Dr. Clemens Muth, Dr. Manuela Zweimüller

Pandemie: Gewappnet für den Fall der Fälle

Prognosen über die ökonomischen Folgen einer Pandemie klaffen weit auseinander und sind mit Vorsicht zu genießen. Um dennoch ein vernünftiges Risikomanagement betreiben zu können, analysiert die Münchener Rück laufend die wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und versicherungsrelevanten Aspekte.

Welch einen Unterschied ein Jahr machen kann: Nach der enormen Medienpräsenz Anfang 2006 ist das Thema Pandemie ein Jahr später fast völlig aus den Schlagzeilen verschwunden, obwohl es keine offizielle Entwarnung gibt. Denn auf der sechsstufigen Skala der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt unverändert Alarmstufe 3; die Häufigkeit von H5N1-Infektionen hat sogar zugenommen (siehe in der rechten Serviceleiste: "Vogelgrippe: Bislang nur Einzelfälle").

Das zeigt, dass die Medien nicht nur die Risikodebatte beeinflussen, sondern auch die Risikowahrnehmung steuern. Das gegenwärtig geringe Interesse der Öffentlichkeit an der Vogelgrippe lässt daher keinen Rückschluss auf die tatsächlichen Gefahren zu.

Trotz der momentanen Ruhe sind Experten sicher, dass die nächste Pandemie kommen wird. Die Frage ist nur, wann und in welchem Ausmaß. Unstrittig ist auch, dass die Vogelgrippe, die bislang lediglich eine Tierkrankheit ist, eine weltweite Grippewelle auszulösen vermag, sollte das Virus H5N1 mutieren. Entwickelt sich daraus eine neue Variante, gegen die der Mensch keine Immunabwehr aufgebaut hat, können nur schnelle Maßnahmen zum Seuchenschutz die Ausbreitung lokal begrenzen.

Kaum verlässliche Zahlen aus den bisherigen Pandemien vorhanden

Gelingt das nicht, wären die Versicherer vielfältig betroffen. Doch im Gegensatz zu Risiken aus Naturgefahren lassen sich aus den bisherigen Pandemien kaum verlässliche statistische Zahlen ableiten. Bessere hygienische Bedingungen und der medizinisch-technische Fortschritt haben die Sterblichkeit der Gesamtbevölkerung seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts deutlich gesenkt, sodass die damaligen Verhältnisse nicht unmittelbar auf heute übertragbar sind. Klar ist nur: Je mehr Menschen erkranken und einer Pandemie zum Opfer fallen, desto gravierender sind die ökonomischen und versicherungstechnischen Folgen.

Vom Versicherungsrisiko wären in erster Linie die Sparten Lebens- und Krankenversicherung betroffen, wobei das Exposure dort einigermaßen gut quantifizierbar ist. Schwieriger einzuschätzen sind die Auswirkungen auf die globale Wirtschaft und die Kapitalanlagen der Assekuranz. Eine komplexe Risikosituation wie eine Pandemie verlangt, sich dem Thema von allen Seiten zu nähern.

Die Münchener Rück beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, insbesondere in der Lebensrück- und -erstversicherung. Die Szenarien werden ständig auf den aktuellen Stand gebracht und weiterentwickelt. Dazu arbeiten Experten wie Mediziner, Ökonomen, Risikomanager und Underwriter in einem interdisziplinären Team zusammen. Und natürlich verfolgen wir genau, ob und wie sich die Bedrohung ändert, indem wir alle verfügbaren Daten kontinuierlich analysieren. Daher sehen wir uns bestens gewappnet, sollte eines Tages der Fall der Fälle eintreten.

Doch zunächst müssen wir bei einer Pandemie wie jedes andere Unternehmen unseren eigenen Betrieb aufrechterhalten. Darauf sind wir im Rahmen unseres regulären Business-Continuity-Managements vorbereitet. Die WHO empfiehlt allen Unternehmen und Behörden, anhand von Checklisten zu klären, wo Verbesserungspotenzial besteht. Auf den folgenden Seiten geben wir einen Überblick über die wissenschaftlichen und versicherungsrelevanten Aspekte, die beim Risikomanagement im Kontext einer Pandemie zu beachten sind.

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