Munich Re - ERGO – Porträt Stefanie Held

Normale Darstellung (Nur-Text-Version ausschalten)
Sie sind hier:

Die Frau mit Fingerspitzengefühl

Ein Porträt von Stefanie Held

Compliance hat bei ERGO jetzt ein neues Gesicht: Stefanie Held setzt als Chief Compliance Officer nicht nur auf Kontrolle. Kooperation und Verständnis sind ebenso wichtig, um Compliance in der Unternehmenskutur fest zu verankern

Stefanie Held - Munich Re

Stefanie Held

Stefanie Held redet nicht um den heißen Brei herum. Sie weiß, dass sie eine wichtige Aufgabe bei ERGO zu bewältigen hat – und dass sie dabei von vielen beobachtet wird. Es gilt, die Versicherungsgruppe so transparent zu machen, dass Verstöße gegen die Regeln künftig nicht mehr vorkommen. Stefanie Held ist Chief Compliance Officer (CCO) – und sie ist für diesen Job genau die Richtige.

Seit Januar 2012 ist Held bei ERGO. Seither baut sie die Compliance-Organisation der Gruppe in einer eigenständigen Abteilung auf. Als Teil der Rechtsabteilung hatte es Compliance schon vorher gegeben. Aber ERGO hat aus den im vorigen Jahr bekannt gewordenen eklatanten Verstößen gegen die Verhaltensregeln der Gruppe eine Lehre gezogen und Compliance zu einem eigenständigen Bereich mit einer ausgewiesenen Fachkraft an der Spitze gemacht. Von dieser Stabsstelle aus berichtet Held ausschließlich und direkt an den Vorstandsvorsitzenden.

Die Juristin ist in der Finanzwirtschaft zu Hause. Zuletzt baute sie die Compliance-Organisation für das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt auf, war dort zuständig für Compliance, Geldwäsche- und Betrugsprävention. Dann kam der Anruf eines Headhunters. Es gab ein paar Gespräche. „Und dann hat es mich auf einmal gepackt. Ich habe gesehen, ERGO ist auf einem guten Weg. Daran möchte ich mitwirken. Es ist wichtig für mich, in einem Unternehmen zu arbeiten, das ich als Unternehmen gut finde“, sagt die 39-Jährige.

„Es muss ein Umdenken stattfinden“
Zu den ersten Aufgaben der neuen Compliance-Frau gehört eine Bestandsaufnahme. Es gibt ja schon jede Menge Regeln. Sie müssen geprüft, gebündelt und vereinheitlicht werden. Dann müssen sie so präsentiert werden, dass sich jeder Mitarbeiter jederzeit informieren kann, ob eine Handlung nun regelkonform ist oder nicht. Schließlich geht es um die Kontrolle, dass die Regeln eingehalten werden. Held sieht sich nicht als allgegenwärtige Überwachungsinstanz, die von allen gefürchtet wird. Sie setzt vielmehr erst einmal auf Kooperation und Verständnis. „Es muss in den Köpfen ankommen, dass die Befolgung von Regeln notwendig ist. Das ist nicht per Knopfdruck möglich. Dazu braucht es auch viel Fingerspitzengefühl“, sagt sie.

Mit gesundem Menschenverstand
Compliance bedeutet übersetzt die Einhaltung von Regeln – speziell in Unternehmen. Das ist an sich eine Selbstverständlichkeit. Warum man dafür heute spezielle Abteilungen braucht, darüber will Held nur eine Vermutung anstellen. Vielleicht blieben Werte auf der Strecke in einer immer schnelllebigeren Zeit. Auf der anderen Seite sei die gesellschaftliche Akzeptanz von Verstößen gesunken. „Kavaliersdelikte gibt es nicht mehr“, sagt Held. Grundsätzlich sei Compliance ganz einfach: „Mit gesundem Menschenverstand kann jeder erkennen, was richtig ist und was falsch, was also für das Unternehmen noch vertretbar ist und was nicht.“ Held möchte, dass sich jeder Mitarbeiter einmal fragt, wo Compliance anfängt oder aufhört. „Das ist nicht so schwer. Man muss nur ehrlich zu sich selbst sein.“

Held will alle gleich behandeln. Sie würde Vorstandsfehlverhalten genauso untersuchen, wie jedes andere Fehlverhalten auch. Sonst sei ihre Arbeit wertlos, denn niemand würde sie ernst nehmen, das weiß sie. „Wir werden den Kulturwandel nie erreichen, wenn der Mitarbeiter denkt, die Vorgesetzten könnten machen, was sie wollen.“ Held will das richtige Verhalten in ihrem Team vorleben. Es wird ein Vier-Augen-Prinzip geben, jeder soll immer auch mal über die Arbeit des Kollegen sehen. Das verhindert Betriebsblindheit und macht Transparenz selbstverständlich.

Uneitel und pragmatisch
Noch ist das Vorzimmer von Helds Büro im Düsseldorfer ERGO-Turm leer. Auch die angrenzenden Räume sind geschlossen. Erst eine Mitarbeiterin hat sie bislang. Held sitzt im dunklen Anzug hinter ihrem Schreibtisch und wirkt kein bisschen verloren. Auf eine Assistenz als bloßes Zeichen ihrer Stellung kann sie verzichten. Solche Äußerlichkeiten sind der Frau, die gerne Sport treibt und sich im Freien aufhält unwichtig. Die Räume werden sich schon füllen. Aber der Aufbau ihres Teams muss wohlüberlegt sein. Sie sucht sich die Mitarbeiter nach den Fähigkeiten aus, die sie für die Compliance-Aufgabe braucht. Gerade verhandelt sie mit einem Mitarbeiter aus dem Vertrieb. „Es ist für uns sehr wichtig, dass wir Leute mit Vertriebserfahrung haben“, sagt sie. Schwierigkeiten, Leute zu finden, hat sie nicht. Ihre offene, dynamische Art kommt an. Die Freude an ihrer Aufgabe ist ihr anzumerken. Das überträgt sich auch auf andere. Fünf bis sechs Mitarbeiter werden für die erste Phase der Arbeit wohl gebraucht, später vielleicht mehr. „Die Größe der Abteilung hängt von den Aufgaben ab“, sagt Held.

Ein Erfolg wäre es für sie, wenn sich der Compliance-Gedanke in zwei bis drei Jahren bei jedem Mitarbeiter von ERGO als ganz selbstverständlich durchgesetzt hätte, egal ob im Innendienst oder im Außendienst. Denn Compliance ist für sie ein Unternehmensthema, kein Spartenthema. Held ist optimistisch, dass sie dieses Ziel erreicht: „Ich bin gut darin, Leuten zu verkaufen, woran ich selber glaube.“ Aber Held ist auch eine realistische Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, und deshalb räumt sie ein: „Wenn jemand mit krimineller Energie Regeln umgehen will, kann ich ihn nicht aufhalten. Aber ich kann ihm sein Verhalten erheblich erschweren.“


Hauptmenü
Service Menü
Barrierefreiheit

Hinweis


Diese Publikation bieten wir exklusiv Kunden von Munich Re an. Bitte wenden Sie sich an Ihren Client Manager.