Dr. Anne Zutavern
HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
Gebärmutterhalskrebs ist einer der häufigsten bösartigen Tumoren bei Frauen weltweit. In den westlichen Ländern gingen Krebsdiagnose und Krebssterblichkeit nach Einführung frauenärztlicher Vorsorgeprogramme mit Untersuchung der Gebärmutter und Zellabstrich um ca. 70 % zurück. Gleichzeitig nahm die Entdeckung der Krebsvorstufen zu. Trotz der sehr positiven Krankheits- und Sterblichkeitsentwicklung in westlichen Ländern ist der Gebärmutterhalskrebs weiter bedeutsam. In Deutschland verursachte Gebärmutterhalskrebs im Jahr 2003 2,3 % der krebsbedingten Todesfälle. In Entwicklungsländern ist Gebärmutterhalskrebs sogar der zweithäufigste Tumor bei Frauen. Hier stehen in der Regel keine Vorsorgeprogramme und keine adäquaten Therapien zur Verfügung.
Inzwischen steht fest, dass eine Infektion mit dem Human Papilloma Virus (HPV) der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist. Das HPV ist ein DNA-Doppelstrangvirus, der durch sehr engen menschlichen Kontakt, vor allem aber beim Geschlechtsverkehr, übertragen wird. 70 % der sexuell aktiven Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Es gibt eine Vielzahl verschiedener HPV-Typen. Die HPV-Stämme 16 und 18 sind als Hochrisikostämme für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs identifiziert worden. Weitere Erkrankungen, die HPV verursacht, sind Genitalwarzen, andere Neubildungen im Mund und Genitaltrakt und Infektionen im Mund und Respirationstrakt.
Seit Kurzem steht nun ein Impfstoff gegen vier krebserregende HPV-Stämme zur Verfügung, der in Deutschland seit September 2006 zugelassen ist. Erwartet wird, dass ein weiterer Impfstoff gegen 2 HPV-Stämme im Sommer 2007 die Zulassung erhält. Wirksamkeit und Verträglichkeit der beiden Impfstoffe wurden in Studien als exzellent bewertet. Allerdings stehen Ergebnisse von Langzeitbeobachtungen noch aus. Die STIKO (Ständige Impfkommission in Deutschland) empfiehlt die Impfung seit März 2007 für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren, möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Das amerikanische National Center for Disease Control and Prevention (CDC) empfiehlt eine Impfung bereits seit Sommer 2006. Die Kosten für eine Impfung in Deutschland betragen derzeit 465 €. Viele Kassen sind bereit, die Kosten für die HPV-Impfung zu übernehmen. Man geht davon aus, dass durch die Impfung Gebärmutterhalskrebs weiter deutlich zurückgeht. Da in Entwicklungsländern Vorsorgeprogramme fehlen, würde vor allem dort eine Impfung (die für diese Länder sehr teuer ist) zu einer erheblichen Abnahme von Gebärmutterhalskrebs führen.