Naturkatastrophen 2018

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8. Januar 2019 | Rückversicherung

Medieninformation

Extreme Wirbelstürme, Waldbrände und Dürren verursachten 2018 hohe Schäden aus Naturkatastrophen

  • Schadenträchtiges zweites Halbjahr führte 2018 zu hohen Gesamtschäden aus Naturkatastrophen von 160 Mrd. US$.
  • Die Hälfte der Schäden war versichert, die Schadenbelastung für Versicherer war deutlich höher als im langfristigen Durchschnitt.
  • Bemerkenswert sind klare Hinweise auf einen Einfluss des menschgemachten Klimawandels auf verheerende Waldbrand-Ereignisse in Kalifornien, die 2018 wie schon im Vorjahr zu Milliardenschäden führten.

„2018 war geprägt von mehreren schweren Naturkatastrophen mit hohen versicherten Schäden. Dazu zählen das ungewöhnliche Zusammentreffen schwerer Wirbelstürme in den USA und in Japan sowie verheerende Waldbrände im Herbst in Kalifornien. Derart große Feuer treten durch den Klimawandel offenbar häufiger auf. Daher muss hier bei Baustandards und Landnutzung gehandelt werden, um Schäden zu vermeiden. Insgesamt sollte die Häufung ungewöhnlicher Ereignisse und Zusammenhänge für Versicherer Anlass sein zu prüfen, ob sie Ereignisse wie im Jahr 2018 auf dem Radar ihrer Modelle hatten oder Risikosteuerung und Zeichnungsstrategie anpassen müssen.“

Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands von Munich Re

Die Naturkatastrophen-Bilanz des Jahres 2018 im Überblick:

  • Die Gesamtschäden von 160 Mrd. US$ lagen über dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre (140 Mrd. US$). Sie blieben damit unter der extremen Schadenssumme von 2017 von 350 Mrd. US$, die von Rekordschäden durch Hurrikane geprägt gewesen waren.
  • Die versicherten Schäden lagen mit 80 Mrd. US$ deutlich über dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre (41 Mrd. US$), jedoch unter dem Rekordwert des Vorjahres (140 Mrd. US$).
  • Rund 10.400 Menschen kamen bei Naturkatastrophen im Jahr 2018 bedauerlicherweise ums Leben. Dennoch ist ein Rückgang im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre von 53.000 erkennbar. Dieser seit Jahren beobachtbare Trend kann als Indiz dafür gewertet werden, dass weltweit betrachtet Maßnahmen zum Schutz von Menschenleben zu greifen beginnen.
  • Die tödlichste Katastrophe 2018 war ein sieben Meter hoher Tsunami nach einem Erdbeben nahe der indonesischen Stadt Palu, der am 28. September die Einwohner überraschte. Tausende Gebäude wurden zerstört, etwa 2.100 Menschen starben. Ein weiterer Tsunami traf am Abend des 22. Dezember ebenfalls in Indonesien Küstenregionen der Inseln Sumatra und Java. Die meterhohe Flutwelle wurde vermutlich durch einen Hangrutsch bei einem Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau ausgelöst. Da bisherige Tsunami-Frühwarnsysteme nur auf Erdbeben reagieren, traf die meterhohe Welle die Menschen unvorbereitet. Mindestens 400 Menschen starben.
  • Die kostspieligsten Naturkatastrophen ereigneten sich in USA: Die teuersten Ereignisse waren ein Waldbrand im Norden Kaliforniens („Camp Fire“, Gesamtschaden 16,5 Mrd. US$, versicherter Schaden 12,5 Mrd. US$) und Hurrikan Michael (Gesamtschaden 16 Mrd. US$, davon 10 Mrd. US$ versichert).
  • In Europa war die lange Dürre mit hohen Schäden in der Landwirtschaft und vielen Waldbränden die teuerste Katastrophe. Die direkten Schäden betrugen 3,9 Mrd. US$ (3,2 Mrd. €), wovon nur ein kleiner Teil versichert war. Bis in den Herbst behinderte Niedrigwasser der Flüsse den Gütertransport und damit die Wirtschaft.


Extreme Waldbrand-Saison in Kalifornien - zum zweiten Mal in Folge
In Kalifornien ereigneten sich im Herbst die folgenschwersten Waldbrände der US-Geschichte. Beim so genannten „Camp Fire“ wurde Anfang November die Kleinstadt Paradise am Rand der Sierra Nevada rund 140 Kilometer nördlich von Sacramento weitgehend zerstört. Trockenheit und starke Winde hatten die Ausbreitung des Feuers beschleunigt, das bergige Gelände und begrenzte Zufahrtswege erschwerten die Bekämpfung zusätzlich. Am 8. November wurde die Evakuierung der rund 27.000 Einwohner angeordnet. Dennoch kamen 86 Menschen ums Leben, tausende Häuser und Autos brannten aus. In der Vergangenheit hatten Waldbrände den Ort immer wieder bedroht, das Ausmaß war jedoch nie so gravierend gewesen. Alleine bei diesem Brand entstand ein Gesamtschaden von 16,5 Mrd. US$, davon waren 12,5 Mrd. US$ versichert. Damit war das „Camp Fire“ die teuerste Naturkatastrophe des Jahres.

Beinahe zeitgleich brach bei Los Angeles das „Woolsey Fire” aus, das vor allem in den Hügeln nahe des Prominentenvorortes Malibu wütete. Rund 1.600 Häuser wurden zerstört. Wegen der hohen Gebäudewerte betrug der Schaden 5,2 Mrd. US$, 4 Mrd. US$ waren versichert. Insgesamt trugen Waldbrände in Kalifornien damit Gesamtschäden von 24 Mrd. US$ zur Naturkatastrophen-Schadenbilanz 2018 bei, davon waren etwa 18 Mrd. US$ versichert.

Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re: „Unsere Daten zeigen, dass die Schäden aus Waldbränden in Kalifornien in der jüngeren Vergangenheit fast sprunghaft angestiegen sind. Zugleich kam es zuletzt häufiger als früher zu besonders heißen und trockenen Sommern, was Waldbrände begünstigt. Viele Wissenschaftler sehen darin einen Zusammenhang mit dem fortschreitenden Klimawandel. Dazu kommen menschgemachte Faktoren wie die Besiedelung waldnaher Gebiete. Die Opferzahlen und die Schäden sind immens, daher sind vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Bränden und Schäden wichtig. Auch Versicherer müssen die Schadenzunahmen in ihrem Risikomanagement und der Kalkulation des Risikopreises berücksichtigen.“

Wirbelstürme in USA verursachten ein Fünftel der globalen Schäden
Auch die Wirbelsturmsaison 2018 geht bei globaler Betrachtung als ungewöhnlich in die Statistik ein: Normalerweise ist die Sturmaktivität in den unterschiedlichen Ozeanbecken verschieden. Doch dieses Jahr entstanden in allen Ozeanbecken der Nordhalbkugel mehr Stürme mit mindestens Tropensturmstärke als im Langfristmittel. Bemerkenswert waren eine hohe Zahl von Taifunen, die Japan trafen, und zwei Treffer von Hurrikanen auf das US-Festland. Insgesamt verursachten die Wirbelstürme weltweit Gesamtschäden von 56 Mrd. US$, deutlich mehr als der inflationsbereinigte Langfristdurchschnitt. Von den Schäden war rund die Hälfte versichert.

Im Nordatlantik nahm die Hurrikanaktivität nach einem relativ ruhigen Start Anfang September sprunghaft zu. So genannte El-Niño-Bedingungen, die üblicherweise die Hurrikanentstehung dämpfen, kamen für die Saison 2018 zu spät. Teuerstes Ereignis war Hurrikan Michael, der am 10. Oktober das US-Festland im Nordwesten Floridas erreichte. Mit Windgeschwindigkeiten von 250 km/h war er der bisher viertstärkste jemals gemessene Sturm der USA. Der Gesamtschaden wird auf 16 Mrd. US$ geschätzt. Wegen des hohen Anteils von Sturmschäden waren davon rund 10 Mrd. US$ versichert, da Sturmdeckungen im privaten und gewerblich-industriellen Bereich in den USA weit verbreitet sind.

Dagegen war der versicherte Anteil der Schäden durch Hurrikan Florence deutlich niedriger, der mit extremen Niederschlägen rund drei Wochen vorher die Küste von North Carolina getroffen hatte. Grund ist, dass die Versicherungsdichte gegen Überschwemmungen in den USA sehr niedrig ist und die Schäden bei Florence vor allem durch Hochwasser entstanden: Schätzungsweise 5 Mrd. US$ des Gesamtschadens von 14 Mrd. US$ wurden von Versicherern getragen. Eine höhere Versicherungsdichte gegen Hochwasser wäre sinnvoll, zumal Studien einen begünstigenden Einfluss des Klimawandels auf Starkniederschläge in den Küstenregionen am Golf von Mexiko – wie etwa bei Hurrikan Harvey 2017 – aufgezeigt haben.

Japan von ungewöhnlich vielen Naturkatastrophen getroffen
Japan wurde 2018 sowohl von wetterbedingten wie geophysikalischen Naturkatastrophen schwer getroffen: Mehrere Taifune und zwei Erdbeben verursachten Milliardenschäden.

Während der Taifunsaison trafen oder streiften sieben Stürme die japanischen Inseln. Fünf davon gingen mit Taifunstärke an Land oder näherten sich stark und brachten extreme Niederschläge mit sich. Die Entstehung des zentralpazifischen El Niño, einer Sonderform der Klimaschwankung El Niño, hatte für Zirkulationsverhältnisse gesorgt, die Wirbelsturmtreffer in Japan wahrscheinlicher machten. Folgenreichster Sturm war Taifun Jebi mit Gesamtschäden von 12,5 Mrd. US$, davon waren etwa 9 Mrd. US$ versichert. Damit war dieser Sturm einer der teuersten Taifune in Japan in der Geschichte.

Im Juli wurde nach ungewöhnlichen Regenfällen insbesondere die Region um Hiroshima überschwemmt. Örtlich fielen innerhalb von 10 Tagen fast 2.000 Millimeter (Liter pro Quadratmeter) Regen. Elf Präfekturen mit Schwerpunkt im Südwesten der Hauptinsel Honshu waren von Überschwemmungen und zahlreichen Erdrutschen betroffen. Der Schaden durch das Hochwasser betrug 9,5 Mrd. US$, davon waren 2,4 Mrd. US$ versichert.

Neben den wetterbedingten Katastrophen verursachten zwei Erdbeben in Japan Gesamtschäden von 9 Mrd. US$, knapp 2 Mrd. US$ waren versichert. Insgesamt hielten sich dabei wegen der hohen Baustandards in Japan die Schäden in Grenzen.  

Die Philippinen wurden von Super-Taifun Mangkhut (Ompong) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 km/h getroffen. Mehr als 200.000 Menschen wurden evakuiert, es kamen etwa 100 Menschen bei dem Tropensturm der höchsten Kategorie 5 ums Leben. Trotz der zahlreichen Todesopfer zeigte auch dieses Ereignis, dass rechtzeitige Warn- und Evakuierungsmaßnahmen eine humanitäre Tragödie wie zuletzt durch Taifun Haiyan im Jahr 2013 mit mehr als 6.000 Toten vermeiden können.

In Europa verursachte ein heißer, langer und ungewöhnlich trockener Sommer Milliardenschäden insbesondere in der Landwirtschaft. Nach einem langen Winter herrschten im Frühjahr vielerorts relativ schnell fast sommerliche Temperaturen. In vielen Ländern regnete es monatelang praktisch nicht. Getreide und Feldfrüchte wurden zu früh reif, Grünfutter für Vieh wurde knapp. Vielerorts fiel die Ernte ganz oder teilweise aus. Flüsse führten zu wenig Wasser, so dass sich Güterpreise etwa für Benzin und Diesel drastisch erhöhten, da Schiffe bis in den Herbst hinein nur teilweise beladen werden konnten. Auch dies belastete zahlreiche Unternehmen, die nicht gegen Wetterschwankungen abgesichert waren. In Skandinavien führte die Trockenheit zu extremen Waldbränden.

Die Dürre verursachte direkte Schäden von 3,9 Mrd. US$ (3,2 Mrd. €), in denen indirekte Schäden durch Produktionsausfälle oder teure Rohstoffe nicht enthalten sind. Nur ein Bruchteil der Schäden (280 Mio. US$, 230 Mio. €) war versichert, da sich in vielen Ländern Landwirte oft nur gegen einzelne Gefahren, meist Hagel, versichern. Da die Landwirtschaft Folgen des Klimawandels wie etwa längere Dürreepisoden in Zukunft noch stärker spüren wird, sind Mehrgefahren-Versicherungssysteme sinnvoll, die Dürre mit einschließen. Diese können nur bei einer Kofinanzierung durch die öffentliche Hand gut funktionieren. Einige Länder habe solche Systeme bereits erfolgreich eingeführt, z.B. die USA. Auch in einigen EU-Ländern gibt es eine staatliche Kofinanzierung, und auch Dürre ist in diesen Ländern zum Teil schon versicherbar.



München, 8 Januar 2019

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