Deckungskonzepte bei Großveranstaltungen

Veranstaltungsausfallversicherung

Sie erstattet die angefallenen Kosten abzüglich eventueller Einsparungen sowie die Rückzahlung von Einnahmen, wenn die Veranstaltung abgesagt, verschoben oder verlegt werden muss, sofern der Versicherungsnehmer die Umstände nicht zu verantworten hat und sie nicht ausgeschlossen sind. Ihr liegt eine Allgefahrenpolice zugrunde, die diverse Ausschlüsse, zum Beispiel Schäden durch Kernenergie, vorsieht.

Dass Naturgefahren (Erdbeben oder Hurrikan) eingeschlossen sind, ist üblich. Als weitere mögliche Schadenereignisse gelten Sachschäden, technische Probleme, Verfügungen von hoher Hand und Wettergefahren. Unsicherheiten bestanden bei der Fußball-WM 2006 vor allem wegen potenzieller Terroranschläge. Auch die Ausbreitung des Vogelgrippevirus H5N1 wurde als Grund für eine mögliche Verschiebung der WM von so manchem Politiker diskutiert.

Zusammenbruch von TV-Übertragungen

Bei Sportveranstaltungen, die weltweit Interesse auf sich ziehen, machen Werbung mit Fernsehspots oder Bandenwerbung sowie Sponsorengelder die Haupteinnahmequelle aus. Sollte eine TV-Übertragung nicht zustande kommen, müssen diese Einnahmen erstattet werden. Eine mögliche Exponierung durch die Benutzung von Satelliten evaluieren unsere Experten aus der Luft- und Raumfahrtabteilung.

TV-Rechte-Versicherung

Dabei handelt es sich um eine spezielle Veranstaltungsausfallversicherung, die ausschließlich zur Absicherung der erheblichen finanziellen Vorleistungen für Olympische Winter- und Sommerspiele abgeschlossen wird. Fernsehanstalten zahlen enorme Summen für die Übertragungsrechte dieser Großveranstaltungen.

Allein die amerikanische TV-Gesellschaft NBC Universal entrichtete für Turin 613 Millionen US$. In bestimmten Fällen, zum Beispiel wenn die US- Mannschaft nicht erscheint, müssen diese Gelder ganz oder teilweise zurückerstattet werden.

Gewinnspielversicherung

Im Gefolge von Sportgroßveranstaltungen sind Gewinnspiele und Werbekampagnen populär. Die Kosten für wertvolle Preise übernimmt in der Regel nicht der Organisator, sie werden mit einer Bilanzschutzdeckung abgesichert. So hat die Münchener Rück zahlreiche Policen rückversichert, die dem Käufer eines Plasmafernsehers den Einkaufspreis erstatten, sollte ein bestimmtes Land Weltmeister werden.

Da diese Art von Kaufanreiz in Deutschland als unlauterer Wettbewerb gilt, kamen Anfragen vor allem vom Londoner Markt. Derartige Risiken beurteilen unsere Aktuare, die mit unterschiedlichen Risikomodellierungen adäquate Preise berechnen. Eine Variante dieser Police ist die Absicherung von Prämien, die nationale Fußballverbände für ihr Team leisten müssen, falls es Weltmeister wird.

Restwertversicherung

Diese nichttraditionelle Deckungsform zeichnet die Münchener Rück im Bereich Unternehmerrisiken. Sie ist meist eng mit dem Leasinggeschäft verbunden. Ihr Zweck: dem Besitzer, Vermieter oder Leasinggeber eines Objekts einen bestimmten Wert zu einem vorher festgesetzten Zeitpunkt zu garantieren.

Entschädigung ist dann zu leisten, wenn der Versicherungswert, der in der Police genannt wird, den tatsächlichen Marktwert übersteigt. Für die Münchener Allianz Arena bestand die Anfrage, einen Wert von 70 Prozent der Baukosten nach einer Laufzeit von 15 Jahren abzusichern. Hauptkriterien bei der Beurteilung sind die künftige Wieder-, bzw. Weiterverwendbarkeit des Objekts sowie das Vorhandensein eines liquiden Zweitmarkts, der unter anderem von der Zahl potenzieller Kaufinteressenten abhängt.

Bei Restwertversicherungen für Gebäude arbeiten wir eng mit unser Assetmanagement-Gesellschaft MEAG zusammen, die uns bei der Beurteilung des Risikos unterstützt, aber im Schadenfall auch das versicherte Objekt in ihr Portefeuille übernehmen könnte. Bei der Allianz Arena fiel die Beurteilung des Risikos negativ aus, da die Verwertung eines Fußballstadions sehr eng an die lokalen Fußballvereine geknüpft ist und andere Nutzungen limitiert sind.

Wetterversicherung

Jedes Open-Air-Konzert oder jede Veranstaltung unter freiem Himmel ist durch Wetterrisiken exponiert. Bei der Fußball-WM kam nur ein Bruchteil der 3,2 Millionen Tickets in den öffentlichen Verkauf. Deshalb wurden in vielen Städten Großleinwände mit Bühnen und Technik, so genannte Public-Viewing-Screens, aufgestellt, auf denen alle 64 Spiele zu sehen waren.

Die Topsponsoren des Organisationskomitees und der Fifa unterstützten dieses Vorhaben mit bis zu 700.000 € pro Ort. Die Kosten für Strom, Wasser, Toiletten, Reinigung, Sicherheit, Wachpersonal usw. mussten die WM-Austragungsorte selbst übernehmen. Manche Städte, etwa Berlin, das mit fast 3 Millionen € rechnete, schlossen eine Veranstaltungsausfallversicherung ab, die vor allem mögliche Witterungseinflüsse (Temperatur, Regen, Hagel, Sturm) umfasste.

Merchandising

Vor einer Großveranstaltung herrscht große Unsicherheit, ob die mit großem Aufwand beworbenen Merchandisingprodukte ausreichend nachgefragt werden. Mit einer so genannten Ertragsgarantieversicherung kann sich der Einzelhandel dagegen absichern, dass er auf seiner Ware sitzen bleibt. Aber auch der umgekehrte Fall, dass die Nachfrage nicht befriedigt werden kann, ist versicherbar. Gedeckt werden dann die Kosten für Zusatzschichten und Mehrarbeit.