02 Piraterie heute

Das 21. Jahrhundert: Die Piraten haben Säbel und Kanonen gegen modernste Waffentechnologie getauscht. Mit Schnellbooten durchkämmen sie die küstennahen Gebiete. Bei Übergriffen zählt das Überraschungsmoment. Oft kommen sie als Küstenwache oder Hafenpolizei getarnt an Bord ihrer ahnungslosen Opfer. Die modernen Piraten agieren sowohl in Häfen als auch auf offener See. Die Bandbreite der Verbrechen reicht vom einfachen Diebstahl bis zu Schiffsraub, Entführung und Mord.

Neue Trends

In letzter Zeit ereignen sich immer häufiger Überfälle auf Bargen und Schleppverbände. Denn diese Schiffsgespanne kann man schnell äußerlich verändern, außerdem führen sie meistens Waren, die leicht umzuschlagen sind.

Vor allem Schiffsentführungen mit Lösegeldforderungen nehmen drastisch zu. Als besonders gefährlich gilt hier die Küste vor Somalia. Abseits der üblichen Routen der kommerziellen Schifffahrt überfallen Piraten auch Privatyachten. Traditionell gefährliche Gebiete sind die Karibik, die Philippinen, das Chinesische Meer, die Küste Somalias und der Golf von Aden.

Terrorismus auf See

Piraterie wird zunehmend mit terroristischen Angriffen auf See in Verbindung gebracht. 80 % des Welthandels erfolgt mit dem Schiff. Die Transportwege führen oft durch ein maritimes Nadelöhr, etwa die Straße von Malakka oder den Suezkanal. Schon eine Teilblockade dieser Passagen würde den Welthandel empfindlich treffen und Zusatzkosten in Milliarden-Euro-Höhe verursachen.

Anzahl der Überfälle

1991 bis 1994 lag die Zahl ziemlich konstant bei rund 100 Vorfällen pro Jahr, die dann aber in die Höhe schnellte. 2000 zählte das IMB 469 Überfälle. Wegen verstärkter Maßnahmen der Terrorbekämpfung nach dem 11. September und wegen der Tsunamikatastrophe im Dezember 2004 ging die Zahl der Angriffe zeitweilig zurück, Anlass zur Entwarnung gibt es jedoch nicht. Erschreckend ist vor allem, dass es immer mehr Geiselnahmen gibt. Von Januar bis Juni 2006 waren es 156, im gleichen Zeitraum 2005 nur 31.

Die Statistiken sind jedoch sehr ungenau, da viele Übergriffe durch Piraten gar nicht gemeldet werden. Das IMB Piracy Reporting Centre kalkuliert bei Piraterie mit einer Dunkelziffer von 50 %.

Gefährdete Gebiete

80 % aller registrierten Überfälle ereignen sich in Territorialgewässern, also in Küstennähe. Regionale Wachstumstrends der Piraterie hängen dabei immer direkt mit wirtschaftlichen Krisen und mangelnden Rechts- bzw. Sicherheitssystemen zusammen. Beispiel Somalia: Mit der Entmachtung des Barre-Regimes Anfang der 90er-Jahre verlor der Staat die Kontrolle über die eigenen Küstengewässer. Das entstandene Machtvakuum bietet seitdem optimale Voraussetzungen für Raubzüge auf See. Situationen wie diese machen deutlich, dass die nationale und internationale Rechtsprechung im Kampf gegen die Piraterie eine entscheidende Rolle spielt.

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