödlichste aller Naturgefahren. Alleine in Deutschland starben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts im laufenden Jahr bis Anfang August beinahe 12.000 Menschen an den Folgen der Hitzewellen.

    Laut EU Umweltbehörde sind in Europa zwischen 1980 und 2023 Hitzewellen für 95% der Todesfälle aus Wetterkatastrophen verantwortlich. Die hitzebedingte Sterblichkeit sei in den letzten 20 Jahren um etwa 30% höher geworden. Die Weltgesundheitshörde (WHO) beziffert, dass bereits zwischen 2000 und 2016 die Anzahl der Menschen, die Hitzewellen ausgesetzt sind, um 125 Millionen gestiegen war.

    Hitzewellen sind häufig Auslöser von Dürren oder verstärken sie. Jedes Jahr sind nach Angaben der WHO weltweit etwa 55 Millionen Menschen von Dürren betroffen. Schwere Dürren können aber auch ohne Hitze entstehen, etwa nach einem Winter mit sehr wenig Niederschlag.

    Von zunehmenden Dürren betroffen sind nicht nur die subtropischen Regionen. Durch die globale Erwärmung treffen die Dürren auch Regionen der Welt, die früher nicht unbedingt für lange Trockenperioden bekannt waren.

    Hohe Schäden nach Perioden mit langer Trockenheit entstehen durch Ernteausfälle und Waldbrände. Wegen des höheren versicherten Anteils sind Waldbrände auch ein Risiko, das Versicherer genau im Auge behalten müssen, da Feuer begünstigende Bedingungen durch den Klimawandel offensichtlich häufiger werden.

    So legten im Januar 2025 verheerende Waldbrände große Teile einiger Vororte von Los Angeles in Schutt und Asche. Vorausgegangen waren ein nasser Winter mit viel Wachstum der Vegetation gefolgt von einem heißen Sommer und langer Trockenheit bis in die kühlen Monate hinein. Es war der kostspieligste Waldbrand aller Zeiten mit Gesamtschäden von 54 Mrd. US$ (inflationsbereinigt), davon waren 41 Mrd. US$ versichert.

    Auch in Europa kam es 2026 nach den langen Hitzewellen im Juni und Juli in Spanien und im Südwesten Frankreichs zu extremen Waldbränden. Zwischenzeitlich bestand die Sorge, dass die Brände auch die spanische Hauptstadt Madrid und die französische Metropole Bordeaux im Südwesten des Landes erreichen könnten. Hunderttausende Menschen wurden wegen der Brände evakuiert. Mit 500.000 Hektar verbrannte in Europa bis Anfang August zweieinhalb Mal so viel Fläche wie im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre.

    Beispiel Dürren: In Südamerika verursachten mehrere Dürrejahre von 2019 bis 2022 Milliardenschäden. Betroffen waren Argentinien, Paraguay, Uruguay und Brasilien. Allein in Brasilien wurden die Ernteausfälle 2022 auf eine Größenordnung von deutlich über 10 Mrd. US$ geschätzt.  

    Studien belegen, dass sehr hohe Temperaturen die Arbeitsproduktivität verringern. Eine Studie der OECD mit Unternehmensdaten aus 23 entwickelten Volkswirtschaften ergab, dass sich die jährliche Arbeitsproduktivität bei zehn zusätzlichen Tagen mit Temperaturen über 35°C im Schnitt um 0,3% verringert. Das entspricht etwa dem Effekt einer Energiepreissteigerung um 5%. Der Hitzestress nimmt bei höherer Luftfeuchtigkeit dabei noch zu.   

    Niedrige Wasserstände der Wasserinfrastruktur bringen unter Umständen den Verkehr und Gütertransporte zum Erliegen oder schränken ihn ein. Im Jahr 2018 dämpfte Trockenheit und Niedrigwasser das Wachstum der Industrieproduktion in Deutschland einer Studie zufolge im 3. Quartal des Jahres um 0,8%-Punkte und im 4. Quartal um 0,4%-Punkte.

    Am Panama-Kanal beschränkte die Betreibergesellschaft nach zu geringen Regenfällen ab Juni 2023 Zahl und Größe der passierenden Schiffe. Viele Schiffe mussten deshalb weite Umwege fahren, und das erhöhte die Kosten gewaltig.

    Im Juli und August 2026 fielen die Pegel an vielen europäischen Flüssen wegen der Hitzewellen und langen Dürren auf neue Tiefststände. Schäden und wirtschaftliche Folgen waren noch nicht absehbar.  

    Zusammengefasst: Hitzewellen und Dürren richten enorme ökologische, wirtschaftliche und soziale Schäden an. Ernten werden vernichtet, die Waldbrandgefahr steigt. Zu niedrige Wasserspiegel auf Flüssen bescheren dem Gütertransport und der Industrieproduktion Milliardeneinbußen. Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle ist erschreckend hoch und wird ohne weitere Anpassungsmaßnahmen immer weiter steigen.
    (veröffentlicht am 14. August 2026)

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    Andreas Lang
    Andreas Lang
    Klimawissenschaftler
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    Anja Rädler
    Meteorologin und Sturmexpertin