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Naturkatastrophen

2014 – für die Versicherungswirtschaft ein Jahr zum Durchatmen

Was Naturkatastrophen betrifft, war das Jahr 2014 für die Versicherungswirtschaft ein gemäßigtes Jahr. Trotzdem wird 2014 auch als Rekordjahr in Erinnerung bleiben: Es ist das wärmste Jahr seit Beginn systematischer Temperaturaufzeichnungen. Ein Porträt des vergangenes Jahres – und ein Ausblick auf 2015.

03.03.2015

Ernst Rauch, Leiter Corporate Climate Centre, fasst die Ereignisse des Jahres 2014 zusammen und gibt einen Ausblick (Dauer des Videos: knapp eine Minute).
Ernst Rauch macht es in dem Video deutlich: Das Jahr 2014 verlief für die Volkswirtschaften und die Versicherer in Hinblick auf Naturkatastrophen moderat, ähnlich wie schon 2012 und 2013. Das bedeutet in Zahlen: Die Gesamtschäden betrugen 110 Milliarden US-Dollar und lagen damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von rund 190 Milliarden US-Dollar. Die versicherten Schäden des Jahres 2014 schlugen mit 31 Milliarden US-Dollar zu Buche. Knapp 1.000 Naturkatastrophen wurden im NatCatSERVICE von Munich Re – der umfangreichsten Datenbank über Naturkatastrophenschäden weltweit – registriert. Demnach war Asien mit 37 Prozent erneut am häufigsten betroffen, gefolgt von Nordamerika mit 20 Prozent. Es folgt Europa mit 16 Prozent. In Afrika wurden zehn Prozent, in Südamerika neun Prozent und in Australien acht Prozent der Ereignisse registriert. Erfreulicherweise forderten die Naturkatastrophen im vergangenen Jahr vergleichsweise wenige Todesopfer. Rund 7.700 Menschen verloren 2014 in Naturkatastrophen ihr Leben, das ist die zweitniedrigste Anzahl seit 1980.

Zu den bemerkenswerten Naturkatastrophen des Jahres 2014 gehören:

  • Schneestürme in Japan (Februar): Diese verursachten einen der teuersten Katastrophenschäden in der Geschichte der japanischen Versicherungswirtschaft – über drei Milliarden US-Dollar. Es handelt sich um einen „Massenschaden“, der durch die beträchtliche Anhäufung von kleinen und mittelgroßen Schäden von durchschnittlich 3.000 bis 5.000 US-Dollar entsteht. Meteorologisch steht die japanische Wetterkatastrophe in einem weitläufigen Zusammenhang mit dem besonders kalten und stürmischen Winter in den USA. Dieser verursachte im Dezember 2013 einen versicherten Schaden in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar, bei einem Gesamtschaden von rund vier Milliarden US-Dollar.
  • Hochwasser auf den Britischen Inseln (Dezember bis Februar): Der Winter war in Großbritannien und Irland so stürmisch wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Von Mitte Dezember bis Mitte Februar überquerten zwölf größere Sturmtiefs die Region. Im Süden Englands wurden im Januar die bisherigen Höchstwerte der Niederschlags-Messreihen seit 1910 überschritten.
  • Überschwemmungen in Südosteuropa (Mai): Auf dem Balkan und in angrenzenden Gebieten gingen die heftigsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 120 Jahren nieder. Zum Teil fiel nahezu das Zehnfache des Monatsmittels. Sturzfluten, Erdrutsche und Hochwasser forderten 86 Menschenleben und hinterließen gesamtwirtschaftliche Schäden in Höhe von über drei Milliarden Dollar.
  • Dürre in Kalifornien (bis Ende Oktober): Kalifornien erlebte den heißesten und vierttrockensten Zwölfmonatszeitraum seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Fast 82 Prozent des Staates waren von extremer oder außergewöhnlicher Trockenheit betroffen. Die Trockenheit dauert seit 2011 an und veranlasste den Gouverneur des Staates, den Dürrenotstand auszurufen und alle 58 Countys zum Katastrophengebiet zu erklären.
  • Zyklon Hudhud in Indien (Oktober): Mit Windgeschwindigkeiten von 170 bis 215 km/h traf der Zyklon Hudhud auf die Ostküste Indiens. Die direkten Schäden in Indien werden auf sieben Milliarden US-Dollar geschätzt, wovon, 530 Millionen US-Dollar versichert sind. Es gab zwar hohe Schäden, aber wenige Tote: Dank der Warnungen des indischen Wetterdienstes und den effizienter gewordenen Evakuierungsmaßnahmen der Regierung konnten 700.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.
  • Erdbeben im Napa Valley (August): Nach mehr als zwei Jahrzehnten außergewöhnlicher seismischer Ruhe im Raum San Francisco war das Napa-Beben von 2014 das schlimmste Ereignis seit dem Loma-Prieta-Beben von 1989. Es ist als deutliches Warnsignal zu sehen: Kalifornien und vor allem die Region um San Francisco muss auf weitere, auch größere Beben vorbereitet sein.

Das NatKat-Jahr 2014 im Überblick

2014 war bei Naturkatastrophen für die Versicherungen ein mildes Jahr. Dennoch war es ein Rekordjahr: Es war das wärmste Jahr seit der Temperaturaufzeichnung.

2014 war moderat – was bedeutet das für die nächsten Jahre?

„Das Jahr 2014 war, im Hinblick auf Naturkatastrophen, für die Versicherungswirtschaft sicherlich ein Jahr zum Durchatmen“, resümiert Dr. Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands von Munich Re und Vorsitzender des Rückversicherungsausschusses. In langfristiger Perspektive jedoch gibt es keine Indizien, die einen Bruch des langjährigen Schadenzunahmetrends bei Naturkatastrophen vermuten ließen. Ein Blick auf die langjährige Entwicklung zeigt: Die Schadenzahlen belegen seit 1980 einen erheblichen Aufwärtstrend, auch nach Inflationsbereinigung sowohl für die volkswirtschaftlichen wie die gesamten versicherten Schäden. Dazu kommt: 2014 war das wärmste Jahr, das jemals seit 1880 gemessen wurde (Quelle: US-Wetterdienst NOAA – National Oceanic and Atmospheric Administration). Der fortschreitende Temperaturanstieg verschärft, nach Bewertungen des Weltklimarats IPCC die Gefährdungssituation in vielen Regionen. Der Weltklimarat geht davon aus, dass in manchen Regionen Wetterextreme wie Hitzeperioden, Dürren oder auch Starkniederschläge zunehmen werden.

Die Ereignisse 2014 – zusammengefasst in Topics Geo Naturkatastrophen 2014

Im Magazin Topics Geo Naturkatastrophen 2014, das seit 3. März 2015 erhältlich ist (als Print und Download), berichten Munich-Re-Experten detailliert über bemerkenswerte Naturkatastrophen des Jahres sowie über aktuelle NatKat-Entwicklungen. Unter anderem beschreibt Autor Dr. Eberhard Faust, leitender Fachexperte für Naturgefahren, ein junges Phänomen: das häufigere Vorkommen sogenannter „persistenter Wetterlagen“. Solche extreme Wetterlagen können lange, oftmals über Wochen hinweg, anhalten. Neue Forschungsresultate legen nahe, dass diese mit Extremwetterereignissen zu verbinden sind und ihre Häufung mit der Erwärmung der hohen Breiten im Zuge des Klimawandels zusammenhängt. Ein weiterer Artikel handelt von den Tornados in den USA, denn neue Forschungsergebnisse zeigen: Tornados treten zwar an weniger Tagen auf, doch große Ausbruchereignisse mit vielen Twistern werden gleichzeitig häufiger. Ein Beitrag behandelt die aktuelle El-Niño-Phase, die entgegen ursprünglichen Prognosen 2014 später und schwächer begann. Schließlich porträtiert Munich Re Topics Geo 14 eine bedeutende Entwicklung, die dem Krisen- und Katastrophenmanagement völlig neue Chancen eröffnet: die rasante Zunahme der Sozialen-Medien-Nutzung. Über diese neuen Massenmedien können, wenn sich Naturkatastrophen ereignen, schnell belastbare Informationen gewonnen werden. Diese werden sich für Hilfsorganisationen, Behörden, Medien und die Versicherungswirtschaft zu einer bedeutenden Informationsquelle entwickeln.
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