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Versicherungsmärkte

Aus Schäden lernen, Schäden zu begrenzen

Die Folgen von Hurrikan Katrina bleiben auch nach zehn Jahren für die Versicherungswirtschaft einer der teuersten Schadenkomplexe aller Zeiten. Der Rückblick auf ein Ereignis dieser Dimension wirft immer auch die Frage auf, was sich daraus für künftige ähnliche Szenarien lernen lässt: Welche Maßnahmen zur Schadenbegrenzung haben sich bewährt? Welche Rolle kommt dabei der Versicherungswirtschaft zu?

22.06.2015

Im Nachgang zu Katrina wurde vor allem versucht, durch verbesserte Bauvorschriften in den am stärksten von Überschwemmungen gefährdeten US-Staaten Vorsorge für ähnliche Schadenereignisse zu treffen. Dabei zeigt sich zum einen die Bedeutung eines engen Zusammenspiels von staatlicher und privater Vorsorge.

Zum anderen werden aber auch die Schwierigkeiten deutlich, die sich aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher Zuständigkeiten ergeben können. Hinzu kommt, dass nicht selten fehlende Ausweichmöglichkeiten und beschränkte finanzielle Ressourcen der Beteiligten die konsequente Umsetzung regulatorischer Vorgaben maßgeblich beeinträchtigen.
Es zeigt sich immer wieder, wie wichtig eine enge Kooperation aller beteiligten staatlichen und privaten Akteure ist, damit der Schaden insgesamt begrenzt wird und nicht lediglich eine Umverteilung der Schadenlast erfolgt. Der Beitrag der Versicherungswirtschaft zu dieser Entwicklung geht dabei weit über die finanzielle Risikoverlagerung hinaus.
Tobias Büttner
Head of Corporate Claims bei Munich Re
Insgesamt hat sich bei Hurrikanen in den vergangenen Jahren in den USA aber gezeigt, wie sehr ein erhöhtes Risikobewusstsein aller Beteiligten dazu beitragen kann, Schäden zu begrenzen. So dürften etwa die frühzeitigen Warnungen und umfassenden Evakuierungsmaßnahmen bei Hurrikan Sandy 2012 das Schadenausmaß spürbar gesenkt haben. Ein weiteres Beispiel für den Erfolg frühzeitiger und konsequenter Vorsorgemaßnahmen liefern die Zyklone Odisha und Hudhud in Indien: Odisha forderte 1999 noch 10.000 Menschenleben. Im Vorfeld von Hudhud wurde 2014 die Gefahrenzone schnell und großflächig evakuiert. Obwohl beide Zyklone sehr ähnlich verliefen, waren daher nach Hudhud lediglich 84 Todesopfer zu beklagen.

Wie effektiv und daher sinnvoll Schadenprävention ist, lässt sich auch in Europa aufzeigen. Zwar belief sich sowohl nach der Elbeflut von 2002 als auch beim Hochwasser in Deutschland 2013 der versicherte Schaden auf jeweils rund zwei Milliarden Euro. Dies beruht jedoch darauf, dass Versicherungsdichte und Wertekonzentration in der betroffenen Region zwischenzeitlich zugenommen hatten. Der wirtschaftliche Gesamtschaden hingegen halbierte sich annähernd von mehr als 11,5 Milliarden auf knapp sechs Milliarden Euro. Das ist zum Teil dem Ausbau und der besseren Instandhaltung der Deiche zu verdanken. Daneben spielten aber auch präventive Maßnahmen der Hauseigentümer und Unternehmen eine zentrale Rolle. So wirkten sich zum Beispiel die Verlagerung von Heizungsanlagen in höhere Stockwerke oder die bessere Abdichtung von Gebäuden schadenmindernd aus.

Allerdings zeigte sich auch hier, wie wichtig eine enge Kooperation aller beteiligten staatlichen und privaten Akteure ist, damit der Schaden insgesamt begrenzt wird und nicht lediglich eine Umverteilung der Schadenlast erfolgt. Der Beitrag der Versicherungswirtschaft zu dieser Entwicklung geht dabei weit über die finanzielle Risikoverlagerung hinaus. Sie stärkt durch frühzeitige Aufklärung über Risiken das Bewusstsein für mögliche Gefahren und zeigt Optionen zur Prävention auf. Darüber hinaus lassen sich durch die Prämiengestaltung Anreize zur Schadenverhütung oder zumindest zur Schadenbegrenzung schaffen.

Munich Re Experten
Dr. Tobias Büttner
Head of Claims bei Munich Re
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