"Die weiteren Aussichten: für die Jahreszeit viel zu kühl"

Das Wetter beeinflusst unsere Wirtschaft in hohem Maße. Das beginnt bei dem Risiko eines verregneten Sommers für unsere Biergartenwirte und geht bis zur Wetterabhängigkeit der Energieversorger. Wetterderivate geben diesen Branchen ein Instrumentarium an die Hand, mit dem bisher unversicherbare Wetterrisiken auf effiziente Weise abgesichert werden können.

Hedging gegen einen kalten Sommer

"Wenn in Großbritannien die Temperatur um 3 °C ansteigt, erhöht sich der tägliche Bierverbrauch um 10 %", erklärt das englische Met-Office im Rahmen einer Studie. Ein sehr anschauliches Beispiel, das zeigt, wie stark der Umsatz einer Branche vom Wetter abhängen kann.

Nach Einschätzung meteorologischer Forschungseinrichtungen sind mehr als 80 % der weltweiten Geschäftstätigkeiten wetterabhängig. Das betrifft unterschiedlichste Industrien — Modeunternehmen, Brauereien, Baufirmen, Eisproduzenten und vor allem die Energieversorger.

Als in den USA die nationalen Versorgungsmonopole in unabhängige Energieversorgungsunternehmen umgewandelt wurden, kam verstärkt der Bedarf auf, sich gegen den Einfluss des Wetters zu schützen. Instrumente zum Hedging von Wetterrisiken wurden gesucht und was liegt näher, als sich dabei der Instrumente des Kapitalmarkts zu bedienen. So entstanden die Wetterderivate.

Zielsetzung der Wetterderivate

Ein Wetterderivat unterscheidet sich vom herkömmlichen Derivat dadurch, dass es nicht auf einem handelbaren Bezugsobjekt wie Aktien, Aktienindizes, Anleihen oder Wechselkursen basiert, sondern auf vorhab festgelegten Indexdaten beruht, zum Beispiel der Temperatur.

Die Aufgabe eines Wetterderivats ist somit eher das Hedgen von Volumen- als von Preisrisiken, da ein steigender oder fallender Absatz sich nicht unbedingt auf den Preis auswirken muss. Zum Beispiel wird bisher noch kaum jemand die Erfahrung gemacht haben, dass in einem kalten Sommer plötzlich die Preise für Speiseeis sinken.

Die Umsatzeinbußen der Eisindustrie sind also nicht auf eine Preisreduktion, sondern auf das geringere Absatzvolumen zurückzuführen. In diesem Fall sorgen Wetterderivate für eine Volumenkompensation.

Auch in der Zukunftsbranche der erneuerbaren Energien können gerade in den ersten Jahren, in denen sich hohe Investitionskosten amortisieren müssen, Windstille und zu geringe Sonneneinstrahlung das Einspeisungsvolumen so stark reduzieren, dass die Finanzierung nicht mehr gesichert ist. Wetterderivate können dann wichtigen Bilanzschutz bieten.

Single Trigger — Multiple Trigger

Natürlich gibt es auch viele Branchen, bei denen das Wetter sowohl das Volumen als auch den Preis beeinflusst, etwa die Ölindustrie. Ist ein Winter überdurchschnittlich warm, wird wenig geheizt, das Absatzvolumen und der Preis für Heizöl sinken.

In diesem Fall empfiehlt sich ein "Cross-Hedging", eine Mischung aus Wetterderivaten und klassischen Commodity-Derivaten, die zusätzlich den Umsatzrückgang durch Preissenkungen absichern. Die Münchener Rück bietet im Rahmen eines integrierten Risikomanagements Multiple-Trigger-Konzepte, die mehrere Risiken gleichzeitig decken.

Ab wann ist das Wetter schlecht?

Die am weitesten verbreitete Messgröße bei Wetterderivaten ist die Temperatur. Darüber hinaus werden aber auch andere Meßgrößen wie gewisse Mengen an Niederschlag, Wind, Sonnenschein oder Schneefall als Trigger vereinbart.

Wetterderivate werden meist nur für eine Saison abgeschlossen: Wir bieten unseren Kunden aber auch Verträge an, die über einen kürzeren oder längeren Zeitraum gültig sind.

Das Knowhow der Münchener Rück

Wetterderivate für den Kunden optimal zu gestalten und einzusetzen erfordert geowissenschaftliches Fachwissen verknüpft mit statistischem Methoden-Knowhow und Kapitalmarktkenntnis.

Wir bieten seit über 30 Jahren umfassende Services der Wetter- und Klimaberatung und bewerten pro Jahr über 500 Wetterrisiken. Zudem verfügen wir über ein hinreichend diversifiziertes Portefeuille, das wir aktiv managen, und erfüllen somit alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Geschäft mit Wetterderivaten.

Über unsere Tochtergesellschaft Munich American Capital Markets in New York sind wir aktiv im Handel von Wetterderivaten engagiert, während die Experten aus dem Geschäftsbereich Special and Financial Risks in München hauptsächlich individualisierte Wetterrisiken zeichnen.

Links

>> www.erneuerbare-energien.de
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zum Thema erneuerbare Energien
>> www.renewables2004.de
Erste internationale Konferenz "Renewables 2004" in Bonn
>> www.wbgu.de
Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen
>> www.ipcc.ch
Intergovernmental Panel on Climate Change
>> www.iea.org
Internationale Energieagentur