Aktionärsbrief

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    Christoph Jurecka
    Christoph Jurecka
    Vorsitzender des Vorstands Münchener Rück AG

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    der Jahresabschluss 2025 war in mehrfacher Hinsicht ein besonderer für Munich Re. Wir haben mit 6,1 Milliarden € ein neues Rekordergebnis erzielt. Unsere Fünfjahresstrategie Ambition 2025 ist erfolgreich umgesetzt. Und ich habe die Nachfolge von Joachim Wenning als Vorstandsvorsitzender unseres Konzerns angetreten.

    Ich empfinde es als großes Privileg, unsere Gruppe in die nächste Phase ihrer Entwicklung führen zu dürfen. Und ich kann Ihnen versichern: Aktionärsinteressen werden dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Was das konkret im Kontext unserer neuen Strategie Ambition 2030 bedeutet, erfahren Sie weiter unten.

    Lassen Sie mich zunächst auf das vergangene Geschäftsjahr und die Ambition 2025 zurückblicken. Mit dem Konzernergebnis von 6,1 Milliarden € haben wir unser Jahresziel zum fünften Mal in Folge übertroffen. Gegenüber 2020 – damals erwirtschafteten wir 1,2 Milliarden € – hat sich unser Gewinn verfünffacht.¹

    Im Einklang mit unserem wirtschaftlichen Erfolg haben wir die langjährigen und vertrauensvollen Beziehungen zu unseren Kunden weiter gestärkt. Das belegen stetig steigende Zufriedenheitswerte in Kundenbefragungen. Mir ist wichtig zu betonen: Wir sind in den vergangenen Jahren gemeinsam mit unseren Kunden gewachsen und erfolgreich gewesen.

    Steigende Gewinne ermöglichen höhere Ausschüttungen: Wir schlagen Ihnen deshalb bei der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende um 20 % auf 24 € vor. Zusätzlich haben wir einen Aktienrückkauf in Höhe von 2,25 Milliarden € beschlossen.

    Als Aktionäre profitieren Sie nicht nur von Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen, sondern auch von Kurssteigerungen. Der Kurs unserer Aktie ist 2025 – bereits auf hohem Niveau – nochmals um rund 16 % gestiegen. Im Verlauf der Ambition 2025, also von Beginn 2021 bis Ende 2025, hat sich ihr Wert mehr als verdoppelt. Unsere Aktie entwickelte sich damit signifikant besser als der deutsche Aktienindex und der europäische Versicherungssektor insgesamt.

    Dividende und Kursentwicklung spiegeln sich in der Aktionärsrendite wider. Sie bildet alle Ertragsbestandteile einer Aktie ab und ist insofern die wichtigste Kennzahl für die Wertsteigerung Ihres Investments. Im Zeitraum der Ambition 2025 betrug die Aktionärsrendite von Munich Re 180 %. Das ist auch im Wettbewerbervergleich ein hervorragender Wert.

    Die Aktionärsrendite ist ein Abbild unseres geschäftlichen Erfolgs. Wir haben alle Ziele, die wir uns vor fünf Jahren im Rahmen der Ambition 2025 gesetzt haben, erreicht oder übertroffen. Um es konkret zu machen:

    Unsere Eigenkapitalrendite erhöhte sich von 11,9² auf 18,3 %. Vorgenommen hatten wir uns 14 bis 16 %.

    Das Ergebnis bzw. die Dividende je Aktie wollten wir um durchschnittlich mindestens 5 % pro Jahr steigern. Das ist uns sogar in jedem einzelnen Jahr gelungen. Im Zeitraum der Ambition 2025 lagen die entsprechenden Werte bei 18,8 % bzw. 19,6 %. Für die Solvenzquote hatten wir einen Zielkorridor von 175 bis 220 % definiert. Tatsächlich lag sie Ende 2025 weit darüber bei 298 %.

    Auch unsere nichtfinanziellen Versprechen haben wir vollumfänglich eingelöst. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist konzernweit auf über 40 % gestiegen. Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Inklusion sind fest in unserer Organisation verankert. Die Dekarbonisierung unseres Investmentportfolios und (Rück-)Versicherungsgeschäfts ist weit über Plan vorangeschritten. Wir haben damit unseren initialen Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele geleistet – und werden dies auch in den kommenden Jahren tun. Im vorliegenden Geschäftsbericht sind unsere Fortschritte im Detail aufgeschlüsselt.

    All das ist uns gelungen trotz der anfänglichen Belastungen aus der Corona - Pandemie und dem Niedrigzinsumfeld, dem Krieg in der Ukraine und den damit einhergehenden Kapitalmarktturbulenzen, Inflationssprüngen und Konjunkturschwankungen, versicherten Schäden aus Naturkatastrophen von jährlich mehr als 100 Milliarden US$ – die Liste ließe sich fortsetzen. In einer Zeit, die von vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Krisen geprägt war, hat sich unser Geschäftsmodell als widerstandsfähig, wachstumsstark und profitabel erwiesen. Geschäftschancen durch eine Verhärtung des Marktumfelds in der Rückversicherung haben wir dabei konsequenter genutzt als andere.

    Ein wesentlicher Grund für unseren Erfolg liegt in der Diversifikation, also der breiten Aufstellung unseres Geschäfts. Unsere Ertragskraft ist heute in weit geringerem Maße abhängig von der zyklischen Schaden-/Unfallrückversicherung als früher. Wir haben die weniger volatilen Geschäftsbereiche – die Lebensrück-, Spezial- und Erstversicherung – ausgebaut und als tragende, ertragsstarke Säulen unserer Gruppe etabliert. Diese strategische Ausrichtung hat sich ausgezahlt – und wird sich auch weiterhin bezahlt machen. Ich komme weiter unten darauf zurück.

    Lassen Sie mich zunächst noch etwas detaillierter auf die operative Entwicklung unserer einzelnen Geschäftsfelder im vergangenen Jahr eingehen.

    ERGO hat 2025 sowohl das Ergebnis als auch den Versicherungsumsatz gesteigert. Das Ergebnis lag bei rund 920 Millionen € und damit um etwa 100 Millionen € höher als im Vorjahr. Das Jahresziel hat ERGO klar erfüllt.

    Der Versicherungsumsatz stieg besonders deutlich im internationalen Geschäft. Dazu trugen zum einen maßgeblich das Schaden-/Unfallgeschäft in Polen, Österreich und Thailand sowie das Gesundheitsgeschäft in Belgien bei. Zum anderen flossen zwei internationale Gesellschaften erstmals vollständig in die Zahlen ein: der norwegische Gesundheitsversicherer ERGO Forsikring AS, dessen alleinige Eigentümerin ERGO seit 2024 ist³, und der US-amerikanische Digitalversicherer Next Insurance Inc.⁴, dessen vollständige Übernahme Munich Re im Jahr 2025 erfolgreich abgeschlossen hat. Dank dieser Übernahme ist ERGO nun im US-Markt präsent und hat sich dort im attraktiven Kundensegment der kleinen und mittelgroßen Unternehmen positioniert. Auch diese Entwicklungen schaffen beste Voraussetzungen für ein weiteres profitables Wachstum in den kommenden Jahren.

    In Deutschland entwickelte sich der Versicherungsumsatz ebenfalls positiv. Vor allem trugen dazu die Lebens- und die Reiseversicherung sowie das Gesundheitsgeschäft bei. Im Schaden-/Unfallgeschäft lag der Versicherungsumsatz leicht über dem Niveau des Vorjahres, dank Zuwächsen in der Feuer- und Sachversicherung sowie in der Kraftfahrtversicherung.

    Die Profitabilität im Geschäftsfeld Rückversicherung ist weiterhin ausgezeichnet. 2025 erhöhte sich das Ergebnis auf 5,2 Milliarden € bei einem leicht rückläufigen Versicherungsumsatz von 38,7 Milliarden €. Das unterstreicht die hohe Qualität unseres Portfolios in Kombination mit unserer Disziplin bei der Zeichnung von Geschäft.

    Für das Geschäftsjahr 2025 weisen wir erstmals unser Spezialversicherungsgeschäft Global Specialty Insurance bzw. kurz GSI als eigenes Segment innerhalb des Geschäftsfelds Rückversicherung aus. Dieser Schritt untermauert die gewachsene – und weiter zunehmende – Bedeutung dieses Geschäftszweigs für unsere Gruppe. Die Wachstumsdynamik von GSI bleibt ungebrochen, auch wenn der Versicherungsumsatz aufgrund ungünstiger Währungsentwicklungen 2025 etwas niedriger ausfiel als im Vorjahr. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 86 % erwies sich das Segment im vergangenen Jahr als noch profitabler als ursprünglich erwartet.

    Dasselbe gilt für das Segment Rückversicherung Schaden/Unfall. Auf Jahressicht lag die Schaden-Kosten-Quote hier bei hervorragenden 74 % und damit um ganze fünf Prozentpunkte besser als initial geplant. Grund war – wie auch bei GSI – vor allem die niedrige Großschadenbelastung: Zwar sorgten Waldbrände, Hochwasser und Schwergewitter wieder für versicherte Schäden jenseits der 100 Milliarden US$. Das US-Festland blieb aber von schweren Hurrikanen verschont – und damit die (Rück-)Versicherer von der Materialisierung des absoluten Spitzenrisikos. Der Versicherungsumsatz verringerte sich gegenüber dem Vorjahr. Das ist Ausdruck unserer konsequenten Priorisierung von Profitabilität über Wachstum in einem Marktumfeld, in dem der Wettbewerb intensiver wird.

    Das Segment Rückversicherung Leben/Gesundheit entwickelte sich 2025 planmäßig und damit sehr erfreulich weiter. Das versicherungstechnische Gesamtergebnis von 1,7 Milliarden € entsprach genau unserer ambitionierten Prognose. Insbesondere Großtransaktionen von Lebensbeständen in Nordamerika sowie das Langlebigkeitsgeschäft in Großbritannien sorgten für Wachstum. Die vertragliche Servicemarge, die die künftig zu erwartenden Gewinne widerspiegelt, stieg trotz gegenläufiger Währungseffekte weiter an. Das zeigt, wie stark unser Neugeschäft und damit die Perspektiven in diesem Segment sind.

    Bei unseren Investitionen profitierten wir auch 2025 davon, dass die Wiederanlagerendite bei festverzinslichen Wertpapieren über der laufenden Rendite lag. Sprich: Unsere künftigen Kapitalerträge steigen, ohne dass wir hierfür zusätzliches Risiko eingehen müssen. Diesen Effekt haben wir gezielt beschleunigt, indem wir festverzinsliche Anlagen vor Endfälligkeit veräußert und zu höheren Kupons reinvestiert haben. Zudem haben wir den Renditebeitrag aktiver Investmentmaßnahmen erhöht, etwa durch den Ausbau alternativer Anlagen. Unterm Strich erzielten wir 2025 eine Kapitalanlagerendite von 3,2 %.

    Zusammenfassend: Wir blicken nicht nur auf ein, sondern auf fünf äußerst erfolgreiche Jahre zurück. Das verschafft uns eine exzellente Ausgangslage für die nächsten fünf Jahre. Unser neues Strategieprogramm Ambition 2030 starten wir aus einer Position der Stärke. Mit unseren neuen Zielen legen wir die Messlatte gleichzeitig sehr hoch.

    Was haben wir uns vorgenommen? Wir streben eine der höchsten Eigenkapitalrenditen im Markt an – über 18 % bis 2030. Wir wollen den Gewinn je Aktie um durchschnittlich mehr als 8 % pro Jahr steigern. Die Solvenzquote soll oberhalb von 200 % verbleiben. Und aus Aktionärssicht besonders relevant: Wir geben erstmals ein konkretes Versprechen zur Kapitalrückgabe. Unser Ziel ist eine Erhöhung der Gesamtausschüttungsquote⁵ von 75 % im Durchschnitt der letzten fünf Jahre auf jeweils über 80 % pro Jahr.

    Daneben führen wir bereits bestehende Klimaziele fort bzw. neue ein. Im Bereich Kapitalanlage ziehen wir beispielsweise den ursprünglich bis 2040 geplanten Ausstieg aus thermischer Kohle auf 2030 vor. Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Inklusion in unserer Organisation entwickeln wir mit Fokus auf lokale Anforderungen und Gegebenheiten gezielt weiter.

    Wie wollen wir unsere Ziele erreichen? Die Antwort liegt im Geschäftsmix von Munich Re. Munich Re ist heute schon mehr als der Schaden-/Unfallrückversicherer, als der wir von vielen noch primär wahrgenommen werden. In den kommenden Jahren werden wir uns noch deutlich stärker in Richtung einer diversifizierten Versicherungsgruppe entwickeln, die Rück-, Spezialund Erstversicherung im großen Maßstab vereint – das ist der Kern unserer Strategie. In Summe machen wir uns damit von Marktschwankungen noch etwas unabhängiger, als das bisher schon der Fall war.

    Was heißt das konkret? Im Zuge der Ambition 2030 werden wir den Ergebnisanteil der Rückversicherung Leben/Gesundheit, von GSI und ERGO von derzeit rund 50 % um etwa zehn Prozentpunkte auf rund 60 % im Jahr 2030 erhöhen. Die Rückversicherung Schaden/Unfall bleibt ein starkes Rückgrat unserer Gruppe.

    Dem zugrunde liegen ehrgeizige Wachstumspläne: In der Rückversicherung Leben/Gesundheit werden wir künftig auch Kunden in Nordamerika und Japan gegen Langlebigkeitsrisiken absichern und mehr Großtransaktionen von Lebensbeständen in Kooperation mit Assetmanagern durchführen. Im Bereich der Spezialversicherungen werden wir neue Produkte einführen und unser Angebot auch für Kunden in Asien und Kontinentaleuropa verfügbar machen. Bei ERGO ist eine wichtige Wachstumsinitiative die Integration und Skalierung von ERGO Next im vielversprechenden Wachstumsmarkt der Kleinunternehmen.

    Auf diese Weise erhöhen wir beides: die absolute Größe und die relative Stabilität unseres Konzernergebnisses.

    Dies funktioniert jedoch nur, wenn wir unsere durchgängig starke operative Leistung in allen Geschäftssegmenten aufrechterhalten. Sie ist das Fundament unseres Erfolgs. Im Kontext der Ambition 2030 heißt das: Erstens, profitable Wachstumschancen nutzen. Zweitens, Prozess- und damit Kosteneffizienz unter anderem durch den konsequenten Einsatz von künstlicher Intelligenz weiter verbessern. Und drittens, das Kapitalanlageergebnis stärken, indem wir das Anlagerisiko etwa durch den weiteren Ausbau alternativer Anlagen schrittweise erhöhen.

    Übersetzt in Zielwerte für das laufende Geschäftsjahr bedeutet dies ein Konzernergebnis von 6,3 Milliarden € bei einem Versicherungsumsatz von rund 64 Milliarden €. Des Weiteren wollen wir gruppenweit Kosteneinsparungen von 200 Millionen € realisieren und die Kapitalanlagerendite auf über 3,5 % steigern.

    Sie sehen: Munich Re bleibt auch in Zukunft ein äußerst attraktives Investment. Als CEO werde ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand und den 44.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der gesamten Gruppe alles daran setzen, dass unser Unternehmen weiter da spielt, wo es hingehört: an der Weltspitze!

    Die Ambition 2030 gibt die Richtung vor – 2026 gehen wir den nächsten Schritt. Ich danke Ihnen, dass Sie uns auf diesem Weg begleiten.

    Ihr
    Christoph Jurecka

    ¹ Ergebniswerte nach den im jeweiligen Jahr geltenden Rechnungslegungsstandards.
    ² 2020, normalisierter Wert.
    ³ Im Jahr 2025 wurde die norwegische ERGO Forsikring AS mit der dänischen Reiseversicherungsgesellschaft Europæiske Rejseforsikring A/S zu einem Unternehmen mit dem Namen ERGO Forsikring A/S zusammengeführt.
    ⁴ Das Unternehmen tritt seit Januar 2026 unter dem Namen „ERGO Next“ am Markt auf.
    ⁵ Die Gesamtausschüttungsquote wird definiert als die Summe aus angekündigter Dividendenausschüttung und Aktienrückkauf, geteilt durch das IFRS-Konzernergebnis.