dcsimg
Klimawandel

2014: Das wärmste Jahr seit Beginn systematischer Temperaturaufzeichnungen

Mitte Januar 2015 veröffentlichte Daten des US-Wetterdienstes NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) belegen: 2014 war das wärmste Jahr, das jemals in dieser Zeitreihe seit 1880 gemessen wurde. Die globale Mitteltemperatur der Land- und Meeresoberflächen lag um 0,69 Grad Celsius über dem Vergleichswert im 20. Jahrhundert. Besonders in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Erde stark erwärmt. Ein weiter fortschreitender Temperaturanstieg wird nach Bewertungen des Weltklimarats (IPCC) in vielen Regionen die Gefährdungssituation durch Unwetterereignisse verschärfen.

28.01.2015

Vom NASA Goddard Institute for Space Studies (NASA GISS) über den US-Wetterdienst NOAA, den Japanischen Wetterdienst JMA bis zum nationalen britischen Wetterdienst Met Office Hadley Center: Renommierteste Institute haben auf Basis ihrer weltweit erhobenen Daten bestätigt, dass das Jahr 2014 das wärmste seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen  ist (nach Angaben des Met Office Hadley Centers zusammen mit dem Jahr 2010). Im Detail bedeutet das, dass die globale Mitteltemperatur der Land- und Meeresoberflächen um knapp ein Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung Mitte des 19ten Jahrhunderts gestiegen ist. Bemerkenswert ist, dass rund die Hälfte des Temperaturanstiegs in den letzten 35 Jahren verzeichnet wurde – alleine  zwischen 1980 und 2014 registrierten die Meteorologen einen Anstieg  von einem halben Grad Celsius. Zudem sind nach Angaben von NOAA die 20 seit 1880 wärmsten Jahre in den vergangenen 20 Jahren gemessen worden.

Selbst restriktive Programme zur Reduktion von Treibhausgasen wirken erst mittelfristig

Der Leiter des Corporate Climate Centres bei Munich Re, Ernst Rauch, geht davon aus, dass der Temperaturanstieg  Risiken aus Wettergefahren verändern wird. So wird bedingt durch die thermische Ausdehnung der sich erwärmenden Ozeane und der abschmelzenden Inlandeismassen der Meeresspiegel weiter steigen. Tatsächlich erreichte der  globale Meeresspiegel  2014 ebenfalls ein neues Rekordniveau und der Trend eines beschleunigten Anstiegs in den vergangenen zwei  Jahrzehnten hält unvermindert an und lag im Zeitraum 1993-2014 bei gut 3 mm/Jahr. Das hört ich nicht nach viel an, doch die Konsequenzen etwa für Überflutungen können durchaus signifikant sein. Höhere Meeresspiegel  könnten – wie etwa beim Hurricane Sandy an der Ostküste der USA in 2012 – eine zusätzliche Menge an Wasser auf die Küste zubewegen. Um eins klarzustellen: Ein Wirbelsturm entsteht  nicht direkt wegen des Klimawandels, allerdings kann er etwa durch höhere Meeresspiegel verstärkt werden. Versicherer müssen diese veränderten Risiken mit berücksichtigen. Je nach aktueller Klimaphase, Saison und Region hängt die Gefahr von einigen Faktoren ab. So unterscheiden sich etwa die Zunahmen der Meeresstände je nach Region. Die dafür nötigen Daten und das Know-how gehören zur permanenten Verbesserung der Risikoabschätzung und der Modellrechnungen dazu.

Mittel- bis langfristig ist damit zu rechnen, dass durch die erhöhte Wärme und die damit physikalisch verbundene zunehmende Aufnahmefähigkeit von Feuchtigkeit in der Atmosphäre die Frequenz und die Intensität extremer Wetterereignisse wie Stürme oder Starkniederschläge – je nach Region unterschiedlich - zunehmen werden. Der Weltklimarat (IPCC) bestätigt das in seinem in 2014 veröffentlichten 5. Sachstandsbericht zum Stand des Wissens in der Klimaforschung. IPCC geht zudem davon aus, dass in manchen Regionen Wetterextreme in die andere Richtung „ausschlagen“ mit Hitzeperioden und Dürren. In der NatCatService-Datenbank von Munich Re ist der Trend zu einer steigenden Anzahl von Wetterkatastrophen bereits seit Jahren zu erkennen. Auch strikte Programme zur Reduktion von Treibhausgasen in der Atmosphäre werden mittelfristig nicht dazu führen, dass der von Menschen verursachte Klimawandel gestoppt wird: Denn Kohlendioxid wie auch andere Treibhausgase verbleiben mehr als hundert Jahre in der Atmosphäre. Um für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts den Trend zur weiteren Erwärmung und deren Folgen zu bremsen, sind bereits in den kommenden Jahren greifende Programme zur globalen Reduktion von Treibhausgasemissionen erforderlich.

Öffentliche und private Träger von Risiken müssen sich heute schon mit Anpassungsmaßnahmen auseinandersetzen

Unter dem Dach der Vereinten Nationen soll im Dezember 2015 auf der 21. Weltklimakonferenz eine entsprechende globale Vereinbarung erreicht werden. Das politische Ziel ist, die Erwärmung der Erdatmosphäre auf unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Durchschnittstemperatur zu begrenzen. „Die Ergebnisse der  UN-Klimakonferenz im Dezember 2014 in Lima reichen dafür nicht aus“, ist sich Klimaexperte Ernst Rauch von Munich Re sicher, zumal die meisten Entscheidungen auf die kommende Klimakonferenz in Paris Ende 2015 vertagt wurden. Rauch: „Eine weitere Verzögerung wirksamer Maßnahmen birgt die Gefahr, dass die Risiken aus Wetterextremen weiter zunehmen und regional zu Ereignissen führen, die es dort so in der Vergangenheit nicht gegeben hat.“ Für die Versicherungsindustrie bedeutet diese Entwicklung, dass eine ständige Überprüfung der Risiken nötig ist.

Gelingt es 2015 auf der 21. Klimakonferenz in Paris der Staatengemeinschaft nicht, sich auf relevante CO2-Emissionsminderung zu verständigen, werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Anpassungsmaßnahmen in noch stärkerem Maße als ohnehin schon erforderlich nötig, um sich an die Folgen sich bereits ändernder Wettermuster anzupassen. Nach Lima ist kaum noch realistisch zu erwarten, dass es zu diesem Szenario noch Alternativen gibt. Extremniederschläge, Dürren und Sturmfluten werden in manchen Regionen wahrscheinlicher. Entsprechend ist es nötig, dass sich alle öffentlichen und privaten Träger von Risiken aus diesen Naturereignissen schon heute mit entsprechenden Anpassungsmaßnahmen auseinandersetzen. Im Privatsektor ist das besonders die Assekuranz, zu deren Geschäftsmodell die Identifizierung, Bewertung und Übernahme von Risiken aus Naturkatastrophen gehört. Über diese Funktionen hat die Versicherungswirtschaft über Jahrzehnte hinweg Wissen über die Verwundbarkeit von Gesellschaften und Sachwerten durch Unwetter- und geophysikalische Katastrophen aufgebaut.

Die Versicherungswirtschaft wird ebenfalls seinen Anteil daran haben, die Widerstandsfähigkeit zu verbessern. In den USA erforscht das von der Versicherungsindustrie gegründete und finanzierte  Institute for Business and Home Safety (IBHS), wie Gebäude verbessert werden können, um Naturkatastrophen besser zu überstehen als bisher. Oft sind es gar nicht die teuren Lösungen, die helfen, Gebäude entschieden widerstandsfähiger zu machen. Oft werden Fälle aus der Vergangenheit analysiert, um daraus ein präzises Bild davon zu bekommen, wie Naturkatastrophen die Infrastruktur und Gebäude in Mitleidenschaft ziehen.

Die Versicherungsindustrie wird daher in dem absehbaren Anpassungsprozessen auch Verantwortung übernehmen müssen – sowohl beim Transfer dieses Wissens an politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger, als auch bei der Entwicklung innovativer (finanzieller) Risikotransferlösungen für Naturkatastrophen für Länder aller Einkommensgruppen.
Wir verwenden Cookies um Ihr Internet-Nutzungserlebnis zu verbessern und unsere Websites zu optimieren.

Mit der weiteren Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies dieser Website zu. Weitere Informationen zu Cookies und dazu, wie Sie die Cookie-Einstellungen in Ihren Browsereinstellungen anpassen können, finden Sie in unsereren Cookie-Richtlinien.
Sie können Cookies deaktivieren, aber bitte beachten Sie, dass das Deaktivieren, Löschen oder das Verhindern von Cookies Ihre Internet-Nutzung beeinflussen wird.