Karl-Heinz Schaller

Berufsunfähigkeitsversicherung - ein wachsender Markt

Invalidität durch Unfall oder Krankheit hat schwer wiegende Folgen — nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für Personen, die von ihm finanziell abhängig sind. Da sich der Staat notgedrungen schrittweise aus der Verantwortung zieht, eröffnen sich für die Assekuranz ganz neue Chancen. Die Versicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos hat aber auch ihre Tücken.

Welche Rolle die private Versicherungsindustrie bei Invalidität spielt, hängt von den gesetzlichen Sozialversicherungssystemen ab. Meist bieten diese nur begrenzten Schutz. Vor allem die knappen Budgets haben einige Länder gezwungen, den Sozialversicherungsschutz deutlich zu reduzieren. Beispiel Deutschland: Mit der Rentenreform des Jahres 2001 wurde die gesetzliche Berufsunfähigkeitsabsicherung für Personen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, abgeschafft. Sie erhalten mit der Erwerbsminderungsrente lediglich eine "Katastrophenabsicherung".

Internationale Trends

In den Niederlanden — traditionell ein bedeutender Markt für Invaliditätsvorsorge — hat man in den vergangenenJahren die Absicherung der Arbeitnehmer kontinuierlich nach unten angepasst. Zum 1. Januar 2006 ist das Gesetz "Wet werk en inkomen naar arbeidsvermogen" (WIA) in Kraft getreten, das weitere Einschnitte vorsieht. Auch in den USA gibt es nur eine begrenzte staatliche Unterstützung bei Erwerbsunfähigkeit. Solange jemand arbeitsfähig ist, werden keine Leistungen aus der Social Security Disability Insurance (SSDI) gezahlt. Diese Versorgungslücke wird immer mehr Bevölkerungsschichten bewusst. Die Nachfrage nach Versicherungsschutz steigt daher weiterspürbar an.

Diese Entwicklung bietet der Versicherungsindustrie enorme Wachstumschancen. Allerdings fordert eine profitable Geschäftsentwicklung gerade bei Berufsunfähigkeitsprodukten erhebliches Knowhow. Denn Produktvielfalt und Wettbewerb auf der Bedingungs- und Prämienseite sind seit Mitte der Neunzigerjahre deutlich gestiegen. Außerdem haben sich die Ursachen für die Berufsunfähigkeit inden vergangenen Jahren geändert. Daher muss der Anbieter von Invaliditätspolicen vor allem im Risikomanagement sehr kompetent sein, und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette. Hier unterstützt die Münchener Rück ihre Kunden gezielt und umfassend.

Ganzheitlicher Ansatz - Voraussetzung für Profitabilität

Gemeinsam mit ihren Kunden entwickelt die Münchener Rück in Workshops neue Produktkonzepte, welche die spezifische Unternehmenssituation ebenso berücksichtigen wie aktuelle und künftige Markttrends. Neben Aktuaren sind auch Spezialisten anderer Fachbereiche wie der Risiko- und Leistungsprüfung eingebunden. Dieser ganzheitliche Ansatz ist insbesondere bei der Invaliditätsversicherung Voraussetzung für profitables Wachstum.

Der Beruf ist ein wesentlicher Parameter für die Versicherungsprämie: je höher das Invaliditätsrisiko durch den Beruf, desto höher die kalkulierte Prämie. So ist zum Beispiel das Risiko eines Bäckers, berufsunfähig zu werden, rund viermal so groß wie das eines Steuerberaters. International hat sich ein Klassensystem etabliert, in dem man alle versicherbaren Berufe in der Regel vier Klassen mit jeweils eigenem Tarif zuordnet. Bei der Zuordnung der Berufe zu den Klassen haben Erstversicherer jedoch Spielräume, die sie im Wettbewerb zugunsten ihrer Kunden einsetzen können.