Long-Tail-Risiken – die Patentlösung gibt es nicht

Long-Tail-Geschäft abzusichern gehört zu den Kernaufgaben von Rückversicherern. Diese Risiken zu managen stellt alle Beteiligten vor wachsende Herausforderungen. Nur wenn Erst- und Rückversicherer an einem Strang ziehen und die Besonderheiten der jeweiligen Märkte und Sparten berücksichtigen, lassen sich die knappen Kapazitäten optimal nutzen.

Die Frage, wie sich Änderungsrisiken in den Long-Tail-Sparten, also Sparten mit langer Abwicklungsdauer, optimal managen lassen, ist für die Versicherungswirtschaft von zentraler Bedeutung. Um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, muss man genau analysieren, welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, rechtlichen und technologischen Trends die finanziellen Risiken beeinflussen. Besonders kritisch sind Schäden, die entweder noch nicht bekannt oder eingetreten, aber noch nicht abgewickelt sind. Dabei gilt: In einer Welt zunehmenden Wandels werden die Dimensionen von Langfristtrends leicht unterschätzt.

Dem Änderungsrisiko besonders unterworfen sind die Sparten Arbeiterunfall, Kfz-Haftpflicht und die Produkthaftung, weil es hier unter Umständen sehr lange dauert, bis alle Ansprüche aus einem Schadenereignis bekannt sind. Das gilt besonders bei schweren Personenschäden in der Kfz-Haftpflicht. In entwickelten Volkswirtschaften sind dafür vor allem die Kostenexplosion im Gesundheitswesen sowie gestiegene Ansprüche für häusliche oder stationäre Pflege verantwortlich. Die Pflegekosten werden Schätzungen der OECD zufolge bis 2050 im Durchschnitt um bis zu 7,3 Prozent pro Jahr zulegen, unter anderem da die Lebenserwartung und die derzeit noch niedrigen Löhne im Gesundheitswesen steigen werden.

Dass die Heilkosten zunehmen, ist dagegen auf den rasanten medizinischen Fortschritt, neue Medikamente und Therapiemöglichkeiten zurückzuführen. Das kumulative Ergebnis dieser Einflussfaktoren ist, dass die Gesundheitskosten überproportional wachsen.

Darüber hinaus machen die europaweiten Harmonisierungsbestrebungen auch vor Entschädigungsstandards nicht halt. Dabei wird sich das Niveau aus sozialen Erwägungen heraus eher nach oben anpassen. Der Opferschutz, gerade von Kindern, erlangt dabei einen immer höheren Stellenwert.

Auch in den Schwellenländern treten verstärkt Änderungsrisiken auf. Dort schlagen bei den Versicherern vor allem Einkommensausfälle bei schweren Personenschäden zu Buche. Denn wegen des rapiden Wirtschaftswachstums haben die Löhne überdurchschnittlich zugelegt. Eine besondere Herausforderung bilden Länder, in denen die bislang geringen Deckungssummen angehoben werden. Dies ist zum Beispiel in Osteuropa aufgrund der 5. KH-Richtlinie zu erwarten. Außerdem geben die Menschen in den aufstrebenden Ländern mit wachsendem Wohlstand immer mehr Geld für das Gut Gesundheit aus, was die Kosten weiter nach oben treibt. Von besonderer Bedeutung ist schließlich die steigende Lebenserwartung in den Schwellenländern.

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