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Naturkatastrophen

Golden State in Flammen

Im Lauf der Dürreperiode der vergangenen Jahre hat sich die Gefahr von Wald- und Buschbränden in Kalifornien extrem erhöht. Zwei Feuer führten 2015 zu den schlimmsten Bränden im Norden des Staates.

02.03.2016

Schon in den vergangenen Jahren war die Gefahr von Wald- und Buschbränden in Kalifornien deutlich erhöht. Doch trotz einzelner Großfeuer blieben die Schäden gering, weil die Brände in kaum bewohnten Gebieten auftraten. Nach einem weiteren Winter ohne nennenswerte Niederschläge verschlimmerte sich die Trockenheit im ersten Halbjahr 2015 von Tag zu Tag. In Los Angeles fielen nur rund 100 Millimeter Niederschlag, 170 Millimeter weniger als üblich. Auch weiter nördlich, in Fresno und Sacramento, die beide im intensiv landwirtschaftlich genutzten Central Valley liegen, fehlten im langjährigen Vergleich 170 bzw. 120 Millimeter Niederschlag. Nach vier Jahren mit ähnlichen Defiziten deuten Dürreintensitätsindizes darauf hin, dass Kalifornien die schlimmste Trockenperiode seit den 1840er-Jahren erlebte. Besonders offensichtlich ist das in der Sierra Nevada, deren schneebedeckte Berge in den trockenen Sommermonaten normalerweise den Großteil der Wasserversorgung Kaliforniens sicherstellen. Der Minimumrekord von 25 Prozent der normalen Schneemenge aus dem Jahr 2014 wurde 2015 mit einem Wert von fünf Prozent noch einmal drastisch unterboten. Der Mangel an Schnee in Verbindung mit dem wenigen noch verfügbaren Grund- und Oberflächenwasser hat erstmals in der Geschichte des Bundesstaates zu landesweiten Beschränkungen des Wasserverbrauchs geführt.

Trockenheit erhöht Feuergefahr

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit haben sich Bäume, Buschwerk und Gras in eine leicht entflammbare Zundermischung verwandelt. Damit große Waldbrände entstehen können, ist normalerweise neben Dürre als zweite meteorologische Voraussetzung starker Wind nötig. Hier kommen die Santa-Ana-Winde ins Spiel, die vor allem in Süd-, aber auch in Nordkalifornien auftreten. Sie entstehen bei Hochdruck über den westlichen Wüstengebieten der USA und werden – während sie die Berghänge hinabströmen – ständig trockener, wärmer und schneller. Sie können mehr als 140 km/h erreichen. Bei den beiden heftigen Busch- und Waldbränden im September 2015, dem Valley- und dem Butte-Feuer, spielten Santa-Ana-Winde allerdings keine Rolle. Vielmehr wurden die Flammen von den eigenen Winden angefacht: Die aufgeheizte Umgebungsluft dehnt sich aus und steigt in die Höhe, sodass sauerstoffreiche Luft am Boden in Richtung Brandherd strömt. Aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit und des reichlich vorhandenen brennbaren Materials wächst das Feuer schnell und verstärkt den Prozess. Im Extremfall entsteht orkanartiger Wind, ein Feuersturm. Er wird begünstigt durch die Beschaffenheit des Geländes. So breiten sich Flammen rasch hangaufwärts aus, und hügeliges Gelände kann Luftströmungen beschleunigen.

Großfeuer in Nordkalifornien

Das Valley-Feuer entstand am 12. September im Lake County, nördlich und unweit des Weinbaugebiets Napa Valley, und geriet schnell außer Kontrolle. Nach sechs Stunden hatte es bereits 40 Quadratkilometer, am folgenden Tag sogar 200 Quadratkilometer erfasst. Mehr als 10.000 Bewohner des Countys wurden aufgefordert, angesichts des rasend schnell um sich greifenden Feuers ihre Häuser zu verlassen. Die Flammen zerstörten einige kleinere Ortschaften fast vollständig. Als der Brand am 6. Oktober unter Kontrolle war, lagen über 1.900 Gebäude in Schutt und Asche, darunter 1.300 Wohnhäuser und 70 Geschäfte. Nur zwei Feuer in der Geschichte Kaliforniens hatten mehr Bausubstanz vernichtet. Das Butte-Feuer im Hügelvorland der Sierra Nevada östlich von Sacramento begann bereits drei Tage früher, am 9. September. Es breitete sich ebenfalls sehr schnell aus, umfasste nach wenigen Stunden 60 Quadratkilometer und tags darauf mehr als die doppelte Fläche (130 Quadratkilometer). Das Gelände erschwerte die Löscharbeiten, die Bezirkshauptstadt San Andreas musste vorübergehend geräumt werden. Obwohl die Stadt letztlich unbeschadet davonkam, fielen dem Butte-Feuer 475 Wohngebäude und 343 sonstige Gebäude zum Opfer.
Lesen Sie in den Topics Geo der Munich Re mehr zu Waldbränden in Kalifornien, den Risiken & Schäden. Golden State in Flammen: jetzt informieren.
Beide Feuer zusammen richteten Gesamtschäden von geschätzt 1,8 Milliarden US-Dollar an, wovon 1,2 Milliarden versichert waren. 80 Prozent der Schäden entstanden beim Valley-Feuer. Es war damit Kaliforniens teuerstes seit dem Witch-Feuer in San Diego 2007 (versicherter Schaden von 1,5 Milliarden US-Dollar in Werten von 2015) und in Nordkalifornien seit dem Feuersturm 1991 von Oakland Hills (drei Milliarden US-Dollar versicherter Schaden). Wie bei den meisten Großbränden dieser Art entfiel das Gros der Schäden auf ausgebrannte Wohngebäude und Autos. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind Unternehmen eher selten betroffen, da sie meist in urbanisierten Gegenden angesiedelt sind. Zu den Ausnahmen gehören kleine Einzelhandelsgeschäfte oder Fachmärkte, die parallel zur Ausbreitung von Siedlungsgebieten entstehen, sowie Ferienresorts und Freizeitanlagen in Waldgebieten. Schadenträchtige Waldbrände kommen in Nordkalifornien weniger häufig vor als im Süden des Bundesstaates. Zum einen regnet es im Norden, insbesondere auch im dicht besiedelten Gebiet um die Bucht von San Francisco, normalerweise mehr als in Los Angeles oder San Diego. Zum anderen treten dort auch die Santa-Ana-Winde seltener auf. Außerdem können sich die Siedlungsgebiete in der bergigen Landschaft um die Bay Area nicht so ausbreiten wie im flacheren Süden, wo sie sich immer weiter in ehemals unbewohnte Regionen vorschieben. Das führt zu einer höheren Wertekonzentration im Grenzbereich zwischen bebauten Gebieten und der Natur. Manche Gebiete sind kaum erreichbar oder gar zu schützen. Manchmal müssen die Feuerwehrleute ein Objekt aufgeben, um sich stattdessen darauf zu konzentrieren, die Flammen an der weiteren Ausbreitung zu hindern. Deshalb gibt es beim Schadenbild eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Ein Gebäude übersteht das Feuer mit minimalen Schäden oder es brennt völlig nieder. Aber selbst in einem vom Feuer betroffenen Gebiet werden nicht immer alle Gebäude zerstört. Manche überstehen es und tragen nur Rauch- und Rußschäden davon.

Dürre Aussichten für Kalifornien

Ein ausgeprägtes El-Niño-Ereignis hat Kalifornien im Winter 2015/16 überdurchschnittliche Niederschläge beschert und kurzfristig für eine gewisse Entspannung gesorgt. Allerdings destabilisiert intensiver Niederschlag vor Kurzem abgebrannte Hänge und erhöht dadurch die Gefahr von Erdrutschen und Schlammlawinen. In Zukunft dürften die versicherten Schäden durch Großfeuer im Westen der USA an Häufigkeit und Schwere zunehmen. Das ist in erster Linie eine Folge des anhaltenden Siedlungsdrucks in bislang unbewohnten Gegenden bei gleichzeitig steigenden Vermögenswerten. Daneben begrenzen die meist nicht ausreichenden staatlichen Mittel zur Feuerbekämpfung die Möglichkeiten, Eigentum adäquat zu schützen. Auch veränderte Umwelteinflüsse erhöhen die Waldbrandgefahr. Die im Zuge des Klimawandels steigenden Temperaturen verlängern die Waldbrandsaison, da der Schnee früher schmilzt. Auch sinken der Grundwasserspiegel und die Bodenfeuchte, was zu trockeneren Pflanzen und mehr brennbarem Material führt. Hitze und Dürre setzen zudem die Bäume unter stärkeren Stress, der sie anfälliger für Krankheiten und Insektenbefall macht. So sind beispielsweise dem Kiefernborkenkäfer schon mehr als 12,5 Millionen Bäume in Kalifornien zum Opfer gefallen. Mit dem zunehmend trockeneren Klima wird man sich in Kalifornien auf mehr Waldbrände einstellen müssen.
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