Mike Ayrey
KFZ-Tarifgestaltung im internationalen Vergleich
Andere Länder, andere Tarifgestaltungen: Globale Unterschiede in der KFZ-Tarifgestaltung verdeutlichen die kulturellen Bedürfnisse und Besonderheiten der lokalen Versicherer.
Während die Prämie noch vor einigen Jahren lediglich vom Fahrzeug und von der Deckung abhing, setzen sich mittlerweile zunehmend weitere Tarifmerkmale wie "Bonus/Malus" und "Alter des Fahrers" durch. Und dieser Trend zu einer immer komplizierteren Tarifstruktur scheint sich fortzusetzen.
Häufig ist die KFZ-Tarifgestaltung umso differenzierter, je früher der Markt liberalisiert wurde. So zeigt der britische Markt, der in den Sechzigerjahren dereguliert wurde, eine sehr ausgefeilte Tarifstruktur, während sich dort, wo die Tarife erst vor kurzem freigegeben wurden (wie in Ungarn und Polen), noch vergleichsweise einfache Konzepte finden. Andererseits sind gerade diese Märkte besonders interessant, da sie sich momentan rasch verändern.
Auch in Deutschland waren die letzten Jahre von schnellen Entwicklungen geprägt. Der Kraftfahrthaftpflichtversicherungsmarkt wurde erst 1994 dereguliert. Seitdem führte man Tarifmerkmale wie "Garagennutzung", "Geschlecht" und "Alter des Fahrzeugs" ein. Als wir vor wenigen Jahren erstmals einen Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien anstellten, ergab sich ein beträchtlicher Unterschied der Tarifvielfalt - er hat sich inzwischen fast nivelliert.
Wettbewerbsvorteile durch bessere Datenqualität
Die Veränderungen in Deutschland bieten möglicherweise Anhaltspunkte dafür, wie die künftige Entwicklung auf anderen Märkten aussehen könnte. Dank der Weiterentwicklung der IT und der besseren Datenqualität ist es heute viel leichter, Trends in Bezug auf Tarifmerkmale zu analysieren und mögliche neue Merkmale zu prüfen. Den größten Erfolg werden wohl die Versicherer haben, die diese Gelegenheit nutzen, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Manchmal fragt man sich dennoch, wo das enden wird. In vielen Ländern ergibt die Permutation sämtlicher möglicher Tarifmerkmale bereits jetzt eine Zellenzahl, die weit höher liegt als die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge. Wird hier das Grundprinzip der Versicherung unterminiert, nämlich die Zusammenfassung vieler gleichartiger Risiken zu einem Kollektiv?
Auch die gesetzlichen Bestimmungen eines Landes können sich auf die Tarifgestaltung auswirken. Bereits seit einiger Zeit wird auf EU-Ebene erwogen, per Gesetz gegen eine geschlechtsbezogene Diskriminierung vorzugehen. Während viele Länder strikt dagegen sind, haben einige (z. B. Schweden) ihre nationalen Gesetze bereits geändert.
Die Versicherer verwenden schon seit längerem das Geschlecht als Tarifmerkmal. Falls es hier zu einer gesetzlichen Regelung kommt, werden sie nach Ersatz Ausschau halten, was die Tarifgestaltung zusätzlich komplizieren könnte. So ist denkbar, dass anstelle des Geschlechts der Beruf stärker als bisher herangezogen wird, beispielsweise in Form eines Prämienrabatts für junge "Hausfrauen/-männer" und "Sekretäre/-innen". Die wenigen männlichen Vertreter dieser Berufsgruppen wären die lachenden Gewinner.
In vielen Ländern spielen "Verkehrsdelikte" keine Rolle als Tarifmerkmal
Die jeweilige nationale Gesetzgebung ist auch der Grund, weshalb in vielen Ländern "Verkehrsdelikte" als Tarifmerkmal keine Rolle spielen. Ich gehe davon aus, dass auch in Deutschland ein Fahrer, der bereits mehrmals wegen Geschwindigkeitsübertretungen bestraft wurde, eine erheblich höhere Unfallwahrscheinlichkeit hat.
Aufgrund der Datenschutzbestimmungen haben die Versicherer es jedoch schwer, von solchen Verkehrsverstößen zu erfahren. Interessanterweise haben jetzt einige von ihnen begonnen, dieses Tarifmerkmal zu verwenden, wenn ein junger Fahrer durch die Police gedeckt werden soll. Weist er nach, dass er keine Verkehrsverstöße begangen hat (und liefert er somit die gewünschten Informationen freiwillig), gewährt der Versicherer günstigere Konditionen.
Somit ist es gut möglich, dass dieses Tarifmerkmal in Zukunft verstärkt genutzt wird.
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