Best-Estimate-Raten in der Lebensversicherung
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Unternehmensspezifische Daten
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Homogene Risikogruppen
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Rohe Best-Estimate-Raten
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Best-Estimate-Raten
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Abb. 1: Verfahren zur Ableitung von Best-Estimate-Raten in Leben
Die unternehmensspezifischen Best-Estimate-Mortalitäts- und -Morbiditätsraten bilden die Grundlage für die Hochrechnung realistischer Zahlungsströme für Leistungsfälle. Abgesehen von Solvency II finden Best-Estimate-Raten noch bei verschiedenen anderen Aufgaben eines Lebensversicherers Anwendung, z. B. Embedded Value, IFRS, Monitoring, Pricing, Reservierung und Profit Testing. Diese Aufgaben sind überwiegend mit dem "aktuariellen Kontrollzyklus" verknüpft, der es den Lebensversicherern erlaubt, die Best-Estimate-Raten – und damit die Ertragserwartung und den Embedded Value des Portfolios – zu überwachen und zu steuern.
Die Best-Estimate-Raten in der Lebensversicherung werden in unternehmenseigenen Sterblichkeits- und Morbiditätstafeln dokumentiert. Die Tafeln werden aus historischen Unternehmensdaten oder einer Kombination aus Unternehmens- und Marktdaten statistisch abgeleitet. Hierzu ist es sinnvoll, das Portfolio des Versicherers in homogene Risikogruppen zu unterteilen. Die statistische Auswertung dieser homogenen Risikogruppen ergibt rohe Best-Estimate-Raten, die je nach Datenvolumen eine unterschiedliche Volatilität aufweisen. Daher kommen aktuarielle Verfahren zum Einsatz (z. B. Glättungsverfahren und Vergleiche mit Referenztafeln), um endgültige Best-Estimate-Raten abzuleiten, welche die Realität möglichst gut abbilden.
Wenn man Portfolios in homogene Risikogruppen unterteilt und Best-Estimate-Raten ableitet bzw. hiermit arbeitet, sind verschiedene Punkte zu berücksichtigen:
Risikofaktoren
Ein Risikofaktor ist ein Merkmal, das statistisch mit dem Sterblichkeits- oder Morbiditätsrisiko verknüpft ist, wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus oder Lebensstil. Aber es gibt noch viele weitere Risikofaktoren. Sie wirken sich ggf. erheblich auf die Best-Estimate-Raten aus und sollten in die unternehmenseigenen Best-Estimate-Analysen einfließen, sofern die hierzu notwendigen Daten verfügbar sind. Hier einige Beispiele:
Alter und Geschlecht
Alter und Geschlecht bilden wesentliche Risikofaktoren bei Sterblichkeit und Morbidität. So ist beispielsweise die Sterblichkeit bei Frauen niedriger als bei Männern und verläuft anders. Die Grafik veranschaulicht dies.
Sterbetafel 2002/2004 Deutschland, nach Alter und Geschlecht
Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2005
Raucherstatus
Sterblichkeit und Morbidität variieren je nach Raucherstatus. Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung. Für die Bestimmung von Best Estimates sollten Raucher und Nichtraucher separat betrachtet werden.
Familienstand
Möglicherweise zeigen die Beobachtungen, dass die Sterblichkeit bei Verheirateten niedriger ist als bei Singles. Dies könnte darauf zurückzuführen zu sein, dass in einer Ehe gesunde Verhaltensweisen gefördert und Risiken wie Trinken, Rauchen oder Drogenmissbrauch weniger zum Tragen kommen. Verheiratete verfügen in der Regel auch über ein höheres Familieneinkommen, was ebenfalls zu niedrigeren Best-Estimate-Sterblichkeitsraten beitragen könnte.
Sozioökonomische Gesichtspunkte
Einkommen, Bildung und Wohlstand sind ebenfalls mit der Sterblichkeit korreliert. Bei einer Best-Estimate-Analyse kann es sinnvoll sein, die folgenden Faktoren zu berücksichtigen (sofern die entsprechenden Daten im Unternehmen verfügbar sind):
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Beruf
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Einkommen
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Versicherungssumme
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Postleitzahl
Die Postleitzahl kann ersatzweise als Indikator der sozioökonomischen Stellung dienen, da bei der Bevölkerung eines bestimmten Postleitzahlenbereichs Ähnlichkeiten in Bezug auf die sozioökonomische Stellung zu vermuten sind.
Qualität der Risikoprüfung
Die medizinische und die finanzielle Risikoprüfung dient als Instrument gegen Antiselektion in der Lebensversicherung. Neugeschäft weist in der Regel geringere biometrische Risiken auf als älteres Geschäft. Die Dauer und das Ausmaß dieses Selektionseffekts variieren mit der Qualität der Risikoprüfung.
So müssen beispielsweise Policen mit hohen Versicherungssummen detaillierte Risikoprüfungsstandards erfüllen, was gewöhnlich niedrigere Best-Estimate-Raten zur Folge hat.
Vertriebsweg
Die Höhe der Best-Estimate-Raten kann je nach Vertriebsweg variieren. So könnte es sich beispielsweise zeigen, dass Abschlüsse über unabhängige Finanzberater ein anderes Sterblichkeitsniveau aufweisen als Policen, die über das Internet zustande kommen.
Produkttypen
Die Best-Estimate-Raten hängen von den individuellen Merkmalen eines Produkts ab. Wenn daher mehrere Produkte analysiert werden, spielen die Produktmerkmale eine wichtige Rolle, um homogene Risikogruppen zu bilden. Für die Eingruppierung von Produkten ist natürlich entscheidend, dass ausreichendes Datenmaterial vorliegt. Interessante Produktmerkmale sind hierbei die Art der Risikoprüfung, der Vertriebsweg, die Policenbedingungen und die Policenlaufzeit.
Datenqualität und Beobachtungszeitraum
Die Qualität der historischen Daten, die zur Bestimmung der Best-Estimate-Raten verwendet werden, ist für deren Aussagekraft entscheidend. Dreh- und Angelpunkt ist daher eine gute Datenbasis. Die Ableitung von Best-Estimate-Raten in Bezug auf die Morbidität ist normalerweise schwieriger als in Bezug auf die Sterblichkeit, da die Datenbasis bezogen auf Morbidität häufig weniger umfangreich ist.
Die Periode der zu analysierenden Daten sollte einerseits ausreichend lang sein, um eine entsprechende Zuverlässigkeit zu gewährleisten, andererseits auch nicht zu lang, da es sonst aufgrund von Prozess- oder Systemänderungen zu Verzerrungen kommen kann. In Bezug auf die Sterblichkeit ist ein Beobachtungszeitraum von drei bis fünf Jahren sinnvoll. Auch das Enddatum des Beobachtungszeitraums kann Auswirkungen auf die Ergebnisse haben. Es sollte einerseits weit genug zurück liegen, um sicherzustellen, dass alle Schadenfälle bereits gemeldet wurden, und andererseits aktuell genug sein, um die Gültigkeit der Best Estimates zu gewährleisten.
Bei der Bestimmung der Best-Estimate-Raten für langfristiges Geschäft sind Schadentrends zu berücksichtigen. Künftige Best-Estimate-Raten unterscheiden sich gegebenenfalls von den heutigen, z. B. aufgrund besserer medizinischer Versorgung. Für eine Analyse von Sterblichkeitstrends ist jedoch in der Regel ein Verlaufshorizont von 10 bis 20 Jahren erforderlich.
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