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Naturkatastrophen

Naturkatastrophenjahr 2017 war ein Weckruf – Neue Deckungskonzepte von Versicherern gefragt

2017 war ein Weckruf. Nach mehreren schadenärmeren Jahren verursachten Naturkatastrophen Gesamtschäden von 340 Milliarden US-Dollar. Es war die zweithöchste Schadenssumme überhaupt und fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Wert entspricht grob der Wirtschaftsleistung eines gesamten Jahres von Ländern wie Dänemark, Ägypten oder Israel. Versicherer müssen die Rekordsumme von 138 Milliarden US-Dollar aufbringen.

Erst- und Rückversicherer tun gut daran, in ihrem Risikomanagement Ereignisse zu berücksichtigen, die statistisch nur sehr selten passieren. Die sintflutartigen Regenfälle als Folge von Hurrikan Harvey, die um Houston schwere Überflutungen auslösten, waren ein solch seltenes Ereignis. Auch die Folge dreier extremer Hurrikane binnen weniger Wochen - Harvey, Irma und Maria – ist selten, aber immer möglich. Experten erwarten, dass durch den Klimawandel bei bestimmten Wetterkatastrophen gerade extreme Ereignisse zunehmen. 2017 gewährte daher in gewisser Hinsicht einen Blick in die Zukunft.
 
Erneut waren deutlich weniger als die Hälfte der Gesamtschäden über Risikotransferlösungen abgesichert: Der Anteil der versicherten Schäden war zwar höher als im Vorjahr, blieb aber mit 41 Prozent noch unter der 50-Prozent-Marke. Und das, obwohl mehr als vier Fünftel der Gesamtschäden auf Nordamerika mit vergleichsweise hoher Versicherungsdichte entfielen.
 
Ich finde: Diese Fakten deuten nicht nur auf Geschäftschancen für Versicherer hin. Sie zeigen auch, dass betroffene Personen, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen zur Bewältigung der Katastrophenfolgen stehen. Und sie sind fast eine Verpflichtung für die Versicherer, neue Deckungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Kunden näher kommen. Mit Daten von Sensoren und Satelliten und der Entwicklung von Systemen mit Elementen von „künstlicher Intelligenz“ sind schon ganz andere Versicherungskonzepte als früher kalkulierbar. Ein Beispiel: Ernteversicherungen für Landwirte in Regionen, wo eine Schadenbewertung auf der Basis klassischer Schadengutachten schwierig ist. Positiver Nebeneffekt ist dabei, dass Gelder schneller ausbezahlt werden können und den Geschädigten nach einer Katastrophe früher finanziell wieder auf die Beine helfen. Studien haben belegt, dass sich gerade Schwellenländer nach extremen Katastrophen wirtschaftlich schneller erholen, wenn die Versicherungsdichte hoch ist. Einen höheren Teil der Risiken trägt dann die internationale Versicherungswirtschaft, sie sind damit auf viele Schultern verteilt.
 

Experten erwarten, dass durch den Klimawandel bei bestimmten Wetterkatastrophen gerade extreme Ereignisse zunehmen. 2017 gewährte daher in gewisser Hinsicht einen Blick in die Zukunft.
Dr. Torsten Jeworrek

Um weiter neue Deckungen entwickeln zu können, ist für uns tiefes Wissen über die Risiken und ihrer Veränderungen zwingend. Schon mehrere Jahrzehnte befassen wir uns damit, welche Folgen der Klimawandel auf Unwetterereignisse hat. Aktuell wollen wir vor allem besser verstehen, in welchen Regionen und bei welchen Wettergefahren sich bereits veränderte Risikomuster abzeichnen. Und wir untersuchen, wie Risikoprävention Schäden begrenzen kann. Mit all unserem Wissen wollen wir dazu beitragen, dass Versicherung eine noch breitere gesellschaftliche Rolle spielen kann als bisher, um insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländern nach Katastrophen finanziell schneller wieder auf die Beine zu helfen.

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Topics Geo – Naturkatastrophen 2017
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Munich Re Experten
Torsten Jeworrek
Mitglied des Vorstands, CEO Rückversicherung
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