Song-Song Liao
Schritte zu mehr Stabilität?
Bislang wurde das Krankenversicherungsgeschäft in China vorwiegend von Lebensversicherern gezeichnet. Die sprunghaft gestiegene Marktnachfrage und das positive aufsichtsrechtliche Umfeld fachten das Interesse der Lebensversicherer für die Krankenversicherung stark an.
In jüngerer Zeit wurde jedoch aufgrund der ungünstigen Erfahrung mit Gruppenpolicen, insbesondere bei Krankenversicherungszusatzprodukten, die weitere Hinwendung der Lebensversicherer zum Krankengeschäft gebremst. Dies warf für das Versicherungsgeschäft die hochaktuelle Frage auf, wie man die Krankenversicherung professionell steuern kann, um profitable Ergebnisse zu erzielen.
Professionelles Krankenversicherungsmanagement beginnt mit der Erkenntnis, dass die Erfordernisse für die Steuerung von Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft häufig voneinander abweichen und konträren technischen Grundsätzen unterliegen. Wenn wir die bedeutsamen Unterschiede zwischen diesen beiden Deckungsformen erkennen, verstehen wir auch, warum wir sie unterschiedlich oder sogar getrennt steuern müssen. Nachstehend erläutern wir mehrere grundlegende Merkmale der Krankenversicherung, die jeder Versicherer vor der Aufnahme dieses Geschäfts differenziert betrachten sollte.
Intensive Betreuung
Einen grundlegenden Unterschied zwischen Leben und Kranken bildet das Versicherungsrisiko. Ein ideales Versicherungsrisiko zeichnet sich im Allgemeinen durch die folgenden vier Merkmale aus: 1. geringe Schadenhäufigkeit (das versicherte Ereignis tritt nicht oft ein), 2. hohes Schadenpotenzial bzw. hohe Schadenforderung (die Versicherungssumme wird für einen hohen Dollarbetrag abgeschlossen - folglich wird die Sache/das Ereignis/die Person versichert, da ein Ersatz teuer bzw. nahezu unmöglich wäre), 3. Versicherungsnehmer, die daran interessiert sind, Schäden zu vermeiden (der Versicherte möchte nicht, dass das Ereignis eintritt, wobei hier die Frage der Versicherungsdeckung ins Spiel kommt) und 4. das Fehlen einer Einflussmöglichkeit des Versicherten oder von Dritten auf die Kosten, wenn der Versicherungsfall eingetreten ist.
Speziell Leben gehört in diese Kategorie der Versicherungsrisiken: 1. Eine Person stirbt nur einmal. 2. Es entsteht ein hoher Versicherungsanspruch, wenn Leistungen aus einer Lebensversicherungspolice fällig werden. 3. Eine Person möchte nicht sterben und will somit Schadenforderungen vermeiden. 4. Wenn die Leistung beansprucht wird, haben die Anspruchsteller keinen Einfluss auf die Höhe der Schadenforderung.
Die Lebenserwartung eines gesunden Menschen, bei dem keine risikoerhöhenden Umstände vorliegen, ändert sich nicht wesentlich, wenn diese Person eine Lebensversicherung abschließt. Demgegenüber sind Krankenversicherungsrisiken nicht annähernd so gut zu versichern. Neben den relativ niedrigeren Kosten und der höheren Schadenfrequenz kommt erschwerend hinzu, dass die Dienstleister des Gesundheitswesens wissen, dass es für sie leichter ist, ihr Honorar von krankenversicherten Patienten zu bekommen.
Wenn ein Versicherungsfall eingetreten ist, haben zudem der Versicherungsnehmer und der Versicherer keine gemeinsame Interessenslage mehr. Wenn mit der Behandlung einer Erkrankung begonnen wurde, wünscht der Versicherungsnehmer natürlich eine möglichst umfassende Versorgung und verlangt nach Alternativen und Behandlungsoptionen - damit begibt er sich gewissermaßen in eine gegnerische Position zum Versicherer. Folglich zählt die Krankenversicherung auf einer Bewertungsskala von gut bis schlecht eindeutig zum Spektrum der schlechten Versicherungsrisiken.
Da bei der Krankenversicherung wie oben aufgeführt subjektive Aspekte eine Rolle spielen, streben die Versicherungsnehmer nicht nur eine finanzielle Absicherung an. Der Versicherer soll sie weitgehender betreuen, sie an geeignete Ärzte oder Kliniken verweisen, und ihnen bei Bedarf die bestmögliche medizinische Behandlung zu bezahlbaren Tarifen zur Verfügung stellen.
Deshalb müssten die Krankenversicherer gute Beziehungen zu den Dienstleistern des Gesundheitswesens unterhalten, wenn sie diese Leistungen nicht selbst anbieten wollen. Diese Besonderheit der Krankenversicherung bedeutet auch, dass wir das Geschäft unterschiedlich steuern müssen und uns stärker darauf konzentrieren müssen, einen Mehrwert über die klassischen Versicherungsleistungen hinaus zu bieten.
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