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Erdbeben

Eine tödliche Gefahr

Schadenlast von vielen Faktoren abhängig

Unter den verschiedenen Naturkatastrophen sind Erdbeben die größte Bedrohung für Leib und Leben bei zugleich extremem Schadenpotenzial. Beinahe die Hälfte aller Todesopfer bei Naturkatastrophen seit 1980 kamen bei Erdbeben und davon ausgelösten Tsunamis ums Leben. Munich Re erfasst die damit verbundenen Risiken und wirkt an Initiativen mit, um Bauwerke stabiler zu machen und mit Versicherungen die finanzielle Absicherung zu verbessern. 
210
Mrd. US$
Ein Erdbeben mit Tsunami löste 2011 in Japan die Atomkatastrophe von Fukushima aus — Die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten

Über 90 Prozent der Erdbeben ereignen sich in Regionen, in denen großtektonische Platten aneinander grenzen.

Dort befinden sich auch viele aktive vulkanische Gebiete. In Konvergenzzonen schiebt sich eine ozeanische unter eine kontinentale Platte. Man spricht von einer Subduktionszone, etwa an der Pazifikküste vor Südamerika.

Dagegen gleiten bei Transformstörungen Platten horizontal aneinander vorbei, zum Beispiel am San-Andreas-Graben in Kalifornien.

Wegen des unterschiedlich starken Spannungsaufbaus entstehen die stärksten Erdbeben an Konvergenzzonen (Chile 1960, Sumatra 2004, Japan 2011), gefolgt von Transformzonen-Beben (San Francisco 1906) und Divergenzzonen. Da die Herde der Beben an Konvergenzzonen häufig im Meer vor den Küsten liegen, tragen diese starken Beben mit weniger als 30 Prozent zum globalen Gesamtschaden aus Erdbeben bei. Sie weisen ein hohes Maß an Tsunamigefährdung auf.

Neun von zehn Erdbeben ereignen sich in Regionen, wo großtektonische Platten aneinander grenzen

Der bei einem Erdbeben auftretende Schaden hängt neben den Erdbebenparametern selbst (Magnitude, Distanz, Bebendauer) und den lokalen Untergrundbedingungen stark von den Eigenschaften der betroffenen Bauwerke ab. Zu nennen sind hier Konstruktion, Bau- und Nutzungsart, Baujahr, Höhe, Asymmetrien in Grund- und Aufriss, Eigenfrequenz (Mexico-City-Effekt) und anderes mehr.

Stärkere Erdbeben verursachen häufig Folgeeffekte mit hohem Schadenpotenzial. Zu ihnen zählen unter anderem seismische Flutwellen (Tsunamis) wie bei dem Sumatra-Beben von 2004 oder dem Erdbeben vor der Küste Japans 2011. Auch Erdrutsche, Bodensetzung und Bodenverflüssigung (Liquefaction) mit häufig sehr hohen Sachschäden sind die Folgen.

Weltweite Gesamtschäden durch Erdbeben 1980-2018

Eine zeitlich und räumlich exakte Vorhersage von Erdbeben ist nach Stand der Wissenschaft nicht möglich. Man kennt zwar eine Reihe von Vorläuferphänomenen, die jedoch in Zeitverlauf und Größenordnung sehr stark variieren oder auch ganz fehlen können.

Vorsorge steht im Mittelpunkt

Die wichtigste Vorsorgemaßnahme ist die Auslegung von Gebäuden gegen Erdbebenkräfte, die üblicherweise durch nationale Bauvorschriften geregelt ist. In den meisten Vorschriften steht der Schutz von Menschenleben im Vordergrund. Deshalb soll die Standfestigkeit des Bauwerks gewährleistet werden, Sachschäden werden bewusst in Kauf genommen. Neue Richtlinien hingegen wie z. B. in den USA, Japan und Neuseeland berücksichtigen jedoch zusätzlich das Kriterium der Minderung von Sachschäden. Planerische Lösungen wie eine bewusste Standortwahl mit Hinblick auf die Meidung hochgefährdeter Gebiete werden aber häufig vernachlässigt.

Versicherungstechnische Aspekte

Es gibt zahlreiche Gebiete mit hoher Bevölkerungs- und Wertekonzentration, die in seismisch sehr aktiven Zonen liegen. Für die Versicherungswirtschaft erweist sich die mögliche Schadenakkumulierung in Gebieten mit hoher Werte- und Versicherungsdichte bei gleichzeitig hoher Gefährdung als eine zentrale Herausforderung. Umso wichtiger ist es, ein objektives Bild der Gefährdung zu gewinnen. Nur auf dieser Grundlage können die richtigen Vorsorgemaßnahmen eingeleitet werden, seien es nun realistische Prämienkalkulation, Kumulkontrolle und Reservenbildung oder auch bautechnische Verbesserungen und Landnutzungsbeschränkungen.
Das Global Earthquake Model ermöglicht eine Bewertung des Erdbebenrisikos in jedem Land

Die Erdbebenversicherung ist im Allgemeinen ein Zusatz zur klassischen Feuerdeckung oder Bestandteil einer EC-Police (Extended Coverage). Substanzielle Selbstbehalte zur Limitierung der Haftungsübernahme, die Schadenkumule begrenzen, sind Voraussetzung, um Erdbeben zu versichern. Im Vergleich zu Sturm ist die Versicherungsdichte für Erdbeben ähnlich wie bei Überschwemmung im weltweiten Maßstab im Durchschnitt gering. 

Insbesondere in ärmeren Ländern sollte die Versicherung von Erdbebenrisiken ausgebaut werden, um im Fall eines Bebens die finanzielle Last für die Menschen zu lindern und einen raschen Wiederaufbau zu ermöglichen.

Hierfür unterstützt Munich Re seit 2007 das Global Earthquake Model, eine Gemeinschaftsinitiative von führenden Geo-Forschungszentren, der Wirtschaft und internationalen Organisationen. Ziel ist es, Risikomodelle für jedes Land zu erstellen. Dies erlaubt Schadenpotenziale und den Nutzen von Vorsorgemaßnahmen abzuschätzen und letztlich die Versicherbarkeit zu erhöhen. Das gab es vor allem für Schwellen- und Entwicklungsländer bisher nicht. 

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Alexander Allmann
Geophysiker und Erdbebenexperte
Martin Käser
Senior Consultant für geophysikalische Risiken, Corporate Underwriting/Geo Risks
Ernst Rauch
Leiter Climate & Public Sector Business Development
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