Thomas Werner

Krank durch Krankenhaus

Infektionen nehmen zu

Neben dem ärztlichen Kunstfehler gewinnt der Risikofaktor Infektion in den Krankenhäusern immer mehr an Bedeutung. Für Haftpflichtversicherer entsteht damit ein neues Schadenpotenzial.

Chirurgen mit infektiösen Krankheiten, die aber operieren, geheimnisvolle Viren, die sich über Klimaanlagen und Versorgungsleitungen ausbreiten, aber auch Entzündungen durch antibiotikaresistente Bakterienstämme werden für Krankenhauspatienten zunehmend zum Albtraum.

Nicht mehr ist nur eine einzelne Person potenzielles Opfer einer Infektion, sondern die Patienten einer ganzen Abteilung oder alle Patienten, die in einem bestimmten Zeitraum in Behandlung waren. Auch für den Haftpflichtversicherer eines Krankenhauses eröffnen sich damit völlig neue Dimensionen.

Noch werden Infektionen am häufigsten verursacht durch den Kontakt mit unsterilen Oberflächen, Geräten oder Instrumenten. Doch regelmäßig sind es Einzelfälle, deren Häufigkeitsrate von 1,5-3 % angesichts des Gebrauchs von Einweginstrumenten und effizienter Sterilisationsmaßnahmen kaum gesenkt werden kann.

Der Haftpflichtversicherer wird sich, je nach der gegebenen Rechts- und Beweislage, stets einer gewissen Anzahl entsprechender Schadenfälle gegenübersehen.

Hohes Schadenpotenzial durch Bluttransfusionen

Ein erheblich höheres Schadenpotenzial, insbesondere unter dem Serienaspekt, stellen die durch Bluttransfusionen übertragenen Infektionskrankheiten dar, sei es, dass die Konserven z. B. von der krankenhauseigenen Blutbank geliefert werden oder dass dem Krankenhaus ein Verschulden bei Auswahl und Überprüfung des zu verabreichenden Blutproduktes zur Last fällt.

Ausgesprochen kritisch beurteilen die Fachleute in der Zukunft die Entwicklung bei Infektionen durch die Krankenhausluft. In einer Umgebung mit einer zwangsläufig erhöhten Konzentration von Krankheitskeimen tragen vor allem unzureichend gewartete Klimaanlagen, aus Kostengründen fehlende Filter und sicher nicht zuletzt auch unzureichende Kontrollen dazu bei, dass gefährliche Viren und Bakterien den oft ohnehin schon geschwächten Patienten noch mehr zusetzen und bei ihnen womöglich bleibende Folgen verursachen.

Für den Haftpflichtversicherer bedeutet dieses Szenario, dass er besonders durch eine steigende Frequenz von Schadenereignissen betroffen werden kann, dass sich aber auch der erforderliche Gesamtaufwand pro Ereignis wegen des Serienschadeneffektes erhöhen wird, wenn er nicht rechtzeitig auf Risikomanagement-Maßnahmen hinweist.