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Klimawandel

In Paris sollten verbindliche Reduktionsmaßnahmen beschlossen werden.

Zur Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels gehört auch, die dafür notwendige Finanzierung zu sichern. Peter Höppe zur Klimakonferenz COP21 in Paris.

07.12.2015

Nein, die Staats- und Regierungschefs haben zum Start der Klimakonferenz in Paris nicht den Knoten durchschlagen und sich auf verbindliche Emissionsreduzierungen geeinigt. Zwar zeigen die Erklärungen der höchsten staatlichen Repräsentanten, dass das Problem erkannt worden ist, mehr noch: Niemals war den Politikern die Dringlichkeit so klar wie heute und noch nie waren die Zusagen für Emissionsminderungen so weitgehend. Dennoch ist kaum mit einem Abkommen zu rechnen, das die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzen wird.
Auf dieses Ziel hatte man sich bereits beim Klimagipfel 2010 in Cancun verständigt, weil nach wissenschaftlicher Ansicht damit die schlimmsten Folgen des Klimawandels vermutlich beherrschbar bleiben würden. Doch die Fortschritte sind immer noch viel zu langsam, im Gegenteil, die Emissionen von Treibhausgasen steigen nach wie vor an. Vor allem die größten Verursacher – China, USA, EU, Indien sowie Russland, die für etwa 70% der heutigen Emissionen stehen – müssen ihre Verantwortung übernehmen. Jedes weitere Jahr mit Stagnation oder gar Anstieg der Emissionen erfordert nach Bewertungen des Weltklimarates IPCC einen zunehmend steileren Dekarbonisierungspfad – mit entsprechend höheren Vermeidungskosten.
Jetzt zu handeln, um den Klimawandel zu bremsen, ist gesamtwirtschaftlich geboten, weil die Anpassungskosten und Schäden sehr wahrscheinlich immer höher werden. Es ist für die Staaten auch ökonomisch weit sinnvoller jetzt ihre Volkswirtschaften zu dekarbonisieren, statt immer mehr Geld für Schutzmaßnahmen und Schäden durch Naturgefahren ausgeben zu müssen, vom menschlichen Leid ganz zu schweigen. Denn mit diesen Folgen müssen wir zunehmend und massiv rechnen.

Die Risiken des Klimawandels sind offenkundig

Klimaschädliche Gase wie CO2 verweilen teilweise länger als 100 Jahre in der Atmosphäre. Daher werden sie auch noch nach der Reduzierung der Emissionen zu weiter steigenden Temperaturen führen. Der Meeresspiegel wird weiter ansteigen und langfristig sind – je nach Region und Gefährdungsart unterschiedlich - mehr und heftigere Extremwetterereignisse zu erwarten, zum Beispiel Starkniederschläge mit der Folge von Überschwemmungen. Je stärker sich unser Planet erwärmt, desto häufiger und intensiver werden Wetterkatastrophen ausfallen. Damit ist aber auch jeder Schritt, der die Erwärmung reduziert, besser als keiner.
Die Schadenstatistiken von Munich Re spiegeln die steigenden Risiken wider: Die wirtschaftlichen und versicherten Schäden aus wetterbedingten Naturkatastrophen nehmen weltweit langfristig deutlich zu. Und zwar selbst dann, wenn man sie um die Inflation bereinigt. Die Treiber mit dem größten Einfluss auf die Schäden sind dabei freilich immer noch die Zunahme der exponierten Werte und die Änderungen bei den Schadenempfindlichkeiten, so etwa überproportional steigende Schäden an Gebäudefassaden durch Sturm und Hagel wegen der Verwendung immer schadenempfindlicherer und kostspieligerer Materialien.

Prävention wird noch wichtiger – Projekt InsuResilience der G7

Neben der Vermeidung von Emissionen (Mitigation) muss die Anpassung an die Folgen eines noch wärmeren Klimas jetzt auf der politischen Agenda weiter nach oben rücken. Sie ist zwingend notwendig und kann dazu beitragen, Trends zu steigenden Schäden entgegenzuwirken. Durch Prävention kann die Verwundbarkeit (Vulnerabilität) reduziert werden, durch Vorsorgemaßnahmen für den Schadenfall wird die Widerstandsfähigkeit (Resilience) gestärkt. Was technisch klingt, bedeutet faktisch den Schutz von Leben und Werten. Wege dazu können technischer Hochwasserschutz sein, der Ausbau von neuen Landwirtschaftssystemen oder auch die Etablierung von Versicherungslösungen.
Gerade für Schwellen- und Entwicklungsländer ist Klimaversicherung ein effizienter Weg, um ökonomische Schäden aus Naturkatastrophen abzufedern und so bessere Chancen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erhalten. Die G7 haben sich dazu bekannt, umgesetzt wird es derzeit in einem fünfjährigen Projekt unter dem Namen InsuResilience. Wie sinnvoll die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gebäuden und Infrastruktur gegen Naturkatastrophen heute schon ist, zeigt sich am Beispiel Hamburg: Investitionen in den Hochwasserschutz von gut 2 Mrd. € seit der katastrophalen Flut von 1962 haben seitdem bei noch stärkeren Sturmfluten Schäden von etwa 20 Mrd. € verhindert.

Erneuerbare Energien: Technologietransfer spielt wichtige Rolle

Zur Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels gehört auch, die dafür notwendige Finanzierung zu sichern. Ein Ziel ist, für den Green Climate Fund ab 2020 jährlich 100 Mrd. $ zu mobilisieren, um vor allem Entwicklungsländer vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Die UN haben zudem auf die wichtige Rolle des Technologietransfers hingewiesen. Eine große Rolle spielen dabei die erneuerbaren Energien.
Wenn es nicht gelingt, Schritte zu vereinbaren, mit denen das 2-Grad-Limit voraussichtlich eingehalten werden kann, so sollten in Paris zumindest verbindliche Reduktionsmaßnahmen beschlossen werden. In weiteren konkreten Schritten sollten die Reduktionsziele nachgeschärft sowie die verbindliche Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen, vor allem für Entwicklungs- und Schwellenländer sichergestellt werden. Der Zusammenhang zwischen zunehmenden wetterbedingten Katastrophen und Flüchtlingsströmen ist sicher nicht trivial, aber dennoch ein weiterer guter Grund für die Weltgemeinschaft, Verantwortung für die am schlimmsten betroffenen Länder zu übernehmen, die zudem am wenigsten für die Ursache des Problems verantwortlich sind.

 

 

 

Munich Re setzt sich mit dem Klimawandel bereits seit den 1970er Jahren auseinander, erstmals öffentlich geäußert 1973 in einer Publikation über Flutrisiken. Ab 1974 wurde die Abteilung für Georisikoforschung aufgebaut, um potenziell veränderte Risiken aus Naturgefahren zu untersuchen. Für Emissionsreduzierungen setzt sich Munich Re seit rund 25 Jahren ein. Seit vielen Jahren initiiert und fördert Munich Re zudem Versicherungslösungen, um Entwicklungsländern bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit Entwicklungsbanken, NGOs (z.B. Munich Climate Insurance Initiative, MCII) und dem öffentlichen Sektor unterstützt Munich Re bereits die Entwicklung und Umsetzung von Klimaversicherungslösungen mit Expertise und Rückversicherungskapazität.

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