Konzerngeschichte -1946 bis 1969

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Unternehmen

Auf dem Weg zurück an die Spitze (1946 bis 1969)

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt für Munich Re die wirtschaftlich schwierigste Phase ihrer bisherigen Unternehmensgeschichte. Durch Prozesse gegen Vorstandsmitglieder, den Verlust des Auslandsvermögens, das Verbot aller Geschäfte mit ausländischen Partnern und die vollständige Entwertung sämtlicher deutscher Staatsanleihen ist die Lage zunächst existenzbedrohend.

Die Situation ändert sich erst, als die westlichen Alliierten 1950 das Verbot von Auslandsgeschäften aufheben. Munich Re gelingt in kurzer Zeit die Rückkehr an den Weltmarkt. Das Unternehmen gründet neue Tochtergesellschaften und Außenstellen in den USA, Kanada, Asien und Südafrika. Auch im Inland springt die Wirtschaft wieder an und sorgt bis weit in die 1960er-Jahre hinein für stetiges Wachstum.

1946 – Prozess gegen Munich Re Manager
Im Juni 1946 erhebt die US-Militärregierung Anklage gegen alle Vorstandsmitglieder und Direktoren, die im Juli 1945 die Erklärung über das Auslandsvermögen der Gesellschaft unterzeichnet haben. Kurt Schmitt und Alois Alzheimer gehören nicht dazu, da sie von der Militärregierung zuvor bereits suspendiert und entlassen worden waren. Am 8. August fällt die Entscheidung: Zwei Direktoren sowie die Vorstandsmitglieder Gustav Mattfeld, Hans Oldenburg und Georg Paul werden verhaftet und zu Freiheitsstrafen verurteilt. Zudem muss Munich Re eine Geldstrafe von 4 Mio. Reichsmark zahlen. Die Inhaftierten werden 1947 vorzeitig entlassen.

1947 – Verbot jeglicher Auslandsbetätigung
Das Kontrollratsgesetz Nr. 47 vom 10. März verbietet deutschen Rückversicherern jegliche Betätigung im Ausland.

1948 – Währungsreform
Mit der Umstellung von Reichsmark auf Deutsche Mark schrumpft das Eigenkapital der Gesellschaft von rund 40 Mio. RM auf 26 Mio. DM. Durch die Entwertung aller deutschen Staatsanleihen, den Verlust des Auslandsvermögens und die Währungsreform ergibt sich zum Stichtag der DM-Eröffnungsbilanz am 21. Juni ein Fehlbetrag von etwa 36 Mio. DM, der bilanztechnisch durch Ausgleichsforderungen an die Bank deutscher Länder gedeckt wird.

1950 – Alois Alzheimer übernimmt den Vorstandsvorsitz
Alois Alzheimer kehrt nach Abschluss seines Entnazifizierungsverfahrens im August 1948 in den Vorstand zurück. Nach dem Tod von Eberhard von Reininghaus im Oktober 1950 übernimmt er das Amt des Vorstandsvorsitzenden und leitet die Geschäfte von Munich Re bis Ende 1968.

Alois Alzheimer: Vorstandsvorsitzender von 1950 bis 1968, Aufnahme aus den 1960er Jahren

1950 – Wiederaufnahme der Auslandsgeschäfte
Die westlichen Besatzungsmächte gestatten deutschen Rückversicherern 1949 in eingeschränktem Rahmen wieder den Abschluss von Verträgen mit ausländischen Kunden. Im September 1950 fallen alle Beschränkungen. Die Rückkehr auf den internationalen Versicherungsmarkt beginnt. Munich Re schließt innerhalb eines Jahres Verträge mit Versicherern in Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Portugal, Schweden, der Schweiz und Spanien sowie mit Kunden in Indien und Pakistan.

1953/54 – zurück in der Gewinnzone
Das Geschäftsjahr 1950/51 bringt erstmals wieder einen verhältnismäßig geringen Gewinn von rund 1 Mio. DM. In den Folgemonaten verbessert sich die Ertragslage schnell. Bereits im Geschäftsjahr 1953/54 übertreffen die Bruttoprämieneinnahmen mit 274 Mio. DM das bis dahin höchste Prämienvolumen von 1943/44.

1959 – Firmengründung in den USA
Da die Rückversicherung von Lebens- und Sachversicherern nach amerikanischem Recht institutionell getrennt sein muss, gründet Munich Re im Dezember 1959 eine Lebensrückversicherungstochter in den USA: die Munich American Reassurance Co. mit Sitz in Atlanta.

1960 – Firmengründung in Kanada
Gründung der Munich Reinsurance Company of Canada in Montreal.

1962 – Sturmflut in Hamburg
Die Hamburger Sturm- und Flutkatastrophe im Februar 1962 belastet die Bilanz von Munich Re mit der höchsten Schadensumme seit dem Erdbeben von San Francisco. Die Nettozahlungen belaufen sich auf knapp 18 Mio. DM.

1962 – Munich Re macht sich in Asien stark
Um ihre Präsenz in Südostasien auszubauen, prüft Munich Re ab 1961 die Voraussetzungen zur Eröffnung von Außenstellen in mehreren Regionen. 1962 fällt die Entscheidung für Hongkong. Die Lizenz wird im Dezember 1962 erteilt.

1967 – erste Repräsentanz in Japan
Munich Re eröffnet in Tokio ein Liaison Office. Die Mitarbeiter betreuen Kunden in allen Fragen der Sach- und Lebensversicherung. Mit der neuen Außenstelle ist Munich Re im japanischen Markt nun stärker vertreten als jeder andere ausländische Rückversicherer.

1968 – Munich Re in Afrika
Mit dem Ziel, das Afrikageschäft auszubauen, gründet Munich Re 1968 eine selbstständige Tochtergesellschaft im rassistisch regierten Südafrika: die Munich Reinsurance Company of South Africa (MRSA) in Johannesburg. Wirtschaftlich ist Südafrika zu diesem Zeitpunkt das wichtigste Land des Kontinents. Dies spricht für eine Gründung, Bedenken wegen der Apartheidspolitik gibt es offenbar nicht.

1969 – Horst K. Jannott wird Vorstandsvorsitzender
Im Alter von 40 Jahren tritt Horst K. Jannott die Nachfolge des 67-jährigen Alois Alzheimer an und übernimmt das Amt des Vorstandsvorsitzenden. Er leitet die Geschäfte von Munich Re bis zu seinem Tod im Februar 1993.

Horst Jannott: Vorstandsvorsitzender von 1969 bis 1993, Aufnahme aus den 1980er Jahren


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