Intermediär zwischen Versicherungs- und Kapitalmarkt
Die Münchener Rück sieht im aktuellen Marktumfeld interessante Möglichkeiten und hat Ende 2006 die "Risk-Trading Unit" gegründet, die das gesamte ILS-Spektrum abdeckt. Da Risk-Trading mehr ist als nur die Verbriefung von Versicherungsrisiken, steht unser Ansatz auf mehreren Säulen:
Management der Risiken unserer Kunden
Wir bieten unseren Zedenten das gesamte Instrumentarium zur Portfoliooptimierung. So können sich Kapitalmarktlösungen zur Ausplatzierung von Spitzenrisiken eignen und interessante Deckungsformen bieten. In bestimmten Fällen kann man mit Kapitalmarktkonzepten ebenfalls eine effizientere Kapitalallokation erreichen und damit Kapitalkosten einsparen – Stichwort Solvenz- und Ratingkapital.
Gerade im Lebensgeschäft eröffnen ILS neben dem Risikotransfer Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch effizientere Reservefinanzierungen. Daneben lassen sich durch die Verbriefung des "Present Value of Future Income" (als Teil des Embedded Values) Liquiditätseffekte erzielen. Freiwerdende Mittel können dann in anderen Geschäftsfeldern eingesetzt werden. Zusätzlich zu den gängigen ILS lassen sich mit sogenannten Swaps Diversifikationseffekte erreichen, indem Risiken – etwa Erdbeben gegen Sturm – getauscht werden. Außerdem kann man mit ILS Deckungen für traditionell nicht oder nur schwer versicherbare Risiken konstruieren.
Um unsere Kunden bestmöglich an den Kapitalmarkt zu begleiten, bieten wir alle erforderlichen Services: Wir stellen Fronting-Kapazität bereit, optimieren Basisrisiken, bieten Strukturierungs-Knowhow und übernehmen das Projektmanagement. Unsere Vernetzung innerhalb der Münchener-Rück-Gruppe, aber auch mit professionellen Partnern ermöglicht es uns, die gesamte Wertschöpfungskette abzubilden.
Neben Lösungen für individuelle Portfolios können Poollösungen für kleinere und mittelgroße Kunden eine interessante Strukturierungsvariante sein. Dazu werden zunächst Risiken via Rückversicherungsvertrag in unserer Bilanz gebündelt und anschließend auf den Kapitalmarkt transferiert. Dies bringt für die Kunden zum einen den Vorteil einer aufsichtsrechtlich anerkannten Kapitalentlastung; zum anderen kann über Pooling eine Mindestgröße erreicht werden, welche die Kosten einer Kapitalmarktlösung ökonomisch sinnvoll gestaltet. Pooling setzt außer einer intensiven Risikoanalyse profunde Kenntnisse der Investorenbedürfnisse voraus.
Bei einer Kapitalmarkttransaktion kann sich auch die Übernahme bzw. der Verbleib bestimmter Risiken bei der Münchener Rück als opportun erweisen, um zum Beispiel die Konditionen der Platzierung zu verbessern.
Risk-Warehousing
Werden bestimmte Risiken temporär auf eigene Rechnung gehalten, spricht man von Risk-Warehousing. Hier sind zwei Spielarten denkbar: Ein spezifisches Risiko wird gezeichnet und teilweise auf den Kapitalmarkt transferiert. Bei der anderen Variante werden Risiken, die bereits am Kapitalmarkt platziert sind, aktiv übernommen, zum Beispiel durch den Kauf von Katastrophenbonds. Investments in ILS erlauben es, versicherungstechnische Risiken auch auf der Aktivseite der Bilanz zu zeichnen, um nicht ausgeschöpfte Budgets für bestimmte Risiken auszulasten und so Ertragspotenziale zu heben oder Diversifikationseffekte zu erzielen.
Restrukturierung und Wiederverkauf von Risiken
Bei Restrukturierung und Wiederverkauf werden Risiken derart strukturiert, dass sie auf dem Kapitalmarkt platziert werden können. Durch die Konstruktion von Risiko-Baskets können bestimmte Risiken am Kapitalmarkt zu ökonomisch akzeptablen Konditionen angeboten werden. Wenn man solche Risiken intelligent umstrukturiert, kann man sie nicht nur den bisherigen Investoren (institutionellen Anlegern) zugänglich machen, sondern – etwa in Form von Fonds oder Zertifikaten – sogar Privatinvestoren.
Ausblick
ILS haben sich als komplementäre Assetklasse und Versicherungsform fest etabliert und werden weiter an Bedeutung gewinnen. Die Beispiele Risk-Warehousing und Restrukturierung unterstreichen den Trading-Gedanken und zeigen: Risk-Trading bedeutet mehr als nur die Verbriefung von Risiken. Aufsichtsrechtliche Entwicklungen dürften der Verbreitung von ILS weitere Dynamik verleihen. Neben Solvency II gibt es etwa Bestrebungen, im Rahmen der europäischen Rückversicherungsrichtlinie ein vereinfachtes aufsichtsrechtliches System für "Insurance Special Purpose Vehicles" (ISPV) zu schaffen.
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