10. August 2009

Wasser marsch!

Brasilien deckt seinen Bedarf an elektrischer Energie zu fast 80 % aus Wasserkraft. Viele weitere Anlagen sind in Planung und im Bau. Die Münchener Rück unterstützt sowohl Bauunternehmen als auch Betreiber mit ihrer Expertise und innovativen Versicherungslösungen.

Zusammen mit Norwegen, Kanada und Österreich gehört Brasilien zu einer Gruppe von Ländern, die ihre Energie überwiegend aus Wasserkraft erzeugen. Im Jahr 2005 deckten brasilianische Wasserkraftwerke ca. 93 % des gesamten Energiebedarfs des Landes ab, während im Vergleich dazu der Anteil dieser Anlagen an der installierten Leistung sämtlicher Kraftwerke in Brasilien bei 77 % oder 85.700 MW lag. Das entspricht etwa der Leistung von 85 Kernkraft werken. Zwischen 1970 und 2003 überstieg die Wachstumsrate der Energieerzeugung aus Wasserkraft in Brasilien das durchschnittliche weltweite Wachstum auf diesem Gebiet um das Zweieinhalbfache. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von 6,4 %.

Besonders für Schwellenländer wie Brasilien spielt die Wasserkraft eine entscheidende Rolle. Das hat mehrere Gründe: Der Energiebedarf der Schwellenländer steigt stetig an, und wer nur wenige Öl- oder Gasvorkommen besitzt, muss sich auf verfügbare Kohle oder erneuerbare Energien konzentrieren. Glücklich schätzen können sich die Länder, die über die entsprechenden hydro- und geologischen Voraussetzungen für Wasserkraft verfügen und deren geringe Bevölkerungsdichte den Bau von Wasserkraftwerken ohne große Umsiedlungsaktionen oder den Verlust von Kultur- oder wertvollem Naturraum erlaubt.

Wasserkraft ist weltweit die wichtigste erneuerbare Energiequelle. Zwar sind die Investitionskosten für Wasserkraftwerke vergleichsweise hoch, doch aufgrund der langfristig niedrigen Betriebskosten, der sehr geringen Emissionen, des hohen Wirkungsgrads von nahezu 90 % und der hohen Laufzeiten bis zu 100 Jahren erweist sich die Wasserkraft als wahrlich nachhaltige erneuerbare Energiequelle.

Im Jahr 2005 produzierten Wasserkraftwerke in Brasilien nach Angaben von EnterPrise of Energetic Research (EPE) 340,5 TWh. Eine im November 2008 vorgestellte Studie der Fundação Getúlio Vargas (FGV) und des Consulting-Unternehmens Ernst & Young prognostiziert, dass Brasilien im Jahr 2030 mit einem Energiebedarf von 1.072 TWh/a der weltweit fünftgrößte Stromverbraucher sein wird.

Damit die stetig wachsende brasilianische Volkswirtschaft den steigenden Bedarf nach Energie decken kann, werden weitere Wasserkraftwerke errichtet. 706 Wasserkraftanlagen bestehen bereits, im Jahr 2008 sind weitere 89 Anlagen im Bau. 258 Anlagen wurden genehmigt oder sind in fortgeschrittener Planung. Und das ist erst der Anfang: Gerade einmal 30 % des riesigen Landes mit seinen gewaltigen Flüssen sind bisher auf Wasserkraftnutzung erforscht, im Norden und im mittleren Westen des Landes (Amazonas- und Tocantin-/Araguaiabecken) gibt es noch viele unerschlossene Gebiete mit immensem Potenzial.

Komplizierte Genehmigungsprozesse erschweren die Planungssicherheit

So effizient sie auch sein mögen – der Bau von Wasserkraftwerken ist unabhängig von ihrer Größe immer ein deutlicher Eingriff in die Natur. Natürliche Flusslandschaften werden in Mitleidenschaft gezogen, der Lebensraum der Einwohner, Tiere und Pflanzen wird verändert. Damit die Wasserkraftwerke an ökologisch sinnvollen Orten gebaut werden, sind zunächst entsprechende Untersuchungen durchzuführen, und es muss eine ökologisch begründete Genehmigung der Umweltbehörde vorliegen. In Brasilien stellt sich für Bauherren und Investoren von Wasserkraftwerken hier oft schon die erste Hürde in den Weg. Der Genehmigungsprozess ist kompliziert und langwierig, das reduziert die Planungssicherheit der Betreiber und der Investoren. Während des Baus der Wasserkraftanlagen sind die künftigen Betreiber vor allem mit hydrologischen und geologischen Risiken konfrontiert. Da oftmals die hydrografischen Daten für den geplanten Standort fehlen oder unzureichend sind, müssen Daten von ähnlichen Standorten herangezogen und über mathematische Verfahren für den geplanten Standort hochgerechnet werden. Das kann dazu führen, dass hydrografische und geologische Gegebenheiten unterschätzt werden, dies aber erst während des Baus und der Montage der Anlagen bemerkt wird. Gerade bei kleinen Wasserkraftanlagen bewegen sich immer mehr Entrepreneure in den Markt, die zum Teil recht wenig Erfahrung mit dem Bau derartiger Projekte mitbringen. Oftmals wird an den relativ hohen Kosten für Baugrund- und hydrologische Untersuchungen – eine unbedingte Voraussetzung für die Errichtung von Wasserkraftwerken – gespart. Auch hieraus ergeben sich Risiken, die gesamte Projekte bedrohen können.

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