Konjunkturelle Konsequenzen einer globalen Pandemie
Aussagen über die makroökonomischen Auswirkungen einer globalen Pandemie hängen maßgeblich davon ab, welches Szenario man zugrundelegt. Die wichtigsten Parameter sind Dauer, Verbreitung, Infektions- und Mortalitätsraten. Bei einem sehr schweren Pandemieszenario, das mit der Spanischen Grippe von 1918 vergleichbar ist, wäre zwar kein völliger Zusammenbruch der wirtschaftlichen Aktivitäten zu erwarten, sehr wohl aber müsste man massive konjunkturelle Einbrüche fürchten. Internationale Organisationen und Forschungseinrichtungen schätzen für diesen Fall, dass das reale Bruttoinlandsprodukt um mehr als 5 Prozent zurückgeht.
Folgen für die Realwirtschaft
Bei einer Pandemie werden Millionen Menschen ihrem Arbeitsplatz fernbleiben – ein gigantischer Verlust an Wirtschaftsleistung. Zudem würden signifikante Beeinträchtigungen der Infrastruktur sowie unterbrochene Produktions- und Lieferketten das Warenangebot verringern. Auf der anderen Seite treiben insbesondere ein massiv abnehmender privater Konsum sowie verringerte Investitionstätigkeiten die Nachfrage nach unten.
Hauptsächlich betroffen dürften Bereiche sein, die soziale Kontakte von Menschen erfordern (Tourismus, Luftfahrt etc.), die Bauindustrie sowie stark konjunkturabhängige Industrien wie der Automobilsektor. Steigende Insolvenzen aufgrund der schlechteren ökonomischen Lage würden innerhalb der Assekuranz die Kreditversicherung berühren.
Da der internationale Handel behindert würde, wären exportorientierte Volkswirtschaften am stärksten tangiert. Abgesehen von anfänglichen Preissteigerungen für ausgewählte Güter wie Nahrungsmittel oder Medikamente ist bei einer schweren Pandemie global eher mit deflationären Auswirkungen zu rechnen.
Kapitalmärkte je nach Szenario stark beeinträchtigt
Schwieriger vorhersagbar ist, wie die Finanzmärkte reagieren; ganz wesentlich für die tatsächlichen Wirkungen dürfte der psychologische Effekt einer Pandemie sein. Dieser kann momentan jedoch nur annäherungsweise geschätzt werden. Grundsätzlich sollte sich die Nachfrage erheblich von Aktien zu Renten verschieben, da die Risikoaversion der Anleger zunimmt.
Dies dürfte die weltweiten Aktienkurse belasten und das Zinsniveau drücken. Wie umfangreich und dauerhaft die Kursveränderungen tatsächlich sind, hängt wiederum vor allem von der Schwere der Pandemie und ihren Folgen für die Realwirtschaft ab. Der Kursanstieg an den Rentenmärkten und das damit einhergehende niedrigere Zinsniveau werden voraussichtlich tendenziell länger anhalten.
Denn zusätzlich zur höheren Nachfrage ist zu erwarten, dass die Zentralbanken im Fall einer Pandemie mit einer expansiven Geldpolitik versuchen werden, den Schock abzumildern. Dies gilt umso mehr, wenn sich deflationäre Tendenzen zeigen.
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