2. Ergebnisse der praxisbezogenen Rückversicherungsanalysen
2.1 Kurzbeschreibung der Mustergesellschaft
Ausgewählte Kennzahlen:
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europäischer, mittelgroßer Mehrspartenversicherer (fünf Sparten, etwa hälftig: Long-Tail-/Short-Tail-Geschäft) mit einer jährlich verdienten Bruttoprämie von 120 Mio €
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142 Mio € Kapitalanlagen (davon 20 % Aktien, 70 % Anleihen, 10 % Immobilien)
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120 Mio € bilanzielle Bruttoschadenrückstellungen
Rückversicherungspolitik:
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diverse Working-Excess-of-Loss-Verträge (XL), eine Quote, zusätzlich eine Naturkatastrophenabsicherung (NatCat-XL) für Sturm und Überschwemmung
2.2 Vorgehen bei der Analyse
Erstellt man eine ökonomische Bilanz mit Marktwertbetrachtung der Anlagen und der versicherungstechnischen Verbindlichkeiten, lässt sich das anzurechnende Eigenkapital ermitteln (Available Solvency Margin). Kalkuliert man dann unter Berücksichtigung von Diversifikationseffekten den anteiligen Kapitalbedarf aus der Versicherungstechnik, das Marktrisiko für Kapitalanlagen sowie das Ausfallrisiko von Rückversicherung und berücksichtigt man das Kapital für das operationale Risiko, erfährt man den Bedarf an Risikokapital (Solvency Capital Requirement). Die Solvenzquote ergibt sich, wenn man die beiden Größen dividiert.
Vereinfachte ökonomische Bilanz der Mustergesellschaft nach QIS 3:
156,7 Mio. €
Marktwert Vermögen
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52,2 Mio. € ASM
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Solvenzquote = 130,6 %
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104,5 Mio. €
Marktwert Verbind- lichkeiten
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Ausgehend von der Rückversicherungsstruktur folgten Sensitivitätsanalysen, indem man jeweils eine Rückversicherungsdeckung aus dem gesamten Rückversicherungsprogramm herausnahm. Während man die anderen beließ, untersuchte man sowohl die Auswirkungen eines Working XL als auch einer Quote. Die Auswirkungen eines NatCat-XL lassen sich im QIS 3-Modell, ausgehend von der Versicherungssumme, separat und unabhängig von der historischen Zeitreihe berechnen.
2.3 Ergebnisse
Um die Ergebnisse einordnen zu können, muss man wissen, wie Diversifikation im Standardansatz wirkt.
2.3.1 Wirkungsweise der Diversifikation auf mehreren Ebenen
Rechenbeispiel: Weglassen eines Working XL aus dem Rückversicherungsprogramm
Das Beispiel zeigt, dass das Risikokapital für das Prämien- und Reserverisiko (SCR(p,r)) ohne Working XL um 2,1 % steigt; die Solvenzquote verringert sich nur um 0,5 %. Der Rückversicherungsvertrag wirkt sich positiv auf die Solvabilität aus.
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Base Case (Netto)
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Beispiel 1: Ohne WXL Sparte 1
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Differenz
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SCR(p,r)
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32.055 |
32.727 |
2,1 % |
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SCR(gesamt)
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39.941 |
40.549 |
1,5 % |
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Solvenzquote
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130,6 %
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130,0 %
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- 0,5 %
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Die Wirkung des Working Xl hängt jedoch stark von seinen Parametern und den unternehmensindividuellen Schadenquoten der letzten 15 Jahre ab. Dennoch kommt die Kapitalentlastung, die auf unterer Ebene in einer Versicherungssparte wirkt, analog zum Risiko letztlich bei der Solvenzquote nur zum Teil an (‚Abschwächungseffekt’). Dies liegt hauptsächlich an der Diversifikation, die auf mindestens drei Stufen greift: zwischen den Sparten durch die in QIS 3 vorgegebene Korrelationsmatrix (1), innerhalb der Versicherungstechnik mit NatCat-Gefahren (2) sowie in der Solvenzberechnung SCR(gesamt) mit allen anderen Risikokategorien (3).
Die Abbildungen zeigen die Höhe der Kapitalbelastung bzw. Entlastung durch Diversifikation (rot):
Nimmt man den Quotenvertrag heraus, tritt prinzipiell der gleiche Abschwächungseffekt wie beim Working-XL-Vertrag ein.
2.3.2 Historischer Verlauf des Rückversicherungsschutzes sowie Änderungen der Rückversicherungsstruktur bzw. -konditionen
Das Ergebnis der Solvenzquote ist u. a. abhängig von der Inanspruchnahme einer Rückversicherungsdeckung in einem Zeitraum von 15 Jahren. Bei Schadenereignissen mit Wiederkehrperioden über 15 Jahre ist der Einfluss der Schadenzahlungen in den Netto-Schadenquoten zu prüfen, da sich Verzerrungen ergeben können (abhängig vom "zufallsbedingten" Schadeneintritt).
Will man die historischen Netto-Schadenquoten auf eine geänderte Rückversicherungsstruktur übertragen, so ist zu prüfen, wie weit sie die Aussagekraft der Solvenzquote verzerren: Die Aussagekraft ist umso geringer, je kurzfristiger die Umstellungen erfolgt sind. Eine näherungsweise Abbildung der Änderungen müssten mit "As-if Berechnungen" zurückgerechnet werden. Das Verfahren ist sehr aufwendig, und überdies ist noch nicht absehbar, ob und wie die Regulierungsbehörde derartige Berechnungen anerkennt.
Eine erhebliche Entlastung im Großschadenfall kann für den Erstversicherer aus risikotheoretischer Sicht eine übergreifende Deckung (z. B. Mehrsparten-Stop-Loss Vertrag) bringen. Derartige Vertragskonstruktionen sind aber nicht darstellbar, da man die Sparten mit ihren Schadenquoten nur einzeln betrachten, aber nicht verknüpfen kann.
2.3.3 NatCat-XL
Der Kapitalbedarf für den Bereich Naturgefahren ist beträchtlich. So greift im Gegensatz zu der Spartenberechnungsmethodik mit Prämien und Reserven das deutsche QIS 3-Modell bei NatCat-Gefahren auf eine Marktschadenkurve zurück, wobei die Rückversicherungshaftstrecke voll anzurechnen ist. Daher wirkt ein NatCat-XL stark entlastend, wobei ein Abdecken des 200-Jahres-Schadens naturgemäß die höchste Wirkung auf die Solvenzquote entfaltet.
2.4 Lohnt die Verteilung auf mehrere Rückversicherer (Diversifikation)?
Auf einen kurzen Nenner gebracht: Das Rating ist wichtiger als die Anzahl der Rückversicherungsunternehmen. Folgende Beispiele illustrieren das:
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Beispiel 1 (ein RVU mit AA Rating)
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| Rückversicherer M - Rating AA |
Ausfall-Kosten = 30.000.000 EUR |
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Beispiel 2 (mehrere RVU mit AA Rating)
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| Rückversicherer X - Rating AA |
Ausfall-Kosten = 10.000.000 EUR |
| Rückversicherer Y - Rating AA |
Ausfall-Kosten = 10.000.000 EUR |
| Rückversicherer Z - Rating AA |
Ausfall-Kosten = 10.000.000 EUR |
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Beispiel 3 (ein RVU mit schwächerem Rating)
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| Rückversicherer X - Rating AA |
Ausfall-Kosten = 10.000.000 EUR |
| Rückversicherer Y - Rating AA |
Ausfall-Kosten = 10.000.000 EUR |
| Rückversicherer Z - Rating A |
Ausfall-Kosten = 10.000.000 EUR |
Ergebnis:
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Die Höhe des SCR (Ausfall) bemisst sich nach dem Rating und der Anzahl der Anbieter.
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Die Anzahl der Rückversicherer diversifiziert nur innerhalb einer Ratingkategorie.
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Niedrigere Ratings einzubeziehen hat einen Kapitalaufschlag zur Folge.
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Die Höhe der absoluten Kapitalbelastung ist im Vergleich zu anderen Risikokategorien gering.
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