
Meteoroiden am Himmel versetzen Menschen in Erstaunen und Schrecken, aber die Folgen eines Einschlags sind meist glimpflich. Überhaupt sind Meteoriteneinschläge auf der Erde sehr selten. Aber sie kommen vor, wie Anfang März 2026. Ein kleiner Gesteinsbrocken raste auf ein Wohnhaus in der deutschen Stadt Koblenz und durchschlug das Dach.
Partikel aus dem All bombardieren die Erde permanent. Die meisten sind nur staubkorngroß und verglühen beim Eintritt in die Atmosphäre wegen ihrer hohen Geschwindigkeit von mehreren zehn Kilometern pro Sekunde – die Sternschnuppen. Größere Brocken sind Meteoroide mit bis zu wenigen Dutzend Metern Durchmesser. Sie erhitzen sich beim Eintritt in die obersten Atmosphärenschichten und zerbersten bereits in der Thermosphäre in mehr als 80 Kilometern Höhe. Reste dieser Objekte, die den Boden erreichen, sind die Meteoriten.
Richtig große Einschläge sind sehr unwahrscheinlich, aber sie können katastrophale Folgen haben. Als im Februar 2013 nahe der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk im Ural ein Meteorit niederging, waren die Schäden erheblich. Der Meteoroid von knapp 20 Metern Durchmesser und vermutlich 12.000 Tonnen Gewicht drang mit einer Geschwindigkeit von 19 km/s in flachem Winkel in die Erdatmosphäre ein. Er explodierte in zirka 30 Kilometern Höhe mit der Wucht von etwa 30 Hiroshima-Bomben. Nach rund drei Minuten erreichte die Druckwelle Tscheljabinsk. An tausenden Häusern zerbarsten Fenster, Trümmerteile verletzten rund 1500 Menschen. Ein mehr als 600 Kilogramm schweres Bruchstück stürzte in den nahen Tschebarkul-See. Alle 50 bis 100 Jahre, so schätzen Wissenschaftler, kann dergleichen passieren. Oft aber bleiben Meteoriteneinschläge folgenlos, da sie auf unbewohntes Gebiet oder Meere treffen.
So gut wie alle Meteoroiden und – noch größere – Asteroiden haben ihren Ursprung im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Man hat bereits mehr als 600.000 Objekte im Asteroidengürtel erfasst und schätzt ihre Gesamtzahl auf 30 Millionen, wovon vermutlich über 25 Millionen kleiner als 100 Meter sein dürften. Die größten Asteroiden sind Ceres, Vestas, Pallas und Hygiea je mit 500 bis 1000 Kilometern Durchmesser. Bei dieser Größe spricht man auch von Planetoiden oder Zwergplaneten. Fast alle befinden sich auf planetenähnlichen Kreisbahnen um die Sonne. Nur wenn einzelne Objekte gravitativ gestört werden, kann es vorkommen, dass sie in Richtung Sonne driften und die Erdbahn kreuzen.
Sehr große Meteoriteneinschläge hinterlassen Krater auf dem Festland. Es gibt auf der Erde etwa 200 nachgewiesene Impaktkrater auf Land. Die ältesten und größten sind viele Millionen Jahre alt. Zu den prominentesten gehören der Barringer Krater in Arizona (Ø 1.2 km, Alter ~50 Tsd. Jahre), das Nördlinger Ries (Ø 24 km, ~15 Mio. Jahre) und vermutlich der berühmteste von allen, Chicxulub auf Yucatan, Mexico (Ø 180 km, 66 Mio. Jahre). Dieser Einschlag, vermutlich von einem Asteroiden mit zehn Kilometern Durchmesser, war so gewaltig, dass das ausgeworfene Material zurück ins All geschleudert wurde, auf die Erde niederprasselte und selbst tausende Kilometer vom Einschlagort entfernt weitere direkte Zerstörung verursachte. Nach heutigem Wissensstand leitete dieser Einschlag das Ende der Dinosaurier ein und zerstörte 90 Prozent allen Lebens auf der Erde.
Unter Wasser in den Meeren lassen sich Krater nur selten finden, da es keine einfachen visuellen Anhaltspunkte gibt, und in Bereichen der Tiefsee mittelgroße Brocken im Meerwasser explosionsartig verdampfen, bevor sie den Meeresboden erreichen würden. Eines der seltenen Beispiele für einen etwa 100 Kilometer großen Krater im Pazifik liegt zirka 1500 Kilometer südwestlich der Südspitze Chiles in etwa 5000 Meter Tiefe. Vor etwa 2,2 bis 2,5 Millionen Jahren muss dort ein Brocken von ein bis vier Kilometern Größe eingeschlagen sein. Er erzeugte einen gewaltigen Tsunami, der in Chile, der Antarktis, in Neuseeland und vermutlich auch in Teilen Australiens nahe dem heutigen Sydney Auflaufhöhen von 40 bis über 100 Meter erreichte. Das ist bis zu viermal höher als durch die stärksten bei Erdbeben erzeugten Tsunamis.
Allgemeine Gefährdungslage durch Meteoriten
Einschläge größerer Asteroiden sind sehr selten. Kleine Ereignisse hinterlassen keine Spuren und auch keinen Schaden, höchstens an Satelliten oder Raumstationen – oder wie nun in Koblenz. Auch besteht auf der Gefährdungsseite keine erhöhte oder akute Bedrohung. Allerdings muss man die Grenzen der Vorhersagbarkeit beachten: Zwar sind etwa 30 Prozent der potenziell gefährlichen Asteroiden erfasst –solche, die im Laufe ihrer Bahnbewegungen der Erde sehr nahekommen können. Jedoch sind die Bahnvorhersagen ständigen kleinen Änderungen unterworfen, die über die Jahre zu großen Abweichungen führen können. Eine weitere Einschränkung der Vorhersagbarkeit betrifft die meist aus Staub und gefrorenen Gasen bestehenden Kometen. Sie stammen zumeist aus den äußeren Bereichen des Sonnensystems und entziehen sich aufgrund ihrer elliptischen Bahnen die längste Zeit (Jahrzehnte bis Jahrhunderte) einer direkten Beobachtung, sodass die meisten Objekte bisher noch nicht entdeckt wurden.
Mögliche Abwehrstrategien und -technologien beziehen sich fast ausschließlich auf den Bereich der Raumfahrttechnik, müssen aber erst noch entwickelt und getestet werden. Bisherige Missionen wie DART 2022 (Anprall einer massereichen Sonde auf dem Asteroiden Dimorphos) zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Ablenkung des Objekts aus seiner Bahn. Weitere Missionen werden folgen. Aber besonders wichtig ist und bleibt die Beobachtung, wozu die für 2027 geplante NEO Surveyor Mission beitragen soll.
Kommt es zu einem Impakt eines Asteroiden oder Kometen, ähneln die Folgen für Objekte von etwa 30 bis 500 Meter Durchmesser denen klassischer Naturgefahren wie Tsunami, Sturm, Feuer, Erdbeben und Vulkanausbruch, jedoch in extremer Ausprägung. Was die Vulnerabilität betrifft, bleiben angesichts der involvierten Energien alle Schutzmaßnahmen auf der Erde weitgehend wirkungslos.
Träfe ein großer Meteorit von 50 bis 100 Metern Durchmesser eine urbane Region, wäre von einem Kumulereignis mit katastrophalen Folgen auszugehen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür auf deutlich weniger als einmal in 3000 Jahren zu schätzen und damit global betrachtet um bis zu hundertfach niedriger als für extremste Schäden durch andere Naturkatastrophen wie Stürme oder Erdbeben.
Bei denkbaren Meteoriteneinschlägen wären viele Sparten der gängigen Versicherungspolicen (All Risks, Feuer, Kasko, Leben etc.) betroffen. In den All-Risks-Policen gilt volle Deckung bei Schäden durch Aufprall, Druckwelle und Feuer. In Named-Perils-Policen – wie die meisten Standard-Wohngebäudeversicherungen – sind dagegen in der Regel Feuerschäden voll gedeckt, nicht aber Schäden durch Aufprall und Druckwelle. Elementargefahrenversicherungen bieten hingegen typischerweise keine Deckung für Meteoriteneinschläge.
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