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The 2018 hurricane season: people need to be prepared
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Stürme

Die Hurrikansaison 2018 – Bewohner nahe der Küsten müssen sich vorbereiten

Die anstehende Hurrikansaison im Nordatlantik wird nach bisher vorliegenden Prognosen verschiedener Institute ähnlich viele Hurrikane hervorbringen wie im langfristigen Durchschnitt (6,3). Die Zahl der Stürme könnte damit also niedriger sein als im ungewöhnlich aktiven Vorjahr. Allerdings: Wer nach den heftigen Stürmen von 2017 eine Entspannung erwartet, sollte gewarnt sein. Denn auch ein einziger schwerer Wirbelsturm kann extreme Schäden verursachen, wenn er einen Ballungsraum mit voller Wucht trifft.

30.05.2018
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Die Vorhersagen der Forschungsinstitute für 2018 reichen von 12 tropischen Stürmen mit 6 Hurrikanen bis hin zu 14 tropischen Stürmen mit 7 Hurrikanen. Die Unsicherheit bei den Schätzungen ist aber hoch. Die US-Wetterbehörde NOAA geht in ihrer offiziellen Vorhersage von einer Spanne zwischen 5 und 9 Hurrikanen aus. Munich Re rechnet ebenfalls damit, dass die Hurrikanaktivität innerhalb dieser Spanne liegen dürfte.

Verschiedene klimatische Rahmenbedingungen beeinflussen Hurrikan-Aktivität

Die Vorhersage einer Saison von tropischen Wirbelstürmen im Nordatlantik ist eine Herausforderung. Prognosen im Frühsommer sind sehr unsicher wegen der noch nicht klar abschätzbaren klimatischen Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel die El Niño/La Niña-Phasen oder die Vorhersage der Meeresoberflächentemperatur. Beides beeinflusst die Sturmaktivität erheblich. Noch schwerer ist die Vorhersage, wie viele Stürme auf Land treffen könnten – ganz zu schweigen davon, wo genau.
 
Wie schwierig vor allem frühe Prognosen sind, hat 2017 gezeigt. Experten waren damals von einer leicht unterdurchschnittlichen Hurrikansaison ausgegangen, da für den späteren Jahresverlauf leichte El Niño-Bedingungen erwartet wurden. Diese sind oft geprägt von verstärkten Scherwinden, das heißt unterschiedlichen Windrichtungen und Geschwindigkeiten in der Höhe und nah an der Meeresoberfläche im Golf von Mexiko und der Karibik. Diese stark ausgeprägte so genannte vertikale Windscherung hemmt die Entwicklung von Wirbelstürmen, weshalb die ersten Prognosen von einer etwas schwächeren Sturmsaison ausgingen. Doch dann änderten sich die klimatischen Rahmenbedingungen stärker als gedacht: Während der Hauptphase der Hurrikansaison von August bis Oktober stellten sich keine El Niño-Bedingungen ein, so dass auch deren dämpfender Effekt auf die Sturmaktivität ausblieb.

Gleichfalls noch begünstigt von ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen entstanden 2017 so 17 benannte Stürme (Durchschnitt seit 1950: 11,6) und 10 Hurrikane (Durchschnitt 6,3). Die schweren Hurrikane Harvey, Irma und Maria trieben die Gesamtschäden der vergangenen Hurrikansaison auf den Rekordwert von 220 Mrd. US$, davon trugen die Versicherer rund 90 Mrd. US$.
Hurrikan-Schäden in Nordamerika
Höchster Anteil an Hurrikan-Schäden entfällt auf USA, große Versicherungslücke vor allem in ärmeren Ländern.

Meeresoberflächentemperatur im Nordatlantik 2018 niedriger erwartet

Nach den aktuellen Vorhersagen werden für 2018 niedrigere Meeresoberflächentemperaturen erwartet als im Vorjahr. Zudem ist die La Niña-Phase, die sich 2017 entwickelt hatte, inzwischen vorüber. Der äquatoriale Pazifik befindet sich im neutralen Bereich, es herrscht also weder La Niña noch El Niño. Es gibt allerdings Hinweise, dass sich Ende des Jahres eine El Niño-Phase entwickeln könnte. Während der Hauptphase der Hurrikansaison ist die Wahrscheinlichkeit für Bedingungen im warm-neutralen Bereich derzeit am größten.
 
Unter El Niño-Bedingungen wird die Hurrikanaktivität im Nordatlantik üblicherweise gedämpft. Unter neutralen Bedingungen, wie sie nun für die Saison 2018 erwartet werden, fehlen dagegen besondere dämpfende oder sturmfördernde Effekte aufgrund dieser Phänomene. Das macht die Vorhersage gerade in solchen neutralen Jahren extrem schwer, da die Schwankungsbreite hoch ist. So herrschten in den bisher sehr aktiven und zerstörerischen Sturmjahren 2005 und 2017 neutrale oder schwache La-Niña-Bedingungen.
Wie ein Hurrikan entsteht
Forscher arbeiten konsequent daran, die Vorhersagen zu verbessern und Fehlerquellen zu verringern. Der Nutzen liegt auf der Hand: Je verlässlicher die Vorhersagen werden, umso besser kann sich die Bevölkerung vorbereiten. Neben Saison-Vorhersagen haben sich auch die Vorhersagen von Zugbahnen und des Auftreffens der Stürme auf Land in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert: Mitte der 90-er Jahre lag die Schätzungenauigkeit für Zweitages-Vorhersagen bei den besten Modellen noch bei etwa 370 Kilometern. Bis 2015 konnte sie auf 130 Kilometer gedrückt werden. Für Dreitages-Vorhersagen schrumpfte sie von 560 auf 230 Kilometer.
 
Was heißt das alles für die Hurrikansaison 2018? Für die US-Staaten und andere Länder an den Küsten des Nordwest-Atlantik, des Golfs von Mexiko und in der Karibik bedeuten die derzeitigen Bedingungen: Sie müssen sich auf eine normale Tropensturmsaison einstellen, bei der ein Hurrikan oder sogar ein schwerer Hurrikan sie treffen könnte. Diese Haltung ist eigentlich immer notwendig, denn schon ein einziger Sturm kann extreme Zerstörungen verursachen.
Munich Re Experten
Dr. Eberhard Faust
Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren
Mark Bove
ist Meteorologe und Fachmann für die Modellierung von Naturkatastrophenrisiken mit Schwerpunkt Nordamerika. Er ist in den USA im Bereich Kumulrisiken für Munich Re tätig.
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