01 Die Geschichte der Piraterie

Die Piraterie ist so alt wie die Schifffahrt selbst. Während Piraten früher auf großen Segelschiffen und bewaffnet mit Säbeln und Kanonen auf Beutezug gingen, sind sie heute mit Schnellbooten und modernsten Waffen auf der Suche nach Opfern.

Die Antike

In der griechischen Mythologie galt sie ebenso wie Jagd und Fischfang als Handwerk und war eng mit dem Sklavenhandel verknüpft. Denn neben üblichen Handelswaren sind Leibeigene eine besonders begehrte Beute. Schon damals bemühten sich Staaten, die Seehandel betreiben, ihre Schiffe vor Piratenangriffen zu schützen, und schlossen Verträge mit Nachbarstaaten. Erfolg versprach aber nur die kriegerische Auseinandersetzung. So zerstörte 70 v. Chr. das Römische Reich mit einem Aufgebot von 500 Kriegsschiffen über 1.700 Piratenschiffe und verhinderte eine drohende Hungersnot.

Das 14. Jahrhundert

Von 1389 bis 1392 führten Schweden und Dänemark Krieg. Zu dieser Zeit war Kaperei im Seekrieg ein hoheitlich legalisiertes Seebeuterecht. Die Mecklenburger heuerten eine Gruppe Freibeuter an: die Vitalienbrüder.

Nachdem Frieden geschlossen worden war, setzten sie ihre Raubzüge fort und waren unter der Losung "Gottes Freund, aller Welt Feind!" allseits gefürchtete Seeräuber. Erst Jahrzehnte später kann sich der Bund der Hanse gegen sie durchsetzen. Der bekannteste Führer der Vitalienbrüder war Klaus Störtebeker, den die Hanseaten 1401 gefangen nahmen und hinrichteten.

16. bis 19. Jahrhundert

Eine weitere Hochkonjunktur erlebte die Piraterie im Zeitalter der Entdecker und Eroberer. Der Seehandel über die Weltmeere blühte — die Piraten witterten fette Beute. Dabei handelten sie nicht nur im eigenen Auftrag. Die Feudalmächte legalisierten Beutezüge, um sich ihren Anteil an den Reichtümern der Neuen Welt zu sichern und ihre eigenen Schiffe vor Übergriffen zu schützen.

Ein wichtiges Kapitel dieser Epoche schrieben die Barbaresken, auch Barbaren-Korsaren genannt. Sie lebten an der Berberküste Nordwestafrikas und galten als die "Geißel aller Handelsschiffe im Mittelmeer". Die Erfolgsgeschichte der Barbaresken ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwierig auch heute der Kampf gegen die Piraterie ist: Erst 1830 gelang es den Franzosen mit der Eroberung Algiers, dieses Kapitel der Piraterie zu beenden.

Nachdem 1856 mit der Pariser Seerechtsdeklaration die staatlich autorisierte Kaperei und 1890 mit der Brüsseler General-Akte die Sklaverei endgültig abgeschafft wurde, verlor die Piraterie zwar ihre offizielle Legitimation, überlebte jedoch als kriminelle Erscheinung bis heute.

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