Konkrete Handlungsempfehlungen für Versicherer
Je nach Krankheitsbild können im Einzelfall 10 bis 15 verschiedene Parameter eine Rolle spielen. Die Experten der Münchener Rück wählen individuell aus, auf welche Faktoren es ankommt und speisen sie in das Entscheidungsmodell ein. Doch eine Restunsicherheit bleibt: Kein Wert kann 100%ig genau geschätzt werden. Beispielsweise muss die Prävalenz einer Krankheit – also die Kennzahl, wie häufig sie in der Bevölkerung vorkommt – nicht repräsentativ für den Durchschnitt der Antragsteller einer Versicherung stehen. Hier können sich etwa individuelle soziale und wirtschaftliche Faktoren auswirken.
Beispiel Diabetes mellitus: Krankheitshäufigkeit nach sozial-ökonomischer Schicht
Großer Unterschied: Menschen aus niedriger sozialer Schicht haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken wie Menschen aus hohen Schichten.
„Die Herausforderung besteht für uns darin, den Einfluss dieser Unsicherheit auf das Ergebnis festzulegen“, so Becher. Deshalb ist das Ergebnis auch nie eine einzelne Zahl, sondern immer ein Bereich, aus dem sich begründete Handlungsempfehlungen für oder gegen Gesundheitstests ableiten lassen. Die Grafik verdeutlicht mögliche Unsicherheitsfaktoren am Beispiel der Krankheitshäufigkeit:
Einflussfaktoren auf die Krankheitshäufigkeit von Antragstellern
Deutlich wird: Der Anteil erkrankter Antragsteller entspricht nicht unbedingt dem der Gesamtbevölkerung, etwa wegen einer natürlichen Art der Auslese, die unter Arbeitsmedizinern als „healthy worker effect“ bezeichnet wird (da schwer kranke Menschen meist nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf auszuüben, bleiben unter den Berufstätigen vor allem Gesunde übrig).
Ein deutliches Plus an Transparenz und Rentabilität
„Mit dem Modell stoßen wir bei den Erstversicherern auf großes Interesse“, sagt Dr. Regenauer. Bisher gibt es in der Branche kein vergleichbares Verfahren, und Summengrenzen haben sich vielmehr aus der Konkurrenzsituation auf dem Markt historisch entwickelt. Das Entscheidungsmodell der Münchener Rück denkt gewissermaßen voraus: Es berücksichtigt alle möglichen Entscheidungsvarianten mit sämtlichen Verlaufsoptionen. Das Ergebnis ist ein klares Plus an Transparenz und Rentabilität für die Risikoprüfung – und somit für die gesamte Sparte der Lebensversicherer.
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