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Überschwemmungen

Hochwassermanagement - Gefahr gebannt

Die Anstrengungen der vergangenen acht Jahrzehnte beim Bau von Schutzanlagen am Mississippi haben sich bezahlt gemacht. Die tatsächlichen Schäden sind mit 4,6 Milliarden US-Dollar weit unter dem Worst-Case-Szenario von über 100 Milliarden US-Dollar geblieben.

06.12.2011

Nach einem schneereichen Winter und ungewöhnlich heftigen Niederschlägen Ende April 2011 begannen die Flüsse im Einzugsgebiet des Mississippi im Mai anzuschwellen. Angetrieben vom Wetterphänomen La Niña wurden innerhalb weniger Wochen vielerorts die durchschnittlichen Niederschläge eines ganzen Jahres überschritten. Am Unterlauf des Mississippi baute sich eine gewaltige Hochwasserwelle wie zuletzt 1927. Damals waren Zehntausende Quadratkilometer Land überflutet worden. Es kam zu einer der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA, die mindestens 250 Menschen das Leben kostete; 650.000 mussten ihre Häuser verlassen. Die Schäden wurden auf 230 Millionen US-Dollar beziffert (in heutigen Werten etwa 3 Milliarden US-Dollar).

Das mögliche Schadenausmaß bei der Flut 2011 hätte laut der zuständigen Behörde U.S. Army Corps of Engineers (USACE) bis zu 110 Milliarden US-Dollar erreichen können. Tatsächlich verursachte das Wasser geschätzte 4,6 Milliarden US-Dollar, was angesichts der Ausdehnung und Schwere des Hochwassers gering ist.

Wasserbaumodelle der U.S. Army zählen zu den Weltbesten

Die nationale Katastrophe blieb 2011 aus. Ein Grund: Die große Flut von 1926/1927 setzte nicht nur für viele Jahre gültige Rekordmarken bei Abflüssen und Wasserständen, sondern markierte auch den Beginn eines umfassenden Hochwassermanagements am Mississippi und seinen großen Nebenflüssen. 1928 wurde der Flood Control Act beschlossen und das Projekt „Mississippi River and Tributaries“ (MR&T) aus der Taufe gehoben. Die Verantwortlichen bewilligten 325 Millionen US-Dollar (Originalwerte), um Deiche, Dämme, Pumpstationen, Rückhaltesysteme und Umleitungen am Mississippi und an seinen Nebenflüssen zu errichten bzw. zu reparieren und zu verstärken. Das war mehr als die 292 Millionen US-Dollar, die insgesamt vor 1928 in wasserbauliche Maßnahmen entlang des unteren Mississippi geflossen waren.

Das U.S. Army Corps of Engineers hatte die Aufgabe, die Maßnahmen umzusetzen. Seither hat es sich zu einer höchst angesehenen ingenieurwissenschaftlichen Einheit entwickelt, deren physikalische Wasserbaumodelle sowie mathematische hydrologisch-hydraulische Modelle zu den besten der Welt zählen.

Bessere Wasserstrassen-Nutzung bringt Milliarden

Seit 1927 entstanden über eine Länge von 3.500 Kilometern Deiche, und das Wasser lässt sich nun in einer Vielzahl von Speichern zurückhalten. Allein die sechs großen Stauseen am Oberlauf des Missouri können 90 Milliarden Kubikmeter aufnehmen. Neben dem Hochwasserschutz standen die Sicherstellung der Minimalwassertiefe für die Schifffahrt, Möglichkeiten zur Wasserkraftnutzung, Bewässerung und Freizeitaspekte im Mittelpunkt.

Das MR&T-Projekt hat bislang 13,9 Milliarden US-Dollar (in Originalwerten) gekostet. Dem stehen verhinderte Schäden gegenüber, welche die Mississippi River Commission auf 480 Milliarden US-Dollar und damit das 34-Fache veranschlagt. Hinzu kommen Einnahmen aus der Wasserstraßennutzung, die mit jährlich fast drei Milliarden US-Dollar angesetzt werden. Seit 1940 erhöhte sich die im Mississippi transportierte Tonnage von 30 auf 500 Millionen Tonnen.

Um zu vermeiden, dass Deiche bei einem extremen Hochwasser unkontrolliert an einer beliebigen Stelle brechen, sind Notentlastungen vorgesehen. Sie können aus seitlichen Abschlagswehren bestehen, aber auch durch die Sprengung eines Deichs erfolgen. 2011 waren alle drei am Mississippi vorhandenen Notentlastungen gleichzeitig im Einsatz – zum ersten Mal überhaupt.

Das Flutmanagement kommt der Assekuranz zugute

Die private Versicherungswirtschaft hat vom Hochwassermanagement profitiert. Sie wird jedoch Schadenersatz an einige Spielcasinos am Mississippi zahlen müssen, von denen fast alle keine Sach-, dafür aber erhebliche Betriebsunterbrechungsschäden erlitten haben. Ähnliches gilt für eine große Bahngesellschaft in Louisiana, die den Betrieb völlig einstellen musste. Die aktivierten Notentlastungen haben das Überflutungsrisiko für viele Industrieanlagen erheblich reduziert und den Versicherern damit hohe Schäden erspart. Profitiert haben beispielsweise acht Raffinerien bei Baton Rouge, die für zwölf Prozent der US-Treibstoffproduktion stehen, sowie ein Atomkraftwerk.

Landwirtschaftliche Schäden können in den USA über eine Allgefahrendeckung abgesichert werden. Etwa vier Fünftel der Farmer machen davon Gebrauch. Ein beträchtlicher Teil der Schäden geht auf die Flutungen des USACE zurück. Gesetzlich besteht keine Verpflichtung der Regierung, dafür aufzukommen. Das USACE rät jedoch den Betroffenen, die nicht unter das National Flood Insurance Program fallen, das Corps formal auf Schadenersatz oder wegen Enteignung zu verklagen.

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