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Resilienz

Prävention statt Kopf in den Sand

Klimaversicherungen sind kostengünstig und leicht umsetzbar. Torsten Jeworrek fordert, sich auf die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels einzustellen.

28.09.2015

Die UN-Konferenz im Dezember in Paris wird als entscheidender Termin angesehen, um mit einem Klimaabkommen die globale Erwärmung zu bremsen, aber auch, um den verwundbarsten Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Es geht um riskante Veränderungen, die wir nicht negieren können: steigende Meeresspiegel, mehr und intensivere Wetterkatastrophen – die Trends sind dazu recht eindeutig, auch wenn die Folgen regional sehr unterschiedlich sein können.


Die größten monetären Schäden sind weiterhin in der westlichen Welt zu erwarten – allerdings nur in absoluten Größen. Die Entwicklungsländer haben nicht nur mit den gravierendsten humanitären Folgen zu kämpfen, dort sind auch die ökonomischen Schäden im Verhältnis zur Wirtschaftskraft am höchsten. Anpassung ist daher dort ein essenzieller Baustein für eine verbesserte ökonomische Entwicklung.

Versicherungsschutz für Entwicklungs- und Schwellenländer

Um diese Anpassung zu finanzieren haben die G7-Länder ausdrücklich auf die Rolle der so genannten Klimaversicherung hingewiesen, auch wenn es richtiger wäre von Klimafolgenversicherung zu sprechen. Die G7-Länder haben sich das Ziel gesetzt, dass 400 Millionen Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern bis 2020 zusätzlich Versicherungsschutz gegen Wetterkatastrophen erhalten sollen. Auf der Makroebene mit Versicherungen für ganze Staaten, wie mit der African Risk Capacity, sowie mit Versicherungen für Einzelpersonen, die Mikroebene.

Zu Auszahlungen kommt es bei klar definierten Wetterereignissen, die über objektive Parameter erfasst werden. Je nach Absicherungsbedarf der Vertragspartner kann das Dürre, Sturm oder Starkregen sein. Dieser Mechanismus macht die Programme administrativ relativ einfach, also kostengünstig und leicht umsetzbar. Für Mikro- und Makroversicherungen bestehen bereits in mehreren Ländern Programme, die zeigen, wie es gehen kann. Die G7 haben in ihrem Abschlussdokument hingewiesen, dass darauf aufgebaut werden soll.

Da Makroversicherungen mit Staaten oder dafür gegründeten Zweckgesellschaften abgeschlossen werden, kann relativ schnell eine große Zahl an Betroffenen abgesichert werden. Zudem bestehen bei einer geeigneten Konstruktion Anreize, um mit Prävention Schäden zu vermeiden, beispielsweise durch Frühwarnsysteme oder den Wissenstransfer der Versicherer zu risikomindernden Bauweisen oder Landnutzungen. Die Empfängerländer werden nur in den Pool aufgenommen, wenn ausreichend verlässliche Regierungs- und Verwaltungsstrukturen vorliegen. Mit diesen Versicherungslösungen werden ökonomische Schocks durch Naturkatastrophen abgefedert und damit wirtschaftliches Wachstum stabilisiert.

Versicherungswirtschaft stellt Knowhow zur Verfügung

Für den Aufbau nachhaltiger – also dauerhaft stabil finanzierter – Klimaversicherungslösungen wird es wesentlich sein, dass Hilfsgelder nicht einfach nur in einen Fonds fließen, der über die Zeit erschöpft wird. Ziel muss es sein, die Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen langfristig zu verbessern. Die G7-Staaten können den Anschub finanziell unterstützen: den Aufbau von Wetterdatenbanken, die Entwicklung von Risikoanalysetools und den Aufbau von Wissen vor Ort. Es liegt dann an den betroffenen Ländern selbst den nächsten Schritt zu gehen und in ihren Haushalten Elemente für eine dauerhafte Risikofinanzierung zu implementieren.

Für die Umsetzung von Klimaversicherungslösungen stellt die Versicherungswirtschaft Know-How, Risikomodelle und „Best Practice“-Erfahrung aus anderen Ländern bereit. Damit der Mechanismus dauerhaft und stabil funktioniert, müssen dem Risiko angemessene Prämien berechnet werden. Nur dann erhalten Risiken ein realistisches Preisschild und die jeweilige Bedeutung und der notwendige Umgang damit werden deutlich. Aufgabe der G7-Ländern ist es zu konkretisieren, wo welche Konzepte eingesetzt werden sollen und wie die Aufgabenverteilung mit der Finanzwirtschaft aussehen soll – und zwar jetzt.

Wir müssen uns auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten

Das könnte auch die Beratungen auf der Weltklimakonferenz in Paris im Dezember erleichtern. Die Erwartung, dort ein Abkommen zur Emissionsreduzierung zu beschließen, mit dem die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzt wird, ist sehr ambitioniert. Ob diese Hoffnung gerechtfertigt ist, muss sich zeigen. Genauso wichtig ist es aber, sich stärker auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten, denn schon heute ist klar, dass sie nicht mehr zu vermeiden sind. Keine Region der Erde kann es sich leisten, diese Risiken zu ignorieren. Es wäre auch nicht verantwortlich. Der Beitrag wurde am 28.9.2015 als Gastkommentar im Handelsblatt (www.handelsblatt.com) veröffentlicht.

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