Hohe Schäden durch Gewitter in Nordamerika – Die Naturkatastrophen-Bilanz des 1. Halbjahres

23.07.2020

Rückversicherung

  • Sehr hohe Schäden durch schwere Gewitter mit Tornados, Sturzfluten und Hagel in Nordamerika: 8 Unwetter mit versicherten Schäden in Milliardenhöhe
  • Zyklon Amphan in Indien war die teuerste Naturkatastrophe - nur ein kleiner Teil der Schäden war versichert
  • Klimatologische Rahmenbedingungen begünstigen aktive Hurrikansaison im Nordatlantik und Waldbrände in Kalifornien
Die Naturkatastrophen-Statistik des ersten Halbjahres 2020 hat zwei Dinge gezeigt: Schwere Gewitter in Nordamerika dominieren die Schadenstatistik und zeigen, wie wichtig stabilere Bauweisen sind, um Schäden zu vermindern. Zweitens: Das ist umso bedeutsamer, da der Klimawandel langfristig wahrscheinlich das Schwergewitterrisiko in Nordamerika erhöht. Die Welt muss endlich konsequent Treibhausgasemissionen reduzieren und Schäden vorbeugen, damit uns die Folgen nicht so unvorbereitet treffen wie derzeit die Corona-Pandemie.
Torsten Jeworrek
Member of the Board of Management

Die Naturkatastrophen-Bilanz des 1. Halbjahres 2020 im Überblick:

Bis Ende Juni verursachten Naturkatastrophen Gesamtschäden von rund 68 Mrd. US$, leicht weniger als im 30-jährigen Durchschnitt (inflationsbereinigt 74 Mrd. US$). Die versicherten Schäden waren mit etwa 27 Mrd. US$ wegen des hohen Anteils der Schäden aus Wetterkatastrophen in Nordamerika höher als üblich (20 Mrd. US$).

Auf Nordamerika entfielen 47% der Gesamtschäden und 82% der versicherten Schäden, ein deutlich höherer Anteil als im langfristigen Durchschnitt (35% bzw. 60%). Dagegen verursachten Naturkatastrophen in Europa und in Asien/Pazifik geringere Schäden.

Insgesamt kamen in der ersten Jahreshälfte 2.900 Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben, deutlich weniger als im Schnitt der vergangenen 30 und der vergangenen 10 Jahre. 

Südosten der USA von schwerer Tornadoserie getroffen

Am Osterwochenende zog eine extreme Unwetterfront mit dutzenden Tornados und Hagel bis zur Größe von Tennisbällen über die südöstlichen Bundesstaaten der USA hinweg. Insgesamt wurden 140 Tornados in zehn Bundesstaaten gezählt, davon erreichten 3 die zweithöchste Stufe EF4 mit Windgeschwindigkeiten um die 300 km/h. Zahllose Häuser wurden komplett zerstört, Autos und Busse durch die Luft geworfen.

Im Bundesstaat Mississippi wurde der größte Tornado in der Geschichte des Staates gemessen, sein Sturmrüssel hatte einen Durchmesser von mehr als dreieinhalb Kilometern. Er zog rund 100 Kilometer über das Land, bevor er sich auflöste. Die Spur der Zerstörung war sogar auf Satellitenbildern zu sehen, obwohl der Sturm größere Orte und Städte in der Region verschonte. Die aus mehreren Gewitterzellen resultierenden extremen Unwetter verursachten Gesamtschäden von 3,4 Mrd. US$, davon waren 2,6 Mrd. US$ versichert. 38 Menschen kamen dabei ums Leben.

Ebenfalls ein extremes Unwetter ereignete sich am 14. Juni in der kanadischen Metropole Calgary, als bei einem Gewittersturm ebenfalls bis zu tennisball-große Hagelkörner herunterprasselten. Zahllose Häuser und Autos wurden stark beschädigt. Starke Niederschläge und durch Hagel verstopfte Gullydeckel führten an vielen Straßen zu plötzlichen Überschwemmungen. Fahrzeuge standen bis zum Dach im Wasser, ihre Insassen mussten gerettet werden. Der Gesamtschaden betrug rund 1,2 Mrd. US$, davon waren drei Viertel versichert. Es war der höchste Schaden durch einen Gewittersturm in der Geschichte Kanadas.

Insgesamt steuerten Schwergewitter in Nordamerika (so genannte konvektive Ereignisse) mit Hagel, Starkniederschlag und Tornados 27 Mrd. US$ zu den Gesamtschäden und 20 Mrd. US$ zu den versicherten Schäden des ersten Halbjahres bei.

Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re, sagte: „Auch wenn man einzelne Ereignisse nicht dem Klimawandel zuschreiben kann: Im Trend zeigen unsere Daten deutlich, dass Schäden durch Schwergewitter insbesondere in Nordamerika zunehmen, insbesondere durch Wachstum der Bevölkerung und der exponierten Werte sowie schadenanfällige Bauweisen. Da höhere Temperaturen und Feuchte solche Wetterlagen begünstigen, liegt ein Beitrag des Klimawandels dazu nahe. Wir dürfen auch in Zeiten der Pandemie nicht vergessen, dass auch der Klimawandel ein Risiko mit systemischen Elementen ist.“

Super-Zyklon Amphan und Hochwasser in China verursachten höchste Gesamtschäden

Die folgenschwersten Naturkatastrophen ereigneten sich in Asien: In Indien und Bangladesch verursachte Zyklon Amphan im Mai extreme Schäden. Zwischenzeitlich war Amphan ein Superzyklon der höchsten Kategorie mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 km/h. Beim Auftreffen auf Land in West-Bengalen an der Grenze zu Bangladesch hatte der Sturm Windgeschwindigkeiten von etwa 150 km/h. Die hohen Windgeschwindigkeiten, extreme Niederschläge und eine meterhohe Sturmwelle verursachten hohe Schäden. Tausende Häuser wurden zerstört, Millionen Menschen waren ohne Strom. 135 Menschen starben. Mehrere Millionen Menschen waren evakuiert worden. Die Evakuierungen wurden durch die Corona-Pandemie erschwert, da wegen der Social-Distancing-Regeln weniger Menschen in Schutzgebäude durften. Mit einem Gesamtschaden von rund 11,5 Mrd. US$ war Amphan einer der teuersten Wirbelstürme im nordindischen Ozean. Der versicherte Schaden steht noch nicht fest, dürfte aber nur einen geringen Anteil ausmachen

In China führten ab Juni starke Monsunniederschläge zu starken Überschwemmungen an hunderten Flüssen in weiten Teilen des Landes. Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben. Da die Hochwasser auch im Juli noch anhielten, ist eine verlässliche Schadenschätzung noch nicht möglich. Nach ersten Schätzungen werden die Gesamtschäden aber zumindest in hoher einstelliger Milliardenhöhe liegen.

In Europa war Wintersturm Ciara (in Deutschland Sabine genannt) die teuerste Naturkatastrophe. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zog der Orkan Anfang Februar über große Teile Europas hinweg. Zehntausende Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende Flüge und Großereignisse wie Fußballspiele wurden gestrichen. Obwohl Ciara nur ein mittelschwerer Wintersturm war, betraf er dennoch weite Teile Zentraleuropas und richtete deshalb vergleichsweise hohe Schäden von 1,8 Mrd. US$ (1,6 Mrd. €) an, wovon 1,2 Mrd. US$ (1,1 Mrd. €) versichert waren. 

Rekord-Buschbrände in Australien

In Australien verursachten Buschbrände im Sommer 2019/2020 Rekordschäden. Begünstigt durch ungewöhnlich starke Trockenheit und Hitze begann die jährliche Buschbrandsaison sehr früh. Viele Feuer gerieten außer Kontrolle und brannten sehr lange in der Nähe von Urlaubsgebieten und Ballungszentren an der Küste im Südosten des Landes. Während im vergangenen Sommer auch natürliche Klimaschwankungen die Buschbrände stark begünstigten, legen mehrere Studien nahe, dass der Klimawandel langfristig Buschfeuer in Australien wahrscheinlicher macht. Die Schäden der gesamten Waldbrandsaison in Australien erreichten Rekordwerte: Die Gesamtschäden betrugen 2 Mrd. US$, wovon wegen der hohen Verbreitung von Feuerversicherungen für Gebäude 1,6 Mrd. US$ versichert waren.

In zweiter Jahreshälfte überdurchschnittliche Hurrikansaison möglich

Für die weitere Entwicklung im zweiten Halbjahr insbesondere in Nordamerika ist die natürliche Klimaschwankung El Niño-Southern Oscillation (ENSO) ein Einflussfaktor. In den Hauptmonaten der Hurrikansaison (August - Oktober) könnte der ENSO-Index in so genannte „La-Niña“-Bedingungen übergehen. Dabei können sich tropische Wirbelstürme über ausreichend warmen Wasseroberflächen besser als in anderen Phasen entwickeln. Auch die Waldbrandsaison in Kalifornien, insbesondere im Norden des Bundesstaates, könnte bei „La-Niña“-ähnlichen Bedingungen heftiger ausfallen, da dann der Frühherbst außergewöhnlich trocken werden kann und sich Winterniederschläge verzögern.

„Natürlich können wir bei solchen Annahmen nur über Wahrscheinlichkeiten sprechen. Die Waldbrand- und die Hurrikansaison können auch mild bleiben. Da die Rahmenbedingungen aber für eine aktivere Waldbrandsaison in Kalifornien und eine stärkere Hurrikanaktivität sprechen, ist gerade in Zeiten der Pandemie eine gute Vorbereitung wichtig, um Menschen zu schützen“, sagte Mark Bove, Natural Catastrophe Solution Manager bei Munich Re US.

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Munich Re ist ein weltweit führender Anbieter von Rückversicherung, Erstversicherung und versicherungsnahen Risikolösungen. Die Unternehmensgruppe besteht aus den Geschäftsfeldern Rückversicherung und ERGO sowie dem Vermögensmanager MEAG. Munich Re ist weltweit und in allen Versicherungssparten aktiv. Seit ihrer Gründung im Jahr 1880 zeichnet sich Munich Re durch einzigartiges Risiko-Knowhow und besondere finanzielle Solidität aus. Sie bietet ihren Kunden auch bei außergewöhnlich hohen Schäden finanziellen Schutz – vom Erdbeben in San Francisco 1906 bis zur pazifischen Taifunserie 2019. Munich Re besitzt herausragende Innovationskraft und ist hierdurch in der Lage, auch außergewöhnliche Risiken wie Raketenstarts, erneuerbare Energien, Cyberattacken oder Pandemien abzusichern. Munich Re treibt die digitale Transformation innerhalb ihrer Branche in einer führenden Rolle voran und erweitert hierdurch ihre Risikoanalysefähigkeiten sowie ihr Leistungsangebot. Individuelle Lösungen und große Nähe zu ihren Kunden machen Munich Re zu einem weltweit nachgefragten Risikopartner für Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen.

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