Mit Windmühlen gegen den Klimawandel

Die Fieberkurve der Erde steigt bedrohlich an. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, die Temperaturentwicklung in Grenzen zu halten. Die fossilen Brennstoffe gehen langsam zur Neige — und das bei steigendem Energiebedarf. Unsere Zukunft braucht neue, umweltschonende Wege der Energiegewinnung. Großer Hoffnungsträger sind die erneuerbaren Energien.

2050 — und dann?

15. August 2003, amerikanische Ostküste: Ein kleiner Defekt in der Stromversorgung löst eine Kettenreaktion aus und führt zum größten Stromausfall in der Geschichte der Vereinigten Staaten und Kanadas. Nichts geht mehr. Fabriken liegen lahm, U-Bahnen und Aufzüge stoppen unverzüglich, Angestellte sitzen vor schwarzen Bildschirmen, es gehen buchstäblich alle Lichter aus. Wie wichtig Energie ist, wird oftmals erst bewusst, wenn sie nicht mehr da ist.

Unsere Erdölreserven — nach wie vor unsere wichtigste Energiequelle — werden laut anerkannten Schätzungen in 45 Jahren erschöpft sein. Die Shell-Studie prognostiziert bis dahin einen zwei- bis dreifachen Weltenergiebedarf.

Ebenfalls bis 2050 fordert die Klimaforschung eine Senkung der energiebedingten CO2-Emissionen um 60 %, um die Temperaturentwicklung in vertretbaren Grenzen zu halten. Größter Erzeuger von CO2 und damit hauptverantwortlich für den Treibhauseffekt ist die Energiegewinnung.

Die zunehmende Rohstoffverknappung bei steigendem Energiebedarf sowie der Klimawandel, der in den letzen Jahren zu einem merklichen Anstieg von Naturkatastrophen geführt hat, fordern den verstärkten Einsatz regenerativer Energien.

Die erneuerbaren Fünf

Die Natur liefert uns eine reiche Palette dieser Energieformen, die den weltweiten Bedarf um ein Vielfaches decken könnte. Wir müssen sie nur nutzen. 2002 lag der weltweite Anteil erneuerbarer Energien bei 13.6 %*. Dieser noch relativ geringe Anteil wird sich in Zukunft deutlich erhöhen: erstens, weil unsere fossilen Brennstoffe knapp werden, und zweitens wegen des zwingenden Handlungsbedarfs, die Emissionswerte nachhaltig zu senken.

Spitzenreiter sind derzeit brennbare erneuerbare Ressourcen und Abfälle, Biomasse genannt. 80 %* der erneuerbaren Energie entstehen aktuell durch das Verbrennen von Holz, Dung und Lebensmittelabfällen — vor allem in Drittweltstaaten. Biomasse ist allerdings nicht ganz unkritisch, da durch die Verbrennung wiederum CO2 und andere Schadstoffe freigesetzt werden.

Wasserkraft, die etablierteste und am weitesten entwickelte erneuerbare Energie, hat einen Anteil von gut 16 %*, gefolgt von Erdwärme mit 3,2 %*. Noch im Null-Komma-Bereich bewegen sich Solar- und Windenergie.

Vor allem Offshore-Windparks erleben gerade einen Aufwärtstrend. Vor der Küste Englands befinden sich derzeit drei neue Anlagen im Bau, Holland hat momentan zwei Windparks in Planung und Dänemark möchte mit Horns Rev 2 seine zweite Anlage in der Nordsee installieren. In Deutschland sollen bis zum Jahr 2025 rund 25.000 Megawatt über Offshore-Windparks erzeugt werden.

Der lange Weg zum sauberen Strom

Technisch gesehen könnten erneuerbare Energien die sechsfache Menge der weltweit benötigten Energie liefern. Zwei Drittel davon würden aus Sonnenenergie gewonnen, den Rest übernehmen Biomasse, Wind, Wasser und Geothermie.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Entwicklung ist nur tendenziell absehbar. Schwankende politische Pläne, die nicht einschätzbare technische Entwicklung und Finanzierungsprobleme lassen eher wünschenswerte als realistische Prognosen zu.

Der rasche Ausbau erneuerbarer Energien erfordert gewaltige Anstrengungen in Politik und Wirtschaft. Banken und Versicherungen kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Die Münchener Rück bringt sich aktiv in die Prozesse ein: Neben den Geschäftsinteressen spielt dabei unsere unternehmerische Verantwortung im Rahmen des Klimaschutzes eine entscheidende Rolle.

Ein Zukunftsmarkt braucht innovative Risikolösungen

Neben dem fakultativen Rückversicherungsgeschäft sind strukturierte Versicherungslösungen gefragt, die das hohe finanzielle Risiko abdecken. Aus der Verknüpfung von technischen, finanziellen und energiemarktabhängigen Risikofaktoren entstehen komplexe Versicherungskonzepte.

Um die beste Lösung für unsere Kunden zu entwickeln, greifen unsere Experten aus dem Bereich Special and Financial Risks auf das Knowhow unterschiedlichster Bereiche der Münchener Rück zu. So können wir zum Beispiel jetzt schon Risikolösungen für Offshore-Windparks anbieten, die aus unserer langjährigen Erfahrung mit Offshore-Ölplattformen und Windkraftanlagen entstanden.

Gegen die Launen der Natur — Wetterderivate

Für Betreiber von Erneuerbare-Energie-Kraftwerken ist das Wetter eines der größten unternehmerischen Risiken. Scheint die Sonne zu wenig, weht kein Wind oder sinkt mangels Regen der Wasserpegel der Flüsse, dann sinken auch die Erlöse aus der Stromeinspeisung. Kredite können möglicherweise nicht mehr zurückbezahlt werden. Gerade in der Startphase kann das schnell das Aus für den Betreiber bedeuten.

Die Münchener Rück bietet zur Absicherung (Hedging) dieses Risikos Wetterderivate an. Wetterhedges helfen wettersensiblen Branchen, ihre Ergebnisse zu stabilisieren und ihre Existenz langfristig zu sichern. Im Rahmen integrierter Risikokonzepte bieten wir der Zukunftsbranche "Erneuerbare Energien" umfassenden Bilanzschutz. Denn letztendlich muss es im Interesse aller liegen, dass der Klimawandel aufgehalten wird, Naturkatastrophen nicht weiter zunehmen und 2050 die Lichter nicht ausgehen.

Links

>> www.erneuerbare-energien.de
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zum Thema erneuerbare Energien
>> www.renewables2004.de
Erste internationale Konferenz "Renewables 2004" in Bonn
>> www.wbgu.de
Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen
>> www.ipcc.ch
Intergovernmental Panel on Climate Change
>> www.iea.org
Internationale Energieagentur


* Quelle: International Energy Agency (IEA)