Klimawandel

Die IPCC-Empfehlungen sind ein Weckruf

Die Ergebnisse des Weltklimarats IPCC sind eindeutig: Falls nichts dagegen unternommen wird, ist die Erderwärmung zukünftig mit weltweit großen Risiken verbunden. Für die Bevölkerung, für Unternehmen und Staaten.

Auch die Schadenstatistiken von Munich Re spiegeln die steigenden Risiken wider: Die wirtschaftlichen und versicherten Schäden aus wetterbedingten Naturkatastrophen nehmen weltweit langfristig deutlich zu. Und zwar selbst dann, wenn man sie um die Inflation bereinigt. Die Treiber mit dem größten Einfluss sind dabei freilich die Zunahme der Werte und die Änderungen bei den Schadenempfindlichkeiten, so etwa überproportional steigende Schäden an Gebäudefassaden durch Sturm und Hagel wegen der Verwendung immer schadenempfindlicherer und kostspieligerer Materialien. Gleichwohl liegt in einzelnen Regionen und für einzelne Gefahren schon ein Einfluss der Klimaänderung auf die Schadenereignisse nahe: Zum Beispiel treten in den USA bei Schäden aus Schwergewittern selbst nach Anpassung auf heutige Werte über die letzten 20 Jahre höhere Spitzen auf als in den Jahrzehnten zuvor. Das passt sehr genau zu einer Änderung bei den meteorologischen Voraussetzungen, unter denen Schwergewitter entstehen. Insbesondere die jährliche Anzahl von Gewittertagen, an denen viele Tornados zugleich entstehen, hat nach jüngsten Studien stark zugenommen.

Wir müssen jetzt handeln, um den Klimawandel zu bremsen, weil die Anpassungskosten und Schäden sehr wahrscheinlich immer höher werden.
Peter Höppe
Head of Geo Risks Research/Corporate Climate Centre

Nach unserer Auffassung ein noch deutlicherer Hinweis, dass klimatische Veränderungen eine Rolle spielen: Die Zahl von wetterbedingten Naturereignissen, die Schäden verursacht haben, ist seit 1980 weltweit auf etwa das Dreifache gestiegen. Bei geophysikalischen Ereignissen, die nicht vom Klimawandel beeinflusst werden, gibt es hingegen keinen signifikanten Trend. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die Effekte des Klimawandels zu einem starken Anstieg von wirtschaftlichen Schäden und bei fehlender Prävention auch zu mehr Todesopfern durch Wetterextreme führen. Eine Anpassung an die fortschreitenden Veränderungen ist daher zwingend und kann dazu beitragen, Trends zu steigenden Schäden entgegenzuwirken oder diese regional womöglich sogar umzukehren. Zudem stimmt die Klimawissenschaft mehrheitlich überein, dass die Emissionen klimaschädlicher Gase in den kommenden Jahrzehnten drastisch reduziert werden müssen. Wenn das 2°C-Ziel noch erreicht werden soll, müsste der relative Anteil der klimaneutralen Energiequellen bis zum Jahre 2050 global in etwa vervierfacht werden.

Manche Folgen sind schon unvermeidbar

Eine Mammutaufgabe also. Und selbst diese Eindämmung – also Mitigation – der Emissionen ist schon heute allein nicht ausreichend. Denn selbst bei sinkenden Eimissionen reichern sich die klimaschädlichen Gase wie CO2 weiter in der Atmosphäre an, da sie teilweise länger als 100 Jahre dort verweilen. Dies wird auch nach der Reduzierung der Emissionen zu weiter steigenden Temperaturen der Luft sowie der Meeresoberflächen und in der Folge zu einem höheren Wassergehalt der Atmosphäre führen. Wir müssen uns also auf die bereits jetzt unvermeidbaren mittel- und langfristigen Folgen der Erderwärmung einstellen. Der Meeresspiegel wird weiter ansteigen, und langfristig sind – je nach Region und Gefährdungsart unterschiedlich - mehr und heftigere Extremwetterereignisse zu erwarten, zum Beispiel starke Niederschlagsereignisse mit Überschwemmungen oder Schwergewitter.

Die Abschätzung künftiger globaler Schäden aufgrund des Klimawandels ist heute noch mit vielen Unsicherheiten behaftet. Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gebäuden und Infrastruktur gegen Naturkatastrophen ist aber auch heute schon sinnvoll, auch wenn sich der zukünftige Einfluss des Klimawandels nicht beziffern lässt. Ein Beispiel: Investitionen in den Hochwasserschutz in Hamburg von gut 2Mrd.€ seit der katastrophalen Flut von 1962 haben seitdem bei noch stärkeren Sturmfluten Schäden von etwa 20Mrd.€ verhindert. Die politischen Entscheidungsträger sollten die Erkenntnisse und Empfehlungen des IPCC, die UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eindringlich kommentiert hat, sehr ernst nehmen. Jetzt zu handeln, um den Klimawandel zu bremsen, ist gesamtwirtschaftlich geboten, weil die Anpassungskosten und Schäden sehr wahrscheinlich immer höher werden.

Hier ist neben der Politik auch die Industrie gefordert und jeder Einzelne in seinem individuellen Verhalten. Und sinkende Risiken – egal ob durch Maßnahmen für den Klimaschutz oder durch Stärkung der Resilienz gegen Naturkatastrophen – ermöglichen Versicherern, vergleichsweise niedrigere Prämien zu verlangen. Auch das ist ein Beleg dafür: Wir reden über eine no-regret-Strategie.

Diese Kolumne erschien auch in Insurance Day.

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