19. Mai 2008, Autoren Dr. Ingrid Königbauer und Derek Proff
Gesundheitsmarkt – Die Marktteilnehmer intelligent managen
Der Gesundheitsmarkt ist ein Wachstumsmarkt par excellence. Ein Blick auf die Ausgaben dieses Sektors demonstriert dies eindrucksvoll – sie wachsen weltweit deutlich schneller als die gesamtwirtschaftliche Leistung. Das gilt nicht nur für hoch entwickelte Volkswirtschaften, auch auf den Emerging Markets fließt ein immer größerer Teil des Sozialprodukts in den Gesundheitssektor.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen ist der Gesundheitsmarkt nicht dem freien Spiel der Märkte ausgesetzt. Eine Vielzahl staatlicher Regulierungen schaltet die Marktkräfte weitgehend aus.
Das ist aber nur eine Ursache dafür, dass die Ausgaben kräftig steigen. Die übrigen Gründe sind weltweit ähnlich: Wachsender Wohlstand und Überalterung der Bevölkerung auf der Nachfrageseite treffen auf der Angebotsseite auf wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt, der neue und teure Behandlungsmöglichkeiten erlaubt. Hinzu kommt eine asymmetrische Informationsverteilung zwischen den beteiligten Akteuren. So können Häufigkeit und Länge von Behandlungen künstlich erhöht werden, weil Patienten nicht objektiv beurteilen können, ob sie medizinisch notwendig sind – man spricht von "supplier induced demand". Und Patienten fragen häufig zu viel Leistungen nach, weil sie nicht den vollen Preis tragen müssen – dieses Verhalten wird mit "moral hazard" bezeichnet.
Krankenversicherungssysteme am Limit
Die staatlichen Krankenversicherungssysteme können die steigende Belastung nicht mehr tragen und reduzieren schrittweise ihre Grundabsicherung. Deshalb müssen die Versicherten immer mehr Leistungen selbst finanzieren oder über private Krankenversicherungen abdecken. Für private Krankenversicherer eröffnen sich dadurch enorme Wachstumschancen, denen jedoch erhebliche Risiken gegenüberstehen.
Damit Leistungen und Kosten nicht ausufern, müssen sie kontrolliert und aktiv gemanagt werden. Der Trend geht in Richtung stärkere Spezialisierung. Versicherer müssen ihre Rolle vom Risikoträger zum aktiven Risikomanager erweitern. Das führt bis hin zur vertikalen Integration von Kliniken und anderen Leistungserbringern. Strategien, mit denen man Profitabilität und Nachhaltigkeit des Geschäfts sichern kann, sind gefragter denn je.
Mit Produkten wirksam steuern
Ein zentraler Erfolgsfaktor für das Geschäft bilden Instrumente, die das Verhalten der Akteure positiv beeinflussen. Dazu zählen Produkte, die Versicherungsnehmer aktiv und intelligent in die Kosten einbinden, zum Beispiel ein "Health Premium Fund". Er besteht aus zwei Komponenten: einer klassischen Krankenversicherung, um definierte Großschäden zu decken, und einem individuellen Fonds, um die übrigen medizinischen Leistungen zu finanzieren. Der Kunde wird für kostengünstiges Verhalten belohnt, indem er eine Prämienrückgewähr der Beitragsanteile erhält, die in den Fonds geflossen sind. Alternativ kann er den verbleibenden Anteil zur Investition im Fonds belassen und damit zur Kapitalaufstockung verwenden. Die Versicherung kann die Konditionen so ausgestalten, dass der Kunde einen Anreiz erhält, das Kapital im Unternehmen zu belassen. Deshalb eignet sich ein "Health Premium Fund" auch hervorragend zur Kundenbindung. Staatliche Förderungen wie Steuerbefreiung von Prämien und Investitionsgewinnen können dieses Konzept zusätzlich attraktiv machen.
Solche Produkte fallen unter die Kategorie Consumer Driven Health Plans. Wie eine aktuelle Studie von CIGNA (Choice Fund Experience Study, 2007) zeigt, konnte mithilfe solcher Konzepte der Anstieg der medizinischen Kosten im Vergleich zu traditionellen Managed-Care-Produkten in den USA um mehr als die Hälfte reduziert werden. Je nach Markt- und Kundenbedarf können die Bausteine flexibel gestaltet werden.
Prävention und Disease-Management
Ein Großteil der Gesundheitsausgaben geht auf Volkskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf- Erkrankungen zurück, die ihre Ursache oft in ungesundem Lebensstil haben. Mithilfe geeigneter Programme können Krankenversicherer die Kosten vieler chronischer Krankheiten vermeiden oder zumindest reduzieren. Die Münchener-Rück-Gruppe hat für den deutschen Markt ein neues Konzept entwickelt: Es kombiniert Gesundheitsprogramme mit einer rückversicherten Leistungsgarantie.
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